Jährlich gehen rund 150 000 Anrufe bei der Leitstelle ein. Koordination und Technik ermöglichen rasche Hilfe.

110
Oberkommissarin Melanie Storch (31) koordiniert die Einsätze in der Leitstelle.

Oberkommissarin Melanie Storch (31) koordiniert die Einsätze in der Leitstelle.

Georg Salzburg

Oberkommissarin Melanie Storch (31) koordiniert die Einsätze in der Leitstelle.

Rhein-Kreis Neuss. Es klingelt. Auf einem Bildschirm in Raum 418 blinkt ein rotes Feld. „Die Leitstelle der Polizei“, meldet sich Melanie Storch mit ruhiger Stimme.

Eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung berichtet, dass ein silberfarbener BMW den Roller ihrer Tochter beschädigt habe, der Fahrer sei davongefahren. Sofort schickt Melanie Storch einen Streifenwagen zur Blücherstraße in Dormagen.

Jeder Beamte hat vier Bildschirme vor sich

Wer sich im Rhein-Kreis Neuss befindet und den Notruf 110 wählt, landet bei Melanie Storch oder ihren Kollegen. Das Büro mit drei multimedialen Arbeitsplätzen liegt im vierten Stock der Kreispolizeibehörde an der Jülicher Landstraße. Von dort aus werden – rund um die Uhr – alle polizeilichen Einsätze im Rhein-Kreis Neuss verteilt und koordiniert.

Jeder Beamte hat vier Bildschirme vor sich – mit einer Karte, Notruf-Eingabefeldern und einer Übersicht über die verfügbaren Kräfte. Noch läuft die Technik analog, doch schon bald soll auch die Leitstelle mit Digitalfunk ausgestattet werden.

Der Geräuschpegel gleicht einem Großraumbüro. Jeder Einsatz wird dokumentiert. Name und Geburtsdatum reichen aus, um Adresse oder Fahrzeugpapiere auf dem Monitor zu haben. „Die Kollegen hören gleichzeitig, was die anderen sagen. Für den Job muss man multitaskingfähig sein“, sagt Michael Meyer, Leiter des Führungs- und Lagedienstes.

Normalerweise ist um diese Zeit viel los, gestern Nachmittag passiert wenig. Ein Hund läuft am Willy-Brandt-Ring frei auf der Straße umher, in einer Schlecker-Filiale an der Krefelder Straße ist der Kassiererin ein Ladendieb aufgefallen

. Polizeihauptkommissar Thomas Pilz springt ein, wenn an allen drei Arbeitsplätzen Anrufe entgegengenommen werden. „Eine Warteschleife gibt es bei uns nicht, es kann höchstens mal etwas länger dauern, bis jemand drangeht“, sagt er.

In der Leitstelle laufen alle Fäden zusammen. Unfälle, Diebstähle, Ruhestörungen oder Streitigkeiten – das ist der Großteil der Anrufe. Oft handelt es sich um Bagatellen. Die Beamten bewerten und gewichten die Fälle und informieren die Kollegen.

„Wir sind auf Hinweise der Bevölkerung angewiesen“, sagt Meyer. Rund 150 000 Anrufe gehen jährlich bei der Leitstelle ein, am Tag sind es rund 500 Kontakte. Freilich seien auch viele falsche Anrufe dabei. „Wir wissen immer ganz genau, wenn die Schule aus ist“, sagt Meyer und grinst.

„Wir hätten gern qualitativ hochwertige Anrufe“, sagt Polizeisprecherin Diane Drawe auch in Hinblick auf die steigende Zahl der Einbrüche im Kreis. Vor allem ältere Menschen hätten oft Hemmungen den Notruf zu wählen. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen“, sagt Drawe. Nicht nur das Einbruchsdezernat sei darauf angewiesen, dass sich aufmerksame Zeugen melden.

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