Ein Anschlag mit nuklearer Explosion – auf dieses Szenario stellen sich 400 Helfer Ende Januar ein. Sie nehmen an einer bundesweiten Katastrophenschutzübung teil. In drei Bundesländern und an vier NRW-Standorten proben Rettungskräfte den Fall eines terroristischen Anschlags mit einer Vielzahl an Verletzten.

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Beim Einsatz in Dormagen wird auch eine mobile Dekontaminationsanlage getestet.

Beim Einsatz in Dormagen wird auch eine mobile Dekontaminationsanlage getestet.

Beim Einsatz in Dormagen wird auch eine mobile Dekontaminationsanlage getestet.

Dormagen/Rhein-Kreis Neuss. Terroristen bedrohen Deutschland. Sie sind im Besitz von radioaktivem Material und gesundheitsschädlichen Chemikalien und drohen mit Anschlägen. Am 27.Januar explodiert eine Bombe in Köln, im Laufe des Tages kommt es zu drei weiteren Anschlägen. Einer davon passiert in Dormagen.

Das ist das Szenario, vor dem am Mittwoch, 27. Januar, und am Donnerstag, 28.Januar, rund 400 Einsatzkräfte stehen. Sie nehmen an einer bundesweiten Katastrophenschutzübung teil. In drei Bundesländern und an vier NRW-Standorten proben Rettungskräfte den Fall eines terroristischen Anschlags mit einer Vielzahl an Verletzten. Das Szenario in Dormagen beschreibt einen chemischen Anschlag während eines Bundesliga-Handballspiels.

"Die Übung soll unsere Einsatzkräfte taktisch und operativ schulen. Außerdem können wir so unsere Strukturen prüfen und gegebenenfalls verbessern", sagt Sabine Voss, Leiterin der Freiwilligen Feuerwehr.

Zwar kommen bei der Übung keine Gefahrenstoffe zum Einsatz, dennoch dient sie auch dazu, die in Dormagen stationierte mobile Dekontaminationsanlage zu testen. Diese Anlage dient dazu, die Einwirkzeit möglicher Gefahrenstoffe auf den menschlichen Körper zu reduzieren. Erst dann können die Opfer notärztlich versorgt werden.

Bürger-Hotline und Callcenter werden eingerichtet

Und nicht nur die Feuerwehr will prüfen, ob theoretisch geplante Maßnahmen im Ernstfall auch wirklich funktionieren. Die Stadt und der Kreis richten eine Bürgerhotline und eine Personenauskunftsstelle ein. "Es wird ein Callcenter mit zehn Auskunftsplätzen eingerichtet. Dort soll getestet werden, wieviele Anfragen verkraftet werden können", erklärt Stadtsprecher Harald Schlimgen.

An der Übung beteiligt sind das DRK, Feuerwehren aus dem Kreis, die Johanniter, die Malteser, die Städte Viersen und Krefeld, Krisenstab, der Stab für außergewöhnliche Ereignisse Dormagen sowie Übungsbeobachter des Innenminsteriums.

Von der DLRG werden zusätzlich 40 Teilnehmer als Statisten bei der Übung mitwirken. "Das sind unsere Verletzten, natürlich entsprechend geschminkt", merkt Schlimgen an. Zeitgleich zu Dormagen wird das Szenario auch in Gummersbach, Lemgo und Köln durchgespielt.

Dass die Übung ausgerechnet in Dormagen stattfindet, hat mehrere Gründe, hauptsächlich geht es jedoch um die Dekontaminationsanlage. "Die könnte ja nicht nur nach terroristischen Anschlägen zum Einsatz kommen, sondern möglicherweise auch bei Chemie-Unfällen", erklärt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Die Kosten für den Übungseinsatz kann er noch nicht genau benennen, "das Land stellt die Mittel zur Verfügung".

Bundesweit werden 3000 Personen an dem Katastrophenszenario teilnehmen, die Federführung liegt beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Einbezogen sind neben den Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern auch Fachbehörden wie das Bundesamt für Strahlenschutz.

Der Schwerpunkt der Übung in Dormagen liegt im Bereich der Sporthalle des TSV Bayer Dormagen, An der Römerziegelei. Dort wird es zu verstärktem Einsatz von Sirenen und Blaulicht kommen.

Was die Retter im Einzelnen erwartet, bleibt indes geheim. "Es gibt noch einige Überraschungen", deutet Kreissprecher Harald Vieten an. Schließlich wolle man den Ernstfall simulieren und die Retter möglichst realistisch fordern.

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