Stadtteilprogramm: Falls man sich nicht einigt, wollen Stefan Schlömer und seine Mitstreiter notfalls ein Bürgerbegehren anstreben.

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Für die Sanierung wollen sie notfalls ein Bürgerbegehren anstrengen (v.l.): Siegfried Marquardt, Karl-Ulrich Burow, Roland Hoffmann und Stefan Schlömer.

Für die Sanierung wollen sie notfalls ein Bürgerbegehren anstrengen (v.l.): Siegfried Marquardt, Karl-Ulrich Burow, Roland Hoffmann und Stefan Schlömer.

Für die Sanierung wollen sie notfalls ein Bürgerbegehren anstrengen (v.l.): Siegfried Marquardt, Karl-Ulrich Burow, Roland Hoffmann und Stefan Schlömer.

Dormagen. Als die Verwaltung die Bombe vor gut zwei Wochen platzen ließ, war Stefan Schlömer gerade im Urlaub. Gestern machten der frühere Schatzmeister des Vereins "Aktiv für Hackenbroich" und seine Vorstandskollegen aber unmissverständlich deutlich, was sie von den Sparplänen der Verwaltung für Hackenbroich halten: "Die akzeptieren wir nicht. Uns fehlt der Dialog. Wir lassen uns nicht vor vollendete Tatsachen stellen."

Die Stadt plant, auf den bereits 2007 beschlossenen und mit Landesmitteln in Höhe von 710000Euro geförderten Umbau des Bürgerhauses zu verzichten und die dort untergebrachte Zweigstelle der Stadtbibliothek zu schließen. Dafür sollen sich künftig dort die Hackenbroicher Senioren treffen. Ihre bisherige Heimstätte, die alte Schule in Alt-Hackenbroich, will die Verwaltung abreißen lassen und dort Wohnbebauung oder einen Handwerkerhof ansiedeln.

All diese Maßnahmen zusammen sollen eine Einsparung von 700000 Euro für die Stadtkasse erbringen.

Kein einziger dieser Vorschläge behagt Stefan Schlömer. Am meisten jedoch ärgert ihn, dass die gemeinsam mit den Vereinen und der Verwaltung über Jahre erarbeiteten Pläne, das Bürgerhaus in eine Begegnungsstätte umzubauen, jetzt einfach weggewischt werden sollen: "Warum soll der Stadtrat über diese Vorschläge der Verwaltung entscheiden und die Verantwortung tragen, ohne dass die Bürger eingebunden werden?", ärgert sich Schlömer.

Hackenbroich war Vorzeigeprojekt im Programm "Soziale Stadt"

Dabei war der Brennpunktstadtteil Hackenbroich einmal so etwas wie das Vorzeigeprojekt im Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt". Zweimal wurde die 2006 ausgelaufene Förderung verlängert: 2007 gab es grünes Licht, um die Häuser an der Pletschbachstraße zu sanieren.

Und 2008 nickte das Land zum Umbau des Bürgerhauses und stellte 710000 Euro bereit. 450000 Euro sind bereits abgerufen und liegen bei der Stadt, ein städtischer Eigenanteil von 178000 Euro ist im Haushalt eingestellt. "Die Stadt hat nun vorgeschlagen, diesen Eigenanteil ins Bürgerhaus zu investieren. Aber damit kommen wir nicht weit", meint Schlömer.

Er weist darauf hin, dass die Planungen allein schon 100000 Euro gekostet haben. Diese Investition soll nun umsonst gewesen sein? Schlömer und seine Mitstreiter Ulrich Burow, Siegfried Marquardt und Roland Hoffmann sind gesprächsbereit. Man könne etwa über eine Verkleinerung der Bibliotheksfiliale mit geänderten Öffnungszeiten oder eine Kooperation mit der katholischen Bücherei sprechen, jedoch nicht über eine Schließung: "Alles, was Bildung aus Hackenbroich abzieht, sollten wir vermeiden", betont Roland Hoffmann. Und auch auf der Umgestaltung des Bürgerhauses, das dann über einen Trägerverein für Veranstaltungen vermietet werden könnte, beharren die Stadtteilförderer.

Wenn sich im Gespräch mit der Stadt kein Einlenken zeigt, erwägen sie sogar ein Bürgerbegehren, sagt Schlömer: "Es gibt ja rechtskräftige Beschlüsse von Stadtrat und Planungsausschuss zum Bürgerhaus. Ich denke, das ist ein typischer Fall für ein Bürgerbegehren."

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