Premiere im Theater am Schlachthof mit immer besser werdender Elisabeth Pleß.

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Elisabeth Pleß überzeugt als ausgebrannte, zerrissene Effi.

Elisabeth Pleß überzeugt als ausgebrannte, zerrissene Effi.

Elisabeth Pleß überzeugt als ausgebrannte, zerrissene Effi.

Neuss. Früher sagte man: "arrangiert" und meinte damit, dass bei der Verbindung nachgeholfen wurde. Heute sprechen wir von Zwangsehen, die auch nicht viel anders sind als die vor hundert Jahren arrangierten.

Den meisten der 72 Zuschauer in der nahezu ausverkauften Premiere des Fontane-Romans "Effi Briest" im Theater am Schlachthof ging nach dem über zwei Stunden langen Stück sicherlich ein Licht über Ehrbegriffe auf. Das ist ein Verdienst der gelungenen Inszenierung von Markus Andrae.

Fontane porträtiert mit Effi Briest eine Gesellschaft, die zwar noch starr an ihren Grundsätzen festhält, deren Grundfesten aber bereits durch Zweifel erschüttert sind.

Dies Aufzuzeigen gelingt vor allem Johann Wild (er spielt Effis Mann Geert von Instetten und alle weiteren männlichen Rollen) und Maria Faust als Effis Mutter (und alle weiblichen Rollen) glänzend. Mal feinsinnig (als Mutter), mal distanziert und unreflektiert (als Haushälterin) und rheinisch witzig mit dem Herz auf der Zunge als Kindermädchen.

Gelungener Sprung vom Mädchen zur ausgebrannten jungen Frau

Elisabeth Pleß schafft als Effi den glaubhaften Sprung vom Mädchen zur innerlich ausgebrannten jungen Frau mit allen Stufen eines changierenden Lächelns und einem Ausdruck, dem man sich schwer entziehen kann.

Es entsteht fast eine Interaktion zwischen dem Publikum in dem relativ kleinen Theater und der sich immer mehr in die Rolle einfindenden Pleß. Schade, dass die 27-Jährige als junge, frisch zwangs-verheiratete Effi deutlich zu grob, ja fast zu prollig erscheint.

Regisseur Markus Andrae hatte angekündigt, sich in dem Stück ganz auf die Figur der Effi und ihr Schicksal konzentrieren zu wollen. Damit vergibt Andrae die Chance, die heute hochaktuelle Kritik an den Normen der Gesellschaft aufzuzeigen. Da passt es, dass Effi mehrmals zu ihrem Mann sagt, dass er ihr nicht mit Gesellschaft kommen soll.

Fazit: Der Besuch von Effi lohnt sich in jedem Fall, denn die Art der Inszenierung passt zu der Atmosphäre im Theater am Schlachthof.

» Weitere Vorstellungen: Fr 16., So 18., Fr 23., Sa 24., So 25. und Sa 31. Januar jeweils um 20 Uhr im Theater am Schlachthof, Blücherstraße.

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