Ein Schaden an der Mechanik ist der Grund und macht eine grundlegende Reparatur nötig.

Die 27 Schützenfiguren des Glockenspiels bleiben vorerst hinter verschlossenen Türen.
Die 27 Schützenfiguren des Glockenspiels bleiben vorerst hinter verschlossenen Türen.

Die 27 Schützenfiguren des Glockenspiels bleiben vorerst hinter verschlossenen Türen.

Lothar Berns

Die 27 Schützenfiguren des Glockenspiels bleiben vorerst hinter verschlossenen Türen.

Neuss. Heute wird es wieder so sein: Punkt 11 Uhr werden sich Neuss-Besucher und Einkäufer vor dem Vogthaus am Münsterplatz aufbauen, auf das Schauspiel des „Schützenglockenspiels“ warten – und enttäuscht werden. Auch um 15 und um 17 Uhr werden die Klappen im Giebel des Hauses geschlossen bleiben. Die Mitarbeiter im Gasthaus „Vogthaus“ kennen das schon und kennen auch die Reaktionen derer, die vergeblich gekommen sind. Mehr als einmal mussten sie schon als Blitzableiter herhalten und wurde, wie es gestern hieß, „regelrecht angemacht“. Zu Unrecht. Denn das Glockenspiel gehört dem städtischen Gebäudemanagement.

Liegen die Reparaturkosten jenseits der 50 000 Euro?

„Ein Drama“, nennt Rolf Lüpertz das Hin und Her um das Glockenspiel. Jetzt ist es defekt, und wird – davon ist Lüpertz überzeugt – auch so schnell nicht repariert werden können. Über die möglichen Kosten kursieren die unterschiedlichsten Zahlen, doch im Verkehrsverein ist man überzeugt, dass diese „jenseits der 50 000 Euro“ liegen. Dem will Planungsdezernent Christoph Hölters nicht widersprechen. Nur: Genaue Zahlen lässt die Stadt, die nach Aussage von Presseamtsleiter Michael Kloppenburg schon Nachforschungen angestellt hat, nicht nach außen dringen. Am Montag nun hofft Lüpertz mehr zu erfahren. Dann er hat Termin bei Hölters.

Stadt verschenkte Glockenspiel im Jahr 1973

1973 machte die Stadt dem Neusser Bürger-Schützenverein das Glockenspiel zum Geschenk. Anlass war das 150-jährige Vereinsbestehen. Neben dem Glockenspiel am Münchner Rathaus, dem der Nürnberger Frauenkirche und den Glockenspielen in Goslar und Hameln gehört es zu den prächtigsten in Deutschland. Aus Lindenholz geschnitzt, umfasst es 27 Schützenfiguren, die über einen Meter groß sind, dazu zwei Pferde und eine Kanone. Diese ziehen – zu den Klängen des Schützenmarsches „Tochter Zion“ – auf Schienen in der Reihenfolge an der Königsfigur vorbei, in der sie das Neusser Regiment auch beim Neusser Schützenfest paradiert.

Heiligabend zogen die Figuren zum ersten Mal nicht. Mitten im Schauspiel blieb der Umzug stehen und die Figuren, die sich außerhalb des Hauses befanden, standen tagelang in Regen und Kälte. Danach konnte das Schützenglockenspiel zunächst wieder in Gang gesetzt werden, doch setzte es immer wieder aus. Seit einiger Zeit steht es nun ganz. Die Klappen bleiben zu.

Rolf Lüpertz, der für Neuss-Marketing Stadtführungen macht, kann sich seitdem den Weg über den Münsterplatz zum Vogthaus sparen. Aber damit wollen sich er und seine Mitstreiter im Verkehrsverein nicht zufrieden geben. Man habe der Stadt Hilfe angeboten, sagt Geschäftsführer Ralph Dymek, denn der Verein könne Sponsoren mit der Aussicht auf eine Spendenquittung locken, die Stadt kann das nicht. „Wir tun einiges dafür“, sagt Lüpertz, der auch den Bürger-Schützen-Verein, die Vereinigung der Heimatfreunde und den Einzelhandel ansprechen will.

Hölters nennt das Glockenspiel schön und wichtig für die Identifikation in und mit der Innenstadt. Doch nötig sei eine grundlegende Reparatur. Bis zum Neusser Schützenfest wird es damit wohl nichts.

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