Ein Nachfolger für Allgemeinmediziner Rüdiger Hermann ist nicht in Sicht.

Ein Nachfolger für Allgemeinmediziner Rüdiger Hermann ist nicht in Sicht.
Rüdiger Hermann suchte bislang vergeblich nach einem Nachfolger für seine Praxis.

Rüdiger Hermann suchte bislang vergeblich nach einem Nachfolger für seine Praxis.

Lothar Berns

Rüdiger Hermann suchte bislang vergeblich nach einem Nachfolger für seine Praxis.

Frimmersdorf. Thomas Bovermann von den Freien Bürgern schlägt Alarm. Der Ratsherr hat die Stadtverwaltung um Unterstützung gebeten, weil er die Hausarztversorgung in Frimmersdorf in Gefahr sieht. Dr. Rüdiger Herrmann, Facharzt für Allgemeinmedizin, wird voraussichtlich Ende 2016 oder Anfang 2017 seine Praxis aufgeben, um sich in den Ruhestand zu verabschieden. Da kein Nachfolger in Sicht ist, richtet Bovermann nun einen Appell an das Rathaus. Die Stadt soll Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen, um eine Lösung für Frimmersdorf zu finden.

„Insbesondere älteren oder schwer erkrankten Frimmersdorfern ist es nicht zuzumuten, künftig Hausarztpraxen in Neurath, Neuenhausen oder Gustorf aufzusuchen“, sagt Bovermann. Er zweifele zudem daran, dass die Ärzte in den mehr oder weniger weit entfernten Nachbarorten bereit seien, die Fülle der Patienten aus seinem Stadtteil aufzunehmen. Aus Sicht des Freien Bürgers heißt das: „Nicht abwarten, bis dass das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern die verbleibende Zeit sinnvoll nutzen, um das Problem zu lösen.“ Dabei soll die Stadtverwaltung helfen, fordert Bovermann in einem Antrag an den Rat.

Würde er von heute auf morgen seine Praxis schließen, müssten rund 1200 Patienten einen neuen Hausarzt suchen, sagt Rüdiger Herrmann, der sich im April 1993 in Frimmersdorf niederließ und dort schon seit fast 23 Jahren praktiziert. Er habe sich bereits mehrfach um einen Nachfolger bemüht – doch: „Es sieht nicht gut aus. Bis jetzt gab es nur Absagen – offensichtlich ist Grevenbroich und insbesondere Frimmersdorf für meine Kollegen nicht attraktiv genug.“ Diese Entwicklung bereite ihm Sorgen, sagt Rüdiger Herrmann.

Bis 2030 müssen am Nordrhein rund 5000 Ärzte gewonnen werden

Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) ist die Lage in Grevenbroich noch vergleichsweise in Ordnung. Stadtweit sind rund 60 Hausärzte niedergelassen, der Versorgungsgrad liegt bei knapp 98 Prozent. „Damit ist die hausärztliche Versorgung in Grevenbroich als gut zu bezeichnen“, sagt Sprecher Christopher Schneider. Auch die Anzahl aktuell freier oder unbesetzter Hausarzt-Sitze sei überschaubar. „Ende 2015 gab es in Grevenbroich nur 1,5 freie Zulassungsmöglichkeiten für Hausärzte“, so Schneider.

Angesichts der Altersstruktur der nordrheinischen Hausärzte rechnet die KVNo allerdings damit, dass sich perspektivisch die Anzahl freier hausärztlicher Zulassungsmöglichkeiten auch in Grevenbroich erhöhen wird. „Denn etwa jeder vierte hier heute noch aktive Hausarzt ist über 60 Jahre alt“, berichtet Christopher Schneider. Nach Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung müssten am Nordrhein bis zum Jahr 2030 rund 5000 Hausärzte gewonnen werden, um das Versorgungsniveau von heute zu erhalten.

„Ob und wie zügig es mit einer Nachfolge klappt, hängt stark mit den individuellen Strukturen ab – etwa der Lage, Patientenzahl oder der Ausstattung einer Praxis“, sagt Schneider. Im Vergleich zu vielen ländlicheren Kommunen habe Grevenbroich im Wettbewerb um junge Ärzte nach seiner Ansicht aber keine schlechten Karten – nicht zuletzt durch die Nähe zu Neuss, Düsseldorf, Mönchengladbach oder Köln. Eine gute Infrastruktur und die Anbindung an Ballungsräume sei für junge Mediziner „ein bedeutender Niederlassungs-Faktor“.

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