Ein Buch über die Ortsgeschichte Weckhovens

Der Heimatverein bringt zum 20-jährigen Bestehen ein Werk über Weckhovens Historie heraus.

Ein Buch über die Ortsgeschichte Weckhovens
Foto: Salzburg

Weckhoven. Der Ortsteil Weckhoven war immer ein Spielball äußerer Kräfte und zu klein, um seine Geschichte selbst gestalten zu können. Das muss Friedrich Wilhelm Fernau am Ende seiner Studien nüchtern feststellen. Ein geschichtsloser Ort ist die schon zur Steinzeit besiedelte Gegend an Gillbach und Erft aber ganz und gar nicht, sagt der 79-Jährige, der es an der Zeit fand, die auch einmal aufzuschreiben. Das Ergebnis liegt vor und ist geeignet, den Stolz der Weckhovener auf ihre Heimat neu zu befeuern.

Das ist ganz im Sinne von Heinz Hick. „Der zum Teil beschädigte Ruf Weckhovens in der Stadt muss verbessert werden“, sagt der Vorsitzende des als Herausgeber auftretenden Heimatvereins Weckhoven. Der beschenkt sich mit dem Buch „Weckhoven — von des Geschickes Mächten“ selbst zum 20-jährigen Bestehen und lässt aus gleichem Anlass auch im Mai nächsten Jahres die „Kulturwochen in Weckhoven“ wieder aufleben. Die starten mit dem Lindenplatzfest am 30. April und werden mit einer — nachgeholten — Geburtstagsfeier des Vereins am 20. Mai gekrönt. „Weckhovens Kulturspektrum ist vielseitiger, als der eine oder andere glaubt“, sagt Hick. Das sollen die Kulturwochen aufzeigen und „Begeisterung für das Leben im Stadtteil wecken.“

Dazu muss der Verein vorher aber auch noch woanders ansetzen — beim Ladenzentrum Otto-Wels-Straße, zum Beispiel. Fernau lobt das Weckhoven der Gegenwart zwar ausdrücklich als grünen und „best gelegenen Stadtteil von Neuss“, nennt aber in sener Ortshistorie die Ladenzeile neben der „Verzerrung der Sozialstruktur“ und der „schlechten Verkehrsanbindung“ ein echtes Problem. Hick und seine Vorstandskollegen sehen das ebenso. Im Januar werde man alle Akteure dort an einen Tisch holen, kündigte er an.

150 Seiten ist Fernaus reich bebildertes Buch dick geworden. Seine Darstellung setzt im Mittelalter ein, bei den Herren von Erprath und ihrem befestigten Wohnsitz, der Kyburg. Von dieser Wehranlage, die 1166 erstmals schriftlich erwähnt wird, sind zwar nur noch Reste vorhanden, trotzdem ist sie für Fernau identitätsstiftend. Der Heimatverein sieht das genauso. „Die Kyburg muss als Teil der Ortsgeschichte erlebbar sein“, sagt Hick. Er kündigt eine politische Initiative an, damit — Denkmalschutz hin, Landschaftsschutz her — die Weckhovener wieder mehr von „ihrer“ Burg haben.

Wer sich mit Fernaus Arbeit beschäftigt, kommt über die Ortsteil- schnell zur Regionalgeschichte. Wichtige Wegmarken arbeitet er dabei detailliert heraus: Den Vertrag von 1405, der Weckhoven in den Besitz der Kölner Fürstbischöfe brachte. Oder das Jahr 1815. „Wir werden Preußen“, sagt Fernau, das aber brachte dem Ort Schule und Erftbegradigung. Wichtig war auch 1863, als die Weckhovener, die noch zu Hoisten gehörten, einen eigenen Schützenverein durchsetzen konnten. Entscheidender aber war die Eingemeindung nach Neuss im Jahr 1929. Fernau: „Wenn wir uns damals als Stiefkinder gefühlt haben, so müssen wir heute sagen, dass für Klagelieder kein Anlass mehr besteht.“

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