Vieles im städtischen Kulturetat trägt zurzeit einen Sperrvermerk.

Kaarst. Das Jahr 1994 war ein gutes für die Kaarster Kunstszene. Gleich elf Kunstwerke wurden geschaffen und aufgestellt – der Grundstein für das Kaarster Stelenkonzept war gelegt, auch wenn es damals noch im Rahmen des Rathausneubaus als Projekt unter dem Titel „Zur Mitte hin“ fungierte, das 1995 um elf neue Arbeiten rund um das Rathaus erweitert wurde. Ausgedacht hatten es sich die 2006 gestorbene Künstlerin Martel Wiegand und der Kaarster Geisteswissenschaftler Helmut Blochwitz. Elf Jahre und noch mal elf Kunstwerke weiter herrscht Stillstand beim Stelenkonzept.

Keine Einigkeit im Fünfer-Bündnis

Rund 2500 Euro waren bislang für die Aufstellung neuer Kunstwerke eingeplant worden, im aktuellen Haushaltsvorschlag der Verwaltung sind es null Euro. Ohnehin hat es die Stadt in den vergangenen Jahren kaum einen nennenswerten Betrag gekostet, die Kunstwerke zu kaufen. Meistens wurden sie dank der Hilfe von Sponsoren angeschafft. In der Regel kamen dabei lediglich 500 Euro für das Fundament und die Betonsäule aus dem städtischen Haushalt. Da in den Haushaltsberatungen jedoch beschlossen wurde, 50 beziehungsweise 75 Prozent des Kulturetats mit einem Sperrvermerk zu versehen, den nur der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss (HWFA) aufheben kann, sind dem zuständigen Kulturmanager Klaus Stevens zurzeit die Hände gebunden.

Auf der nächsten Sitzung des HWFA am 28. Januar stehen indes unter dem Punkt „Entsperrung von Haushaltsmitteln“ Aufwendungen für Jugendförderung/Familienhilfeplan und Sportförderung zur Diskussion. Die Linke beantragt zudem die Einführung einer Kultur-Card, die mit Mindereinnahmen von 16 000 Euro zu Buche schlagen könnte.

In Sachen Kunststelen will CDU-Chef Lars Christoph allerdings die Handlungsfreiheit gewahrt wissen, ein Angebot auch annehmen zu können und Fundament und Betonsäule dann seitens der Stadt zu bezahlen. „Der Stelenweg hat eine große kulturelle Bedeutung“, sagt er, „der Etat dafür ist klein und überschaubar.“

Der Sprecher des Fünfer-Bündnisses und Grünen-Chef Christian Gaumitz hingegen reagiert zurückhaltend. Angesichts des strukturellen Haushaltsdefizits von drei Millionen jährlich gebe es „keine Denkverbote“, sagt er. Auch wenn der Posten für das Stelenkonzept nur 2500 Euro betrage, müsse über alles nachgedacht werden. „Ich weiß, dass das eine unangenehme Aufgabe ist“, sagt er weiter, „aber wir müssen erst mal grundsätzlich klären: Was ist uns die Kultur wert?“ Ganz bewusst habe sich das Bündnis dafür eingesetzt, nicht nach dem Rasenmäher-Prinzip zu sparen, „aber so weiter wie bisher geht es auch nicht“. Fraktionschefin Anneli Palmen vom Bündnis-Partner SPD nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ein Verein oder ein Sponsor uns anböte, eine Arbeit zu finanzieren und wir könnten sie nicht aufstellen, weil wir das nicht finanzieren können“, sagt sie. Ihrer Meinung nach hat sich das bisherige Sponsor-Prinzip des Stelenkonzepts bewährt und sollte auch beibehalten werden: „Natürlich muss man darauf achten, dass jetzt nicht neue Stelen in großen Mengen kommen.“

Vorerst sind nur zwei in Sicht. Der Solinger Künstler Ulrich Mader, der zur Kaarster Künstlergruppe Salix gehört, hat den „Sternengucker“ (Foto: Stevens) geschaffen. Eine Figur, die er aus Ebenholz herausarbeitet hat und die in Driesch aufgestellt werden soll. Ebenfalls über die Planungsphase hinaus ist der Düsseldorfer Künstler Till Hausmann, der einen „Ampelnistkasten“ entworfen hat, dessen Standort der Wiegand-Weg werden könnte. Er hat aus einer Verkehrsampel die Lichtsignale ausgebaut und das Gehäuse feuerrot bemalt. Tatsächlich könnte der Kasten Vögeln als Nistplatz dienen.

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