Im Etienne war Mitte Dezember kein Bett mehr frei, im Lukas legte jetzt ein EDV-Ausfall Geräte lahm.

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Die Leitstelle der Feuerwehr koordiniert die Rettungsfahrten. Bei ihr melden sich Krankenhäuser ab, wenn nichts mehr geht.

Die Leitstelle der Feuerwehr koordiniert die Rettungsfahrten. Bei ihr melden sich Krankenhäuser ab, wenn nichts mehr geht.

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Die Leitstelle der Feuerwehr koordiniert die Rettungsfahrten. Bei ihr melden sich Krankenhäuser ab, wenn nichts mehr geht.

Neuss. Jeder Notfall muss in jedem Akutkrankenhaus aufgenommen werden, daran ist nicht zu rütteln. Dennoch kann ein Krankenhaus sich auch schonmal mit seiner Notfallversorgung bei der Leitstelle der Feuerwehr, die die Rettungsfahrten koordiniert, "abmelden".

Das kommt selten vor, ist aber im Dezember gleich zweimal geschehen. Sowohl das Etienne-Krankenhaus als auch das Lukaskrankenhaus signalisierten der Leitstelle am Hammfelddamm: Wir können nicht mehr.

Im Etienne war Mitte Dezember schlicht kein Bett mehr frei. Voll belegt die Stationen, Betten auf den Fluren, drangvolle Enge in der Aufnahme. Das bedeutete die "große Abmeldung", wenn mehr als eine Fachabteilung betroffen ist. Die Rettungswagen fahren dann andere Kliniken an.

Ausweichmöglichkeiten im Umkreis

So wie die Kreiskrankenhäuser, das Lukaskrankenhaus oder auch nahe liegende Kliniken wie in Krefeld, Mönchengladbach oder Düsseldorf.

Auch das Lukas hat sich gerade "abgemeldet", wobei Dr. Klaus Reinartz, Chef der Zentralambulanz, dies als eine Bitte an die Leitstelle versteht. Auch im Lukas ist es voll, doch hatte diese Notaufnahme-Pause einen anderen Grund.

Eine "extrem komplexe Betriebsstörung" in der EDV, erklärt Reinartz, hatte den Betrieb in Teilen beeinträchtigt. Röntgenbilder und Laborwerte konnten nur stark eingeschränkt erstellt werden. Reinartz betont allerdings, dies sei keine dramatische Situation gewesen, auch war das Etienne informiert. Und natürlich werde jeder Patient, den ein Notarzt schickt oder der selbst kommt, behandelt.

Die hartnäckige EDV-Störung erwischte das Lukas an den in Klinikkreisen bekannten heiklen Tagen. In dieser Zeit über Weihnachten bis Neujahr war es in diesem Jahr besonders angespannt, weil zahlreiche Praxen wegen der günstig liegenden Brückentage geschlossen hatten.

Um 30 Prozent stiegen in den vergangenen Tagen die Patientenzahlen im Lukas, und auch in der Aufnahme drängten sich die Patienten. Da gab es längere Wartezeiten und auch Unzufriedenheit, so Reinartz, der den Unmut nur zum Teil verstehen kann. So kämen Menschen auch mit banalen Erkältungen und blockierten den ohnehin angespannten Betrieb in der Ambulanz.

Mit simpler Erkältung in der Klinik-Ambulanz

Abgesehen von den Schnupfen-Patienten, die kein Bett brauchen, zeige sich hier eine Entwicklung, die auch bei den schweren Notfällen zu beobachten sei: Der politisch gewollte Bettenabbau treffe auf einen steigenden Bedarf, nicht zuletzt durch die zunehmende Zahl älterer Patienten.

Dennoch betont Dr. Reinartz, dass im Lukas wegen "Überfüllung" nur äußerst selten um eine Pause bei der Notaufnahme gebeten werde. Und auch dann sei die Versorgung keinesfalls gefährdet: Neuss liege in einem "idealen Raum: Und die Notärzte wissen das."

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