Den Rewe-Supermarkt sehen einige Anwohner kritisch, auch die erhoffte Belebung des Zentrums bleibt aus.

Kaarst. Er gehörte sicher zu den am meisten umstrittenen Bauprojekten der vergangenen Jahre auf Kaarster Stadtgebiet: Der Rewe-Markt im Stadtteil Büttgen. Die einen, allen voran die direkten Anwohner des Berliner Platzes, wollten ihn nicht. Organisiert in der Bürgerinitiative „Wir in Büttgen“ hatten viele von ihnen lange für einen Erhalt des freien Platzes samt Bäumen im Herzen von Büttgen gekämpft. Die anderen wünschten sich nach der Schließung des Kaiser’s Supermarktes am Rathausplatz endlich wieder einen Nahversorger im Ort und erhofften sich dadurch auch eine Belebung der Ortsmitte.

Vor rund fünf Monaten hatte der Supermarkt dann – nach einigen Verzögerungen in der Bauphase – 15 Monate nach dem Spatenstich am Berliner Platz eröffnet. Hat er die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt und das Zentrum belebt? Oder wäre es besser gewesen Bäume und Platz zu erhalten?

„Die Lage des Marktes ist sehr zentral und eine gute Lösung. Es ist ein netter Treffpunkt geworden.“

Junge Mutter

Eine junge Mutter aus Büttgen sieht den Markt eindeutig als Belebung und ist froh, dass es ihn im Ort gibt. „Hier trifft man immer jemanden“, sagt sie. Das bestätigt eine andere Passantin: „Die Lage des Marktes ist sehr zentral und eine gute Lösung. Es ist ein netter Treffpunkt geworden.“ Ganz anders sieht es Ute Groß-Blotekamp: „Ich kaufe hier zwar regelmäßig ein und das Angebot ist gut. Aber ich finde den Standort falsch – an der S-Bahn wäre er zentraler gewesen. Außerdem ist er für die nahen Anwohner eine Katastrophe“, erklärt sie. Eine Belebung der Ortsmitte kann sie nicht erkennen. Zudem weiß sie von zwei Marktbeschickern, die ihre Produkte nicht mehr loswerden können und deshalb auf dem Büttgener Wochenmarkt nicht mehr zu finden seien.

Ähnlich äußert sich auch eine hochbetagte Büttgenerin (87), die ihren Namen nicht nennen möchte: „Ein gut sortierter Markt in meiner Nähe ist ein Pluspunkt“, gibt sie zu. Doch der Platz vor dem Markt müsse schöner werden, es sei kein Treffpunkt geworden, mancher Marktbeschicker bliebe aus und sie warte noch auf eine früher ins Gespräch gebrachte attraktivere Gestaltung der Durchgänge zum Rathausplatz. Die dort angesiedelten Geschäftsleute äußern sich ebenfalls kontrovers. Claudia Endler von „Werners Shop“ freut sich zwar über Neukunden, die nach einem Rewe-Einkauf vorbeischauen. „Aber das Zeitungsgeschäft ist definitiv eingebrochen“, erklärt sie. Bäckerei Puppe und das Bekleidungsgeschäft Fabry beobachten überhaupt keine neuen Kundenströme. Dagegen betont Birgit Scholz-Busch vom „Haus der Geschenke“, dass frühere Kunden den Weg zum Geschäft wieder gefunden haben.

Trotzdem wünscht sie sich eine grundsätzlich bessere Ortsgestaltung mit Blick auf den Zuzug vieler junger Familien: „Büttgen ist ein wachsender Ort“, fügt sie hinzu. Ihren Vater Gerd Busch ärgert besonders, dass in der früheren Kaiser’s Filiale nun eine Karateschule Einzug gehalten hat. „Wir sind hier eine reine Einzelhandelszone, die müsste unterstützt werden“, findet er.

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