Der erste Gare du Neuss in den alten Frachthallen stößt auf gute Resonanz.

Neuss. Wo es um echte Designerstücke geht, sind knallharte Verhandlungen nötig, logisch. "80 für beide, die Krokotasche und die Dior-Schuhe", sagt die Interessentin und lässt nicht locker. Diese Szene spielt sich am Samstag auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs an der Zufuhrstraße ab - beim ersten Trödelmarkt an diesem Ort, dem "Gare du Neuss".

Die Sonne scheint durch die hohen Hallenfenster aufs Gebälk "henger de Bahn", der Obstjunge bringt süße Ananas unters Volk, andere gönnen sich ein Trödel-Gedeck der besonderen Art: Champagner mit Currywurst für 15Euro.

Veranstalter Kay Schloßmacher ist nach langer Planungszeit glücklich: "Besser könnte eine Eröffnung gar nicht laufen", freut sich der Düsseldorfer, der bereits seit vier Uhr früh auf den Beinen ist, um letzte Vorbereitungen zu treffen. "Alles passt, die Leute, das Wetter", sagt er.

Schon vor Jahren musste Les Halles in den alten Expresshallen in Derendorf schließen, nun findet das Konzept "Markt mit französischem Flair" in Neuss jeden Samstag von 8 bis 16 Uhr eine Fortsetzung. Kein Trödelmarkt wie auf irgendeinem Supermarktparkplatz, sondern ein Ambiente mit Charme: Das ergibt eine Mischung, von der das Publikum angetan ist. "Statt Billigtrödel gibt’s hier schöne, individuelle Ware", meint Besucherin Alexandra Stevens.

"Feilschen gehört zum Flohmarkt wie ein Latte Macchiato zum Straßencafé."

Trödelmarkt-Besucherin

"Ja, gefällt mir gut hier. Die Atmosphäre hat was, ein Markt ohne Ramsch. Das lohnt sich", sagt Babette Schönborn. "Trödeln ist eine Sache des Stils, da geht es nicht ums Geld", sagt die Neusserin: "Man kauft etwas, auch wenn man gar nichts sucht", sagt sie und zwinkert ihrem Begleiter zu.

"Feilschen gehört zum Flohmarkt wie der Latte Macchiato zum Straßencafé", findet Anne Wissmann, die noch mit sich hadert, ob sie die Spiegel-Ausgabe vom 12. Dezember 1956 mit der Elvis-Titel-Geschichte für 45Euro kaufen soll. Wer Kerzenleuchter oder einen echten Vitra-Sessel, antike Reise-Accessoires, alte Leicas oder Kaffeemühlen sucht, wird auf dem etwa 2000 Quadratmeter großen Gelände im Gare du Neuss fündig.

Simone Hannemann findet die Preise teilweise gepfeffert: "Das hat zwar alles Stil, aber 15 Euro für eine Bonboniere ist mir dann doch zu teuer."

Zwar hat Händler Hubert Orbach bislang mehr Seh- als Kaufpublikum ausgemacht, dennoch ist er mit der Premiere zufrieden: "So ein Markt tut Neuss gut", sagt Orbach, der seit vielen Jahren Antikes und Trödel verkauft. Wer Bierkrüge aus der Horten-Ära oder Tuschezeichnungen vom Quirinusmünster sucht, wird an seinem Stand nicht enttäuscht.

Bei Händler Rolf Schiemenz ist gerade ein Silbertablett über den Ladentisch gegangen. "Es läuft bombig, der Markt wird sehr gut angenommen und die Auswahl der Händler ist gut", lobt der Dormagener die Atmosphäre. Gewandmeisterin Karen Schnitzler, die an ihrem Stand auch selbst genähte, nostalgische Kostüme anbietet, ist mit dem Tag zufrieden: "Ich habe schon Schmuck verkauft. Schön ist, dass jeder Stand so individuell ist."

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