Filmarbeiten: Am Zonser Rheinufer wurde eine Schlüsselszene für den indischen Action-Thriller „Mujjahir“ gedreht.

Dormagen. Der indische Filmstar Khan dreht im beschaulichen Zons? Müssten da nicht tausend kreischende weibliche Fans den Rheindeich säumen und um Autogramme betteln?

Nicht unbedingt. Denn der gutaussehende Schauspieler, der am Montag einen Tag lang auf der Zonser Rheinfähre vor der Kamera stand, war nicht Bollywood-Ikone Shahrukh Khan, sondern sein in Indien ebenfalls sehr populärer Landsmann Ali Khan.

Ein Action-Thriller nach bewährtem Muster

Gedreht wurde auch kein klassisches Bollywood-Musical mit knalligen Farben und klebrig-süßer Geschichte, sondern ein Action-Thriller ganz nach westlichem Vorbild. Indien war am Set wenig repräsentiert: Nur die beiden Hauptdarsteller Ali Khan und Sachin Joshi sowie Regisseur Prashant Chadha versprühten exotisches Flair.

Der blasshäutige Rest der Crew gehörte zur Hürther Stunt-Firma Action Concept, die Zons als Schauplatz ausgewählt hatte und den gesamten Dreh auf der Fähre organisierte.

Kleine Tochter wird im Helikopter entführt

Chadhas neueste Produktion "Mujjahir" ist ein Thriller nach bekanntem Muster: Es geht um Terroristen, die ein Virus gestohlen haben und die Welt bedrohen.

Der Held macht sich auf in den Kampf, der Mitstreiter entpuppt sich als Verräter, der die Frau des Helden tötet und die Tochter entführt. Vom Schmerz entfesselt, gelingt es dem Protagonisten, die Bösewichte zu stoppen.

Auf dem Rhein zwischen Zons und Urdenbach wurde sogar eine Schlüsselszene des Films gedreht: Eine Verfolgungsjagd, die auf der Fähre endet. Dort lässt der vermeintliche Freund die Maske fallen, erschießt die Frau des Helden und lässt per Helikopter die kleine Tochter kidnappen.

Warum ausgerechnet Zons als Schauplatz für einen Film, der in 750 Kinos entlang des Ganges gezeigt werden soll? Action concept-Produktionsleiter Hendrik Lam: "Die Inder stehen auf exotische Orte. Die Landschaft hier am Rhein ist schon sehr speziell. Wir wollten nicht die Innenstadt einer modernen Großstadt nehmen, denn die hätte überall in Europa sein können."

Und so wird Zons wahrscheinlich auch als Zons über die indischen Leinwände flimmern. Und Wuppertal, wo in den vergangenen Tagen mit dutzenden Komparsen und aufwändigen pyrotechnischen Effekten gefilmt wurde, wird Wuppertal bleiben. Ursprünglich war geplant, die historische Stadthalle nach Davos zu "verpflanzen".

Verfolgungsjagd, Schusswechsel, Helikoptereinsatz: Was spannend klingt, erweist sich in der Realität als relativ langatmig. Dreharbeiten bestehen für die Schauspieler zum größten Teil aus Warten. Bevor am Montag die Kameras am Zonser Rheinufer zum ersten Mal rollten, waren schon zwei Stunden vergangen.

Ali Khan, der im feinen grauen Zwirn und weißem Hemd auf seinen Einsatz wartete, nahm es gelassen. Er lebt seit sechs Jahren in London und ist ein Wanderer zwischen den Welten - Bollywood und Hollywood, romantischer Liebhaber und eiskalter Killer: "Am Ende des Tages zählt der Scheck", sagt er ganz nüchtern.

Deutschland hat er schon oft besucht. Im Oktober wird er hier einen neuen Film drehen, an der Seite von Megastar Sharukh Khan und wieder zusammen mit Action concept. Nur Zons kommt leider darin nicht vor - Schauplatz des nächsten Action-streifens ist Berlin.

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