Thomas Nickel, Vorsitzender des Diözesanrats Köln, empfindet Respekt vor der Entscheidung von Benedikt XVI.

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Thomas Nickel ist Vorsitzender des Diözesanrats Köln. (Archiv)

Thomas Nickel ist Vorsitzender des Diözesanrats Köln. (Archiv)

Marc Ingel

Thomas Nickel ist Vorsitzender des Diözesanrats Köln. (Archiv)

Neuss. Die Nachricht kam, wie es zahlreiche Online-Meldungen ausdrückten, „wie aus heiterem Himmel“: Papst Benedikt XVI. wird Ende Februar zurücktreten. „Ich habe nicht mehr genug Kraft für mein Amt“, sagte der Papst und überraschte damit die Mitarbeiter in seiner nächsten Umgebung wie die Menschen weltweit.

„Ich habe es erst gar nicht glauben wollen“, sagt ein noch immer sichtlich mitgenommener Thomas Nickel am Montag Nachmittag. Die Nachricht erreichte ihn auf dem Karnevalswagen während des Umzugs in Holzheim. Der stellvertretende Bürgermeister und Schützenpräsident ist Vorsitzender des Diözesanrats Köln und seit 1984 Mitglied des Zentralkomitees Deutscher Katholiken.

„Wir werden künftig zwei Päpste haben“

Die Karnevalsfeier nach dem Umzug schenkt er sich. „Ich bin erst einmal nach Hause gefahren.“ Dass ein Papst zurücktritt, ist für Thomas Nickel ein noch fremder Gedanke. „Wir haben doch die letzten Päpste leidend erlebt, vor allem Johannes Paul II. Ein Papst starb, und dann wurde ein neuer gewählt.“ Rücktritt? Das gab es zuletzt im 13. Jahrhundert. Verwirrend sei das. „Wir werden künftig zwei Päpste haben: einen zurückgetretenen und einen neu gewählten. Schwierig.“

Nickel hat Papst Benedikt XVI. mehrfach erlebt. Vor wenigen Wochen noch in Rom, intensiver im vergangenen Jahr bei dessen Deutschland-Besuch bei einem Treffen in Freiburg. Er habe den Papst als äußerst glaubensstark empfunden. „Ich weiß, dass er sehr gelitten hat“, betont Nickel: unter dem Missbrauchs-Skandal etwa oder darunter, dass der Einfluss der Kirche schwinde.

„Er ist konservativ geworden“, sagt der katholische Laie und erinnert daran, wie der junge Theologieprofessor Joseph Ratzinger auf dem 2. Vatikanischen Konzil von 1962 bis 65 mit dem von ihm beratenen (Neusser) Kardinal Frings höchst fortschrittliche Thesen vertrat.

Er zolle dem Papst großen Respekt, erklärt Nickel. „Auch wenn wir Rücktritte doch bisher nur aus der Politik kannten.“ Und er fügt hinzu, so stolz er gewesen sei, dass ein Deutscher Papst wurde, so sei er nun auch ein bisschen traurig.

„Respekt angesichts der Schwere der Entscheidung“ empfindet auch Jochen Goerdt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied in der Gemeinde Hl. Dreikönige und des Kirchenverbands Neuss-Nord. „Ich denke, dass er trotz seines Konservatismus letztlich ein guter Papst war“, sagt er.

Der Rücktritt des Papstes könne durchaus Orientierung auch für andere sein, bekundet Goerdt und sagt: „Vielleicht wäre das ein Vorbild für den Kardinal in Köln.“

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