Carl Pause erforscht die Geschichte des Altbiers in Neuss und Umgebung.

Im Haus „Im Dom“, früher „im thumb“, an der Michaelstraße wird nachweisbar seit 1607 Bier gebraut.
Im Haus „Im Dom“, früher „im thumb“, an der Michaelstraße wird nachweisbar seit 1607 Bier gebraut.

Im Haus „Im Dom“, früher „im thumb“, an der Michaelstraße wird nachweisbar seit 1607 Bier gebraut.

Fototermin beim Treffen im Zuglokal – natürlich mit Altbier.

Marc Ingel, Bild 1 von 2

Im Haus „Im Dom“, früher „im thumb“, an der Michaelstraße wird nachweisbar seit 1607 Bier gebraut.

Neuss. Vom Reinheitsgebot war zuerst noch keine Rede. Die „frühen Biere“ waren mit Hafen oder Weizen gestreckt, Kräuterzusätze („Grut“) von Kümmel und Lorbeer bis hin zum Heidekraut gaben Geschmack, und Hopfen hatte in diesem Gebräu des Mittelalters noch keinen Platz. Erst im 16./17. Jahrhundert setzte sich das mit Hopfen gebraute Bier durch, das später Altbier hieß. Der Geschichte dieses so stark mit dem Niederrhein verbundenen Getränks ist jetzt Carl Pause auf der Spur. Er erarbeitet dazu eine Ausstellung für das Clemens-Sels-Museum.

Altbier wird Thema in 30 Museen

Ab Sommer wird das Thema Altbier etwa 30 Museen am Niederrhein von Grevenbroich bis Kleve und bis zu den Niederlanden mit Ausstellungen, Aktionen und Veranstaltungen beschäftigen. An der groß angelegten Aktion des Landschaftsverbands beteiligen sich in Neuss neben dem Clemens-Sels-Museum auch das Stadtarchiv und das Schützenmuseum.

Im frühen 17. Jahrhundert gibt es 40 Brauer in der Stadt

Ein Datum für die Erfindung des Biers oder speziell des Altbiers gibt es natürlich nicht. Alt-Bier jedenfalls, nach alter Art gebrautes Bier, setzt sich als Bezeichnung erst im 19. Jahrhundert gegenüber dem neuen, untergärigen Bier durch, das als Pils und Export die alten Sorten in den Hintergrund drängt.

Zu jener Zeit hat Neuss bereits eine jahrhundertelange Brautradition hinter sich. Oft sind es die Bäcker, die zu Brauern werden: Getreide und Hefe sind in beiden Berufen unabdingbar. Berufsmäßige Brauer – im frühen 17. Jahrhundert gibt es etwa 40 in der Stadt – produzieren ihr Bier vor allem für die ärmeren Menschen; wer es sich leisten kann, braut selbst. Im Spätmittelalter trinkt man in Neuss mehr Bier als Wein, der zunehmend teurer wird, und im 17. Jahrhundert setzt sich das Bier als Massengetränk durch. Alle trinken das Dünnbier, das nur einen Alkoholgehalt von etwa 2 Prozent hat. Ungefiltert enthält das Getränk Mineralstoffe und Spurenelemente und wirkt sättigend.

Im Haus „im thumb“ wird nachweisbar schon 1607 gebraut, und zwar mit Hopfen. Veit Kirchoff wird in der Stadtrechnung als Brauer geführt. Er braucht 66 Sack Malz und ist damit größter Brauer der Stadt. Aus dem größten Brauhaus ist heute das einzige geworden: In der Gaststätte „Im Dom“ an der Michaelstraße, seit etwa 200 Jahren im Besitz der Familie Wiertz, wird in der Hausbrauerei noch Altbier und Knuppbier hergestellt.

Der Historiker Carl Pause sagt: „Damit ist die Brauerei im Dom nach der Bolten-Brauerei, die ihre Ursprünge auf das Jahr 1266 zurückführt, die älteste noch aktive Altbierbrauerei der Welt.“

Die Anfänge der Bolten-Brauerei, im benachbarten Korschenbroich-Neersbroich ansässig, sind nur vage nachgewiesen. Die Privatbrauerei produziert und füllt nach wie vor in Korschenbroich ab. In diesem Ort war ursprünglich auch die Hannen-Brauerei ansässig. Aus Neuss stammt die Familie Gatzweiler: Seit dem Mittelalter war sie als Brauer tätig. Geblieben ist nur die Hausbrauerei im Dom.

Das Altbier ist zu einem fast ausschließlich regionalen Produkt geworden. Seine enge Verbindung zum Niederrhein – und nicht zuletzt zum Schützenwesen – wird die Ausstellung beleuchten. Carl Pause hat noch reichlich Arbeit in den Archiven.

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