Am Obertor sind 150 Werke von Wilhelm Schmurr zu sehen. Zum 50.Todestag des Künstlers zeigt das Haus ab Sonntag eine umfassende Retrospektive.

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„Wald“, Öl auf Leinwand, um 1938/39. Aus dem Nachlass Wilhelm Schmurr, Abb. Jean-Luc Ikelle-Matiba.

„Wald“, Öl auf Leinwand, um 1938/39. Aus dem Nachlass Wilhelm Schmurr, Abb. Jean-Luc Ikelle-Matiba.

„Wald“, Öl auf Leinwand, um 1938/39. Aus dem Nachlass Wilhelm Schmurr, Abb. Jean-Luc Ikelle-Matiba.

Neuss. Er gilt als der große Individualist, als einer, der gegenläufig zu den Strömungen seiner Zeit arbeitete. Ein Maler, der mit ausdrucksstarken Portraits zu seiner Zeit berühmt wurde, der melancholische, eigenwillige Landschaften voller Kraft und Ruhe ebenso schuf wie verstörende Christusbilder oder stille Motive des bäuerlichen Lebens.

Wilhelm Schmurr ist heute dem großen Publikum kaum bekannt. "Er hat einfach nicht den Platz, den er verdient", sagt Uta Husmeier-Schirlitz, Direktorin des Clemens-Sels-Museums und ergänzt selbstbewusst:. "Das werden wir jetzt maßgeblich ändern."

Zum 50. Todestag des Künstlers zeigt das Haus ab Sonntag eine umfassende Retrospektive. Unter den mehr als 150 Arbeiten sind etliche bislang unbekannte oder verschollen geglaubte Kunstwerke. Viele kamen als Leihgaben von den beiden Enkelinnen des Künstlers, Ursula Wurm und Monika Straub.

Hängung nach Themen von Portrait bis Landschaft

Kuratorin Uta Husmeier-Schirlitz hat sich für eine thematische, nicht chronologische Hängung entschieden. Das macht es Besuchern leichter, sich in das vielschichtige Schaffen "einzusehen". Breiten Raum nehmen die Portraits ein. So zeigt etwa die wiederentdeckte "Traumliese" aus dem Jahr 1903 die ruhige, starke Ausdruckskraft, die die Werke des Künstlers ausstrahlen.

Auch bei den Landschaftsbildern beeindruckt die einfache, wirkmächtige Anlage. Was natürlich wirkt, ist sorgsam konstruiert, der "Wald" zeigt übermächtige Natur mit einem kaum erkennbaren einem kleinen Paar am Bildrand. Allegorien, Szenen von Bäuerinnen auf dem Feld, Christusbilder und Feuerdarstellungen sind Bestandteile dieser ersten großen Retrospektive des in Hagen geborenen Künstlers, der in Düsseldorf lebte und arbeitete.

Schon 1958 widmete Irmgard Feldhaus Wilhelm Schmurr im Museum eine Ausstellung, nun wagt Uta Husmeier-Schirlitz den großen Wurf. Möglich wurde das, weil die Enkelinnen des Künstlers zahlreiche Werke aus ihrem Besitz als Leihgaben zur Verfügung stellten.

"Magie des Augenblicks" hat die Kuratorin die Schau benannt. Schmurr hat diese Magie eingefangen - und den Augenblick verlängert. Einzuordnen ist der Künstler nicht. Symbolisten, die Pariser Avantgarde, die Neue Sachlichkeit: Schmurr hat sie zur Kenntnis genommen und ist seinen eigenen Weg individueller Formsprache und figürlicher Darstellung weiter gegangen. Einen "Solitär" nennt ihn Uta Husmeier-Schirlitz.

Nach der überaus erfolgreichen Picasso-Ausstellung setzt sie jetzt auf das Oeuvre eines Künstlers, den es wiederzuentdecken gilt. Die Chance dazu ist ab Sonntag im Haus am Obertor gegeben.

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