Knechtsteden. Wer auf dem Gelände des Klosters Knechtsteden zu tun hat, dem sind sie vielleicht schon aufgefallen: „Kinder, die ohne Helm Wettrennen auf ihren Fahrrädchen oder Rollern veranstalten, Mütter mit Kopftuch und Kleinkind auf dem Arm, Männer, die laut diskutierend zusammenstehen. All das kommt dem Besucher vielleicht ein wenig befremdlich vor“, erklärt Antje Pfister, Vorstandsmitglied des Deutschen Kinderschutzbundes Dormagen.

Denn seit März 2016 betreut der Kinderschutzbund Dormagen in der eigens hergerichteten alten Schreinerei des Klosters eine Unterkunft für sieben Flüchtlingsfamilien mit bis zu 35 Personen, davon überwiegend Kinder. „Die kleine Einrichtung in ländlicher Umgebung bietet den Bewohnern Ruhe, Sicherheit und ein wenig Privatsphäre“, betont Antje Pfister.

Helferkreis ist Glücksfall für die Geflüchteten

Denn wer sich traue, die „Fremden“ anzusprechen, erlebe Überraschendes, wie Antje Pfister berichtet: „Die Kinder sprechen häufig schon gut Deutsch, sie sind freundlich, höflich, geben bereitwillig Auskunft, die Erwachsenen laden zu Tee und Kaffee ein, in Windeseile steht ein Stuhl bereit, arabischer Kaffee, kräftig gesüßter Tee, Gebäck oder Nüsse werden serviert, und los geht es, die Verständigung mit Händen und Füßen, mit viel Lachen und freundlichen Gesten.“ Auch wenn die Wohnung einer sechsköpfigen Familie nur zwölf Quadratmeter groß ist, hat sie keine Scheu, die Helfer zum Essen einzuladen. Natürlich gebe es auch die schwierige Seite, wie Pfister aufzählt: „Depressive und traumatisierte Kinder und Erwachsene, Hilflosigkeit bei Behördengängen und in vielen anderen Situationen, Streitereien zwischen den Familien, Enttäuschung, weil es mit der größeren Wohnung immer noch nicht klappt, Niedergeschlagenheit, weil das Fahrrad gestohlen wurde, Trauer, weil es im Heimatland wieder Anschläge gab und vielleicht die Familienmitglieder betroffen sind, Verzweiflung, weil die Ehefrau, die Eltern, das Kind nicht nachkommen dürfen.“ Täglich gebe es neue Probleme – aber auch Lösungen. „Traumatische Ereignisse in ihren Herkunftsländern haben bis heute einen großen Einfluss auf die Flüchtlinge, vor allem auf die Kinder“, weist Pfister darauf hin, dass seit zehn Monaten mit Mitteln des Kinderschutz-Bundesverbandes die pädagogische Fachkraft Petra Steinhoff-Fuchs zur Betreuung traumatisierter Kinder finanziert werde.

„Ein Glücksfall für die Geflüchteten ist der große Helferkreis, den es mittlerweile gibt“, bedankt sich Antje Pfister. Ehrenamtliche Männer und Frauen leisteten einen großen Beitrag zur Integration der syrischen und afghanischen Flüchtlingsfamilien.

So gibt es ein regelmäßiges Sprach- und Spielprogramm an mehreren Nachmittagen in der Woche, Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen, gemeinsame Unternehmungen, aber auch Hilfe bei der Wohnungssuche und dem Organisieren von Fahrrädern oder Fußballschuhen. Auch der ehrenamtliche Dolmetscher Hadi Ashour ist eine unverzichtbare Hilfe. Weitere Helfer können sich beim Kinderschutzbund melden.

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