Als erste Stadt im Rhein-Kreis Neuss beteiligt sich Dormagen an dem bundesweiten Netzwerk „Schulen ohne Rassismus“.

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Schüler werben im Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ für mehr Toleranz.

Schüler werben im Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ für mehr Toleranz.

Uli Engers

Schüler werben im Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ für mehr Toleranz.

Dormagen. Nathalie ist 16 Jahre alt und Halbgriechin. Ein Teil ihrer Familie lebt in Griechenland. "Es macht Spaß, sie zu besuchen, doch in Deutschland fühle ich mich einfach wohler", sagt die Schülerin der Hermann-Gmeiner-Hauptschule.

Die Mutter ihrer Schulkameradin Ira stammt aus Bosnien. "Wir haben uns in Deutschland nie ausgeschlossen gefühlt", sagt die 17-Jährige. Damit auch in Zukunft Intoleranz und Rassismus keine Chance haben, beteiligen sich fünf Dormagener Schulen an dem bundesweiten Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

Am Freitag stellten die Hermann-Gmeiner-Hauptschule, die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, das Leibniz-Gymnasium, die Realschule am Sportpark und die Realschule Hackenbroich ihre Projekte vor. Mit Wortbeiträgen, Collagen, Musik und Film zeigten die Schulen, dass sie sich in den vergangenen Monaten und Jahren mehrfach mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Um den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu erhalten, müssen mindestens 70 Prozent der Schüler und Lehrer ihre Unterschrift leisten. Damit verpflichten sie sich, langfristige Initiativen gegen Rassismus zu entwickeln und einmal im Jahr Projekte zum Thema durchzuführen.

Zweite Voraussetzung ist ein Pate, der das Schulprojekt betreut. "Wir wollen nicht so tun, als gebe es keine Konflikte zwischen Menschen unterschiedlicher Lebensformen - dazu gehören Herkunft, Religion, aber auch Sexualität. Wir wollen Denkanstöße geben, wie diese Konflikte überwunden werden können", erläuterte Renate Bonow, Landeskoordinatorin des Netzwerkes.

Die Unterschriften haben die Schulen bereits zusammen bekommen, auch einige Paten sind schon gefunden: Die Hermann-Gmeiner-Hauptschule konnte den SPD-Bundesvorsitzenden Franz Müntefering von einer Patenschaft überzeugen.

Lehrer rieten von Teilnahme an der Gegen-Demo ab

Die Idee, sich in Dormagen als kreisweit erste Schulen am Netzwerk zu beteiligen, hatte der Integrationsrat. "Mit dem Projekt wollen wir Nachhaltigkeit bewirken. Gegen Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz", sagte Mehmet Güneysu, Vorsitzender des Integrationsrates.

Nachhaltigkeit ist auch Vera Strobel, Geschichtslehrerin an der Realschule Dormagen, ein Anliegen. "Wir haben unseren Schülern davon abgeraten, sich am Tag der Demonstrationen in der Innenstadt aufzuhalten", sagte sie. Man wolle diese Aufregung nicht nutzen, sondern sich auf langfristige Projekte konzentrieren.

Die Polizei nutzte am Freitag Morgen noch einmal die Gelegenheit, um die Schüler über "Gewaltfallen" bei der Demonstration zu informieren. Sprecher Hans-Willi Arnold: "Meinungen dürfen nur so geäußert werden, dass die Veranstaltung nicht gestört wird - das heißt ohne Fanfaren oder Trillerpfeifen." Auch Blockaden seien nicht gestattet. Sicher sei die Veranstaltung aber auf jeden Fall.

Auch Bürgermeister Heinz Hilgers mahnte, sich nicht durch die Panikstimmung davon abhalten zu lassen, sich der Gegendemonstration auf dem Markt anzuschließen: "Auch Jugendliche haben das Recht, unter freiem Himmel ihre Meinung zu äußern." Dennoch waren einige Eltern im Vorfeld beunruhigt. "Viele Eltern haben mich gefragt, ob sie ihre Kinder überhaupt in die Schule schicken sollten", sagte Uwe Koopmann, Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. In den Klassen sei daraufhin diskutiert worden. "Die Schüler waren der Meinung, dass sie nicht weghören und wegsehen wollen. Zur Demokratie gehöre schließlich auch, sagen zu dürfen, was einem nicht passt", sagte Koopmann.

Schülerin Valérie aus der 8. Klasse war am Freitag bei der Gegendemonstration dabei. "Solange wir nicht provozieren und uns von möglicher Randale fernhalten, habe ich da überhaupt keine Bedenken", sagte die 14-Jährige, bevor es losging.

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