Fast zeitgleich erwägt die Verwaltung, den Sportetat zu reduzieren. Die Vereine wehren sich.

Fast zeitgleich erwägt die Verwaltung, den Sportetat zu reduzieren. Die Vereine wehren sich.
Das Jahnstadion soll nach CDU-Willen zum dritten innerstädtischen Fußballzentrum entwickelt werden.

Das Jahnstadion soll nach CDU-Willen zum dritten innerstädtischen Fußballzentrum entwickelt werden.

Woi

Das Jahnstadion soll nach CDU-Willen zum dritten innerstädtischen Fußballzentrum entwickelt werden.

Neuss. „Neuss ist eine Sportstadt“: Mit dieser Feststellung beginnt der Text für ein Konzeptpapier der CDU, das ausgerechnet in einer Zeit auf den Tisch kommt, in der die Arbeitsgruppe zur Haushaltskonsolidierung Vorschläge vorlegt, den Sportetat um jährlich 250 000 Euro zu entlasten. Das ruft den Widerstand der Sportszene hervor. Hermann-Josef Baaken, Vorsitzender des Kreissportbundes, spricht von Kapriolen und kündigt an, die Stimme für die Vereine erheben zu wollen. Neuss habe eine Signalfunktion, sagt Baaken. „Wenn die größte Stadt im Kreis anfängt, die Sportförderung zu reduzieren, kommt dies einer Bankrotterklärung gleich“, betont er.

Die Sportförderung, so schlägt die Verwaltung vor, soll um 15 000 Euro jährlich gekürzt werden. Schlimmer noch findet Baaken, dass die Stadt ab 2021 kein Ziegelmehl mehr kostenlos für die 15 Tennisanlagen im Stadtgebiet zur Verfügung stellen will.

„Vereine zahlen sicher gerne für Sportanlagen, aber dann müssen sie auch auf qualitativ hohem Niveau sein.“

Hermann-Josef Baaken, Vorsitzender des Kreissportbundes

Es bleibe der Eindruck, als wolle man „den ohnehin schon Schwachen den Todesstoß versetzen“, sagt Baaken. Am allerschlimmsten aber findet er, dass die Zuschüsse für die Jugend- und Behindertenarbeit nicht mehr pro Kopf gezahlt, sondern nur noch projektbezogen zu gewähren seien (Einsparvolumen: 25 000 Euro jährlich) – und dass alle Vereine ein Entgelt für die Nutzung städtischer Sportanlagen zahlen sollen. Zieht man die Personalkosten ab, soll das 170 000 Euro jährlich bringen. Er habe den Eindruck, als sollten die Vereine zu einer „Cash-Cow“ gemacht werden, gibt aber zu: „Sportvereine zahlen sicher gerne für Sportanlagen, aber dann müssen sie auch auf qualitativ hohem Niveau sein.“

Dass die Bezirkssportanlagen in Erfttal und Weckhoven deutlich verkleinert werden sollen, ist kein Widerspruch, denn Vereine wie die SG Erfttal hatten selbst schon Überlegungen in dieser Hinsicht angestellt. Ungeklärt ist aber noch, ob die Bezirkssportanlage Weckhoven, das Zentrum für amerikanische Sportarten werden soll, dazu unbedingt einen Kunstrasenplatz benötigt. Der war zugesagt, um die Anlage ganzjahrestauglich zu machen, weil der Tennenplatz für den Bau einer Kindertagesstätte abgetrennt werden soll.

Jahnstadion soll 2018 einen Kunstrasenplatz erhalten

Andererseits will die CDU weiter konsequent in städtische Bezirkssportanlagen (BSA) investieren. Davon profitieren soll das Jahnstadion, das 2018 einen Kunstrasenplatz erhalten soll. In einem Rahmenplan für das Stadion sollen auch die sanierungsbedürftigen Umkleiden und die Stadionhalle überprüft werden. Die Investition, die aus dem Jahnstadion das dritte innerstädtische Fußballzentrum macht, entspricht auch den Wünschen der SPD, die von einer „Herzensangelegenheit“ spricht. Man sei daher froh, so Sascha Karbowiak, „dass die CDU endlich ihre Blockadehaltung aufgibt“. Begrüßt wird auch der CDU-Vorschlag, das Freizeitsportareal „Südpark“ weiter zu entwickeln und in einem ersten Schritt die BSA Reuschenberg mit einem Kunstrasen-Fußballfeld auszustatten.

Von der SPD wird allerdings kritisiert, dass sich die CDU beim Thema Zukunft der Rennbahn um eine klare Positionierung drücke. Sie selbst legt sich fest. Dort soll eine Multifunktionshalle errichtet werden.

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