Sexuelle Übergriffe auf Mitglieder sollen dadurch zukünftig vermieden werden. Das Konzept wird mit dem Stadtsportverband erarbeitet.

Neuss. Der Versammlungsraum auf der Ludwig-Wolker-Anlage war am Montagabend gut gefüllt. Zahlreiche Eltern minderjähriger Sportler und Vereinsmitglieder nahmen die Einladung des DJK-Rheinkraft-Vorstandes wahr, um zu hören, wie die Verantwortlichen zu den jüngsten Entwicklungen in der Leichtathletikabteilung Stellung beziehen.

Die Hoffnung einiger Eltern, dass der ehemalige Vorsitzende an der Sitzung teilnimmt, um seine Sicht der Dinge zu schildern, hat sich nicht erfüllt. Er war nicht anwesend. Ihm wird vorgeworfen, ein von ihm trainiertes Mädchen sexuell belästigt zu haben. Die 15-Jährige kam am Montagabend gemeinsam mit ihrem Vater zur Ludwig-Wolker-Anlage. 2015 hatte es ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden gegeben, das gegen eine Geldauflage eingestellt wurde. Nachdem der Vorfall öffentlich wurde, legte der damalige Vorsitzende, der auch als Trainer aktiv war, seine Ämter nieder.

Die Chatverläufe zwischen ihm und der 15-Jährigen wurden für die Sitzung mehrfach ausgedruckt und verteilt. Ein Mitglied, das an der Sitzung teilnahm, aber nicht namentlich genannt werden möchte, sagt jedoch, dass sich der Vorstand – im Gegensatz zu einigen Eltern – die Chatverläufe nicht angesehen habe. Der Stadtsportverbandsvorsitzende Wilhelm Fuchs, der die Veranstaltung moderierte, bestätigt: „Die Chatverläufe sind verteilt worden, aber dazu wurde nicht Stellung genommen – von keiner Seite.“

Vorstand spricht von „blinden Flecken“ bei der Prävention

In einer schriftlichen Mitteilung nahm der Verein gestern Stellung zu der vergangenen Mitglieder-Versammlung. Daraus geht hervor, dass eine aktive Rolle des ehemaligen Vorsitzenden „bis auf weiteres“ ausgeschlossen sei. Der Trainings- und Wettkampfbetrieb werde auch im kommenden Jahr, ergänzt durch neue Trainer, fortgesetzt und das Sportangebot somit für die Mitglieder sichergestellt. Unumstritten sei von Seiten des Vereins und der Anwesenden die Erkenntnis, dass es „blinde Flecken“ hinsichtlich der Prävention sexueller Gewalt sowie unzureichende Kommunikationsstrukturen in den Gliederungen des Vereins gibt. Dementsprechend habe der Verein beschlossen, – unterstützt durch externe Fachstellen (unter anderem der Stadtsportverband Neuss und der DJK-Diözesanverband Köln) – ein „umfassendes institutionelles Schutzkonzept“ zu erarbeiten. Dies beinhalte bereits im Verein etablierte Maßnahmen, wie die regelmäßige Einsicht in das polizeiliche Führungszeugnis bei allen Funktionären und Trainern als auch weitergehende Maßnahmen wie eine Risikoanalyse und Verhaltensregeln für alle Sportarten, die Installation anonymer Beschwerdewege und eine Selbstverpflichtungserklärung aller Verantwortlichen im Verein. Zur Erarbeitung dieses Konzeptes seien alle interessierten Personen eingeladen. „Die DJK Rheinkraft Neuss versichert, aus den Vorkommnissen die richtigen Lehren zu ziehen“, teilt der Verein mit.

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