Dollbier wurde von der Obrigkeit immer wieder verboten.

Ein Ausschnitt aus dem berühmten Bild „Die große Bauernkirmes“ von Pieter Brueghel d.J.. Vorn auf der Bank hat ein Besucher offensichtlich zuviel getrunken – vielleicht war es Dollbier? Zu sehen ist das Werk im Clemens–Sels-Museum.  Abbildung: Clemens-Sels-Museum
Ein Ausschnitt aus dem berühmten Bild „Die große Bauernkirmes“ von Pieter Brueghel d.J.. Vorn auf der Bank hat ein Besucher offensichtlich zuviel getrunken – vielleicht war es Dollbier? Zu sehen ist das Werk im Clemens–Sels-Museum. Abbildung: Clemens-Sels-Museum

Ein Ausschnitt aus dem berühmten Bild „Die große Bauernkirmes“ von Pieter Brueghel d.J.. Vorn auf der Bank hat ein Besucher offensichtlich zuviel getrunken – vielleicht war es Dollbier? Zu sehen ist das Werk im Clemens–Sels-Museum. Abbildung: Clemens-Sels-Museum

S.o.

Ein Ausschnitt aus dem berühmten Bild „Die große Bauernkirmes“ von Pieter Brueghel d.J.. Vorn auf der Bank hat ein Besucher offensichtlich zuviel getrunken – vielleicht war es Dollbier? Zu sehen ist das Werk im Clemens–Sels-Museum. Abbildung: Clemens-Sels-Museum

Neuss. Neuss war eine Bierstadt, mit besserem Bier als in Köln, von Düsseldorf ganz zu schweigen. Das ist spätestens seit dem regionalen Museumsprojekt zum Altbier und den Ausstellungen im Clemens-Sels-Museum, Stadtarchiv und Schützenmuseum nachvollziehbar. Gebraut wurde obergärig, das Bier – mit Ausnahme des Festtagsbiers – war leicht, sauberer als Wasser und wurde in Mengen getrunken. Carl Pause, Kurator der Ausstellung im Clemens-Sels-Museum, ist einem anderen Zweig des Bierbrauens auf die Spur gekommen. Das Neusser Dollbier nennt er das „Speed der frühen Neuzeit“.

Hinter dem Dollkraut, das die Brauer verwendeten, verbirgt sich höchstwahrscheinlich das schwarze Bilsenkraut; ein alkaloid-haltige Pflanze mit Stoffen wie Atropin und Hyoscyamin, die zu Rauschzuständen bis hin zu Vergiftungen führen können.

Erstes Verbot aus dem Jahr 1598

Die Obrigkeit sah das Dollbier nicht gern, wohl weil es nach seinem Genuss immer wieder zu Zwischenfällen gekommen war. Schon 1598 wurde es verboten – erstmals. Denn offensichtlich hatte das Verbot wenig Wirkung. Gleich sieben Mal wurde es wiederholt. Und noch Ende des 18. Jahrhunderts muss das Rausch-Bier in Neuss gebraut worden sein. Carl Pause stieß bei seinen Recherchen auf Prozessakten, die das belegen.

Fall Francken vor dem kurfürstlichen Gericht

Zu jener Zeit galt die Maßgabe des Stadtrats, dass nur in einem der fünf Brauhäuser Bier hergestellt werden durfte. Dort konnten sich Brauer praktisch einmieten. Das hielt einen gewissen Michael Francken nicht davon ab, auf seinem Grundstück ein eigenes Brauhaus einzurichten. Die Stadt ließ den eingemauerten Kessel herausreißen, Francken klagte, das Verfahren wurde zum Fall für das kurfürstliche Gericht in Köln.

Ob das Gericht zugunsten des unbotmäßigen Brauers n entschied, hat Pause nicht herausgefunden. Wohl aber ist die Begründung der Stadt Neuss erfasst, die mit ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ahnungslosen Verbrauchern argumentierte. „All jene, die mit der Wirtschaft einiger maßen bekannt sind, wißen, . . . daß es gewißenlose Leute gibt, die jar keinen Scheu tragen, aus purer Gewinnsucht an statt des Hopfens, sich eines gewißen schädlichen Krauts zu bedienen, welches unter dem Namen Tollkraut vorkömmt.“ Wie sei das zu verhindern, wenn jeder seinen eigenen Braukessel nutzen könne?

Da taucht es wieder auf, das Dollkraut. Nur kurz nach dem Prozess konnte Michael Francken ohnehin aufatmen. Mit der Franzosenzeit kam auch in Neuss die Zeit der Gewerbefreiheit. Von Dollbier hört man nichts mehr.

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