Die Einführung der Blue Card soll auch im Rhein-Kreis das Anwerben ausländischer Mitarbeiter erleichtern.

Rhein-Kreis Neuss. Ein Drittel der Betriebe im Rhein-Kreis Neuss beklagen das Fehlen von Fachkräften. Das geht aus einer Umfrage der IHK Mittlerer Niederrhein hervor. „Das Problem verschärft sich seit Jahren immer weiter“, sagt Gregor Werkle, IHK-Referent für Wirtschaftspolitik. Am Freitag entschied der Bundestag, die von der Europäischen Union geforderte Blue Card für hochqualifizierte ausländische Facharbeiter einzuführen. „Es ist sinnvoll, dass es Fachkräften erleichtert wird, nach Deutschland zu kommen“, meint Werkle.

Mit der Blue Card verbunden sind niedrigere Einkommensgrenzen, als derzeit gefordert. „Ein ausländischer Facharbeiter durfte bislang nur in Deutschland arbeiten, wenn er ein Mindestgehalt von 66 000 Euro hatte“, erklärt Werkle. Zuziehen darf nun, wer mindestens 44 800 Euro verdient. Bei Mangelberufen, zu denen etwa Software-Entwickler gehören, gilt eine Grenze von 34 900 Euro.

„Zu kritisieren ist allerdings, dass eine direkte Niederlassungserlaubnis verwehrt wird“, sagt Werkle. Erst nach drei Jahren dürfen ausländische Fachkräfte unbefristet in Deutschland bleiben. Ein Umstand, der viele Interessierte auch weiterhin abschrecken könnte.

Im Schnitt sind pro Unternehmen ein bis drei Stellen nicht besetzt

Im Rhein-Kreis herrscht laut IHK vor allem ein Mangel an Fachkräften im Bau- und Industriegewerbe. 62,5 Prozent der Firmen aus der Baubranche beklagen fehlende Facharbeiter, bei den Industriebetrieben sind es 44 Prozent. Im Schnitt existieren pro Unternehmen ein bis drei offene Stellen. „Es gibt allerdings auch Einzelfälle mit 20 freien Stellen“, sagt Werkle.

Die Mehrheit der Betriebe setze zur Lösung des Problems auf Aus- und Weiterbildung. Nur acht Prozent betrachten ausländische Fachkräfte als Option. Das liege vor allem an der bisherigen Einkommensgrenze. Werkle: „Wer verdient schon 66 000 Euro?“

Im Förderprojekt „Regionalbudget“ verfügt der Rhein-Kreis Neuss 130 000 Euro zur Fachkräfteberatung und -sicherung.

Der Rhein-Kreis will mit dem Projekt erreichen, dass Jugendliche verstärkt Berufe ergreifen, die von den Unternehmen gesucht werden, und so dem Fachkräftemangel entgegen wirken.

Andreas vom Bruch, Sprecher der Neusser Software-Firma Emc, bestätigt den Fachkräftemangel: „Das ist ein Thema in der gesamten Branche. Ohne Fachkräfte können wir nicht weiterwachsen.“ Deshalb suche das Unternehmen auch verstärkt im Ausland nach Mitarbeitern.

In der Baubranche herrscht Skepsis: „Die Blue Card zielt nicht in unsere Richtung, wir sind eine untergeordnete Gruppe im Vergleich zu IT-Firmen“, meint der Neusser Bauunternehmer Bernd Hoeveler.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) hält die Blue Card für eine Chance: „Das ist sicher ein Beispiel, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“ Es sei jedoch auch wichtig, Jugendliche gezielt auf Berufe hinzuweisen, in denen Fachkräfte fehlen sowie Jugendliche aus Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit nach Deutschland zu holen.

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