Evakuierung Neuss
Zur Entschärfung waren zwei Gefahrenzonen eingerichtet worden. Aus der inneren mussten 1850 Menschen evakuiert werden. Grafik: Stadt

Zur Entschärfung waren zwei Gefahrenzonen eingerichtet worden. Aus der inneren mussten 1850 Menschen evakuiert werden. Grafik: Stadt

Zur Entschärfung waren zwei Gefahrenzonen eingerichtet worden. Aus der inneren mussten 1850 Menschen evakuiert werden. Grafik: Stadt

Neuss. Es dauerte bis in die Nacht: Um 0.50 Uhr hatte Jost Leisten vom Kampfmittelräumdienst die britische Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Der erfahrene Sprengmeister brauchte eine halbe Stunde, bis er den Zünder entfernt hatte.

Einsatzleiter Thomas Mathen konnte um kurz vor 1 Uhr Entwarnung geben. Am Donnerstag Vormittag war die Fliegerbombe an einem Abbruchhaus an der Kölner Straße/Dunanstraße in Gnadental gefunden worden. Wie üblich war auch bei diesem auf dem Grundstück geplanten Bauprojekt nach Blindgängern gesucht worden.

Aufgrund einer Richtlinie der Bezirksregierung musste unverzüglich entschärft werden. Hatten bei den Bombenfunden in der Nordstadt noch umfangreiche Informationen der Anwohner organisiert werden können, musste am Donnerstag alles ganz schnell gehen.

Durch das Radio und über Online-Mitteilungen der Zeitungen sowie Lautsprecherdurchsagen wurden die betroffenen Anwohner benachrichtigt. 1850 Menschen mussten ab 19.30 Uhr ihre Wohnungen verlassen, darunter auch Bewohner eines Altenheims und einer Behinderteneinrichtung.

Nicht alle wussten, was da auf sie zukam: Einige Betroffene, vor allem ältere Menschen, waren völlig überrascht, als es bei ihnen klingelte und sie im Dunkeln aus ihrer Wohnung gebeten wurden, berichtet Peter Fischer vom Presseamt. Zum Teil mit Bettzeug unter dem Arm machten sich viele Anwohner auf in die Turnhalle der Grundschule Pestalozzistraße. Die war bald völlig belegt, sodass weitere Räume geöffnet werden mussten.

Es dauerte bis gegen Mitternacht, bis tatsächlich alle Anwohner im engeren Gefahrenkreis ihre Wohnungen verlassen hatten. Nach der Entschärfung sah man die Anwohner zurück in ihre Häuser gehen – Kinder mit Teddies unter dem Arm dabei. Schwierig war die Unterstützung der Aktion samt Absperrungen durch die Polizei.

Die war zum einen wegen der Großaktion zur Überprüfung von Einbrecherbanden den ganzen Tag über im Sondereinsatz. Zum anderen wurde zeitgleich nahe des 45-stöckigen Uni-Centers in Köln eine Bombe entschärft. Hier mussten 5000 Menschen ihre Häuser verlassen.

So glatt wie in Neuss ging es in Köln nicht ab: Die Bombe mit einem beschädigten Langzeitzünder musste um 1.10 Uhr kontrolliert gesprengt werden. Der Knall war auch in Neuss zu hören. In Neuss kam Bereitschaftspolizei aus Wuppertal zum Einsatz, dazu ein Hubschrauber aus Dortmund – der aus Düsseldorf war in Köln unterwegs.

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