Der Erftverband erarbeitet eine Studie. Das Ergebnis soll es bis zum September geben.

wza_1004x1500_524342.jpeg
Vollgelaufene Keller könnten in Gohr bald Vergangenheit sein.

Vollgelaufene Keller könnten in Gohr bald Vergangenheit sein.

Archiv

Vollgelaufene Keller könnten in Gohr bald Vergangenheit sein.

Dormagen. Die durch das hohe Grundwasser geschädigten 200Hausbesitzer in Gohr können neue Hoffnung schöpfen, dass es auch bald für sie eine Lösung gibt. "Mit Hilfe von vier Entnahmestellen kann es gelingen, die Grundwassersituation in den Griff zu bekommen", sagt der Geschäftsführer des Erftverbandes Wulf Lindner.

Das wirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen untersucht im Auftrag des Rhein-Kreises derzeit die Möglichkeit der Umsetzung und die Auswirkungen anhand eines Computermodells. "Die Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich im September vorliegen", kündigt Lindner an.

Wie berichtet hat der Erftverband bereits eine Modellstudie für den Raum Kaarst-Korschenbroich angefertigt. Es wurde untersucht, wie mit Hilfe von optimierten Kappungsmaßnahmen bei hohen Grundwasserständen die Anzahl betroffener Gebäude im Raum Korschenbroich-Kaarst erheblich reduziert werden könnte.

Die Modellstudie berücksichtigte anhand von fünf Rechenvarianten die heutigen, vom Bergbaueinfluss geprägten Verhältnisse sowie die sich nach Ende des Bergbaus langfristig einstellende Grundwassersituation. Um Grundwasserspitzen infolge von Nässeperioden zu entschärfen und dadurch den Grundwasserstand im Raum Korschenbroich-Kaarst zeitweise zu senken, berechnete der Erftverband den Einfluss der Grundwasserförderung an verschiedenen Standorten.

Die Ergebnisse der Modellrechnung zeigen, dass durch gezielte und zusätzliche Grundwasserförderung mit Hilfe dieser so genannten Kappungsbrunnen zahlreiche Gebäude vor den zu erwartenden höheren Grundwasserständen geschützt werden könnten.

Problem: Grundwasser hat hohe Nitratwerte

Die Fördermengen betragen im Mittel 1,1 bis 2,6 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr und liegen deutlich unter den Fördermengen der ebenfalls in der Öffentlichkeit diskutierten großräumigen Grundwasserförderung (große hydraulische Lösung) zum Trockenhalten des betroffenen Gebiets (im Mittel 22 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr). Entsprechend geringer ausfallen würden die Investitions- und Betriebskosten.

Jetzt wird die Berechnung auch für Gohr durchgeführt. Geschäftsführer Lindner ist aber zuversichtlich, dass durch vier Kappungsbrunnen die Grundwasserproblematik in Gohr in den Griff zu bekommen sei. Bei der Erstellung des Gutachtens ist der Erftverband auf ein Problem gestoßen. "Bei der Grundwasserentnahme haben wir erhöhte Nitratwerte festgestellt. Aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung in der Region ist das nichts ungewöhnliches.

Die hohen Nitratwerte dürfen nur keine Auswirkungen auf das Wasserwerk Mühlenbusch haben", sagt Grundwasser-Experte Bernd Bucher vom Erftverband. Denn das entnommene Grundwasser muss auch wieder versickern. "Die bisher geplanten Standorte würden aber die Grundwasserqualität verschlechtern. Wir prüfen nun eine Verlagerung der Versickerungsstandorte und die Auswirkungen auf das Wasserwerk. Denn durch die Grundwasserentnahme darf die öffentliche Trinkwasserversorgung nicht gefährdet werden", erläutert Bucher.

Was der Bau der vier Brunnen und deren Betrieb kosten wird, kann der Erftverband nicht sagen. "Dafür ist dann ein weiteres Gutachterbüro zuständig", sagt Prokurist Bernd Bucher.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer