Frank de Buhr inszeniert im RLT-Studio Falk Richters „Gott ist ein DJ“.

Premiere
Sigrid Dispert und Jonathan Schimmer inszenieren sich.

Sigrid Dispert und Jonathan Schimmer inszenieren sich.

Björn Hickmann/RLT

Sigrid Dispert und Jonathan Schimmer inszenieren sich.

Neuss. Eine Ausstellung nach allgemeinem Verständnis ist es nicht, auch wenn dies eine Stimme aus dem Off beim Verlassen des Raumes verkündet. Auch ist es kein Theaterstück im üblichen Sinne. Vielmehr ist „Gott ist ein DJ“ des Dramatikers Falk Richter ein Schauspiel mit zwei Darstellern als lebende Kunstobjekte, die ihren eingegrenzten, künstlichen Lebensraum zur Schau stellen.

Zwischen Bett, Badewanne und Video-Galerie-Wand bewegen sich die beiden Hauptpersonen dieses vor 14 Jahren in Mainz uraufgeführten Jugendstücks, das Frank de Buhr nun bei seinem Neusser Regie-Debüt auf die Studio-Bühne des Rheinischen Landestheaters bringt. Was die rund 120 Premierenbesucher bei dieser knapp 80-minütigen Inszenierung erleben, ist im Grunde ein sinnlich-rauschhaftes Kunstwerk aus Performance, Talk und Show.

Das in Grau gekleidete Paar –„Er“ ist Discjockey, „Sie“ ein ehemaliger Video-Jockey – inszeniert sich selbst. Getrieben von „Mega-Hype“ und „Coolness“ machen die beiden Selbstdarsteller aus ihrem Alltag Kunst. Jonathan Schimmer (Er) und Sigrid Dispert (Sie) verkörpern das zwischen Realität und Virtualität agierende Paar. Mit viel Elan und Leidenschaft werfen sich die jungen Darsteller, Jahrgang 1985 und 1986, in das selbst erzeugte Chaos und wirken in diesem beeindruckenden Charakterwechselspiel authentisch. Vor laufender Kamera werden reale Gefühle und Gedanken, die mitunter in einem brutalen Abschiedsgedicht münden, ausgetauscht. Selbst eine wilde Bettszene darf nicht fehlen.

Zwischendurch verliert die Inszenierung merklich an Tempo und Spannung. So herrscht etwa eine Minute lang Ruhe im Medien-Wohnzimmer, und ein ohrenbetäubendes Pfeifen macht sich im Raum breit. Am Ende erklingt Placebos aktuelle Single „Too Many Friends“, in der Kritik an der Überverfügbarkeit von sozialen Netzwerken geäußert wird, während sich das Paar mit 3D-Brille das Leben anschaut – das angestrahlte Publikum auf der Tribüne. Das wiederum spendet minutenlangen Applaus für eine engagierte Schauspielerleistung und eine stimmungsvolle, kurzweilige Aufführung.

» Weitere Termine unter anderem.: 21 und 29. Januar im RLT-Studio, jeweils um 20 Uhr, sowie am 15. Und 30. Januar, jeweils um 11 Uhr.

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