Mitarbeiter der Stadt könnten alle wichtigen Geräte vom Notebook über Scanner bis hin zum Fingerprint-Sensor in einem Koffer mitbringen.

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Politiker wollen, dass die Stadtverwaltung künftig auch Hausbesuche macht.

Politiker wollen, dass die Stadtverwaltung künftig auch Hausbesuche macht.

Lothar Berns

Politiker wollen, dass die Stadtverwaltung künftig auch Hausbesuche macht.

Grevenbroich. Heute müssen die Grevenbroicher in die Innenstadt, um im Bürgerbüro einen neuen Ausweis zu beantragen, sich um- oder abzumelden. Künftig könnte das Bürgerbüro aber auch ins Haus kommen, damit Senioren oder Gehbehinderte ihre Verwaltungsangelegenheiten erledigen können. Mit diesem Gedanken beschäftigte sich jetzt der Haupt-, Finanz- und Demografieausschuss (HFD). Eine Entscheidung über ein „rollendes Bürgerbüro“ will er in seiner nächsten Sitzung treffen.

Angebot für Ältere und Menschen mit Behinderung

Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft hatte die SPD die Verwaltung zu einer Prüfung aufgefordert. Sie sollte untersuchen, wie der Bürgerservice in den Stadtteilen verbessert werden kann. Ein Vorschlag der Beigeordneten Barbara Kamp: Für Senioren oder Menschen mit Behinderung könnte ein „Mobiler Verwaltungs-Service eingerichtet werden, der auf Wunsch ins Haus kommt. Den gebe es aber nicht umsonst: Alleine der „Bürgerkoffer“, mit dem die Stadtbediensteten auf Tour gehen, würde 6500 Euro kosten. Alternativ könne er für 3000 Euro im Jahr gemietet werden.

„Der Einsatz eines mobilen Services ohne zusätzliches Personal würde sich aber auf das gesamte Dienstleistungsangebot des Bürgerbüros auswirken“, warnte Barbara Kamp: „Die Bearbeitungs- und Wartezeiten würden dort länger.“ Zudem wies sie darauf hin, dass die 115 000-Einwohner-Stadt Recklinghausen seit 2014 einen solchen Koffer-Dienst anbiete, er werde aber nur 14 Mal im Monat genutzt. „Projiziert auf die Einwohnerzahl von Grevenbroich wären monatlich neun Hausbesuche zu erwarten“, berichtete Barbara Kamp.

Trotz der Bedenken der Beigeordneten: Die SPD drängt darauf, eine solche Dienstleistung ein Jahr lang in Grevenbroich zu testen. Und sie sollte nicht nur auf Alte und Gehbehinderte beschränkt werden, sagte Ratsherr Holger Holzgräber nach der Sitzung: „In einer Flächenstadt von 102 Quadratmetern sollte der Service für alle angeboten werden. Ich kann mir vorstellen, dass das gut angenommen wird.“ Da viele Grevenbroicher nicht in der Stadt arbeiten würden und wenig Zeit hätten, in die Innenstadt zu kommen, müsse sich die Verwaltung deren Bedürfnissen anpassen – „natürlich gegen eine entsprechende Gebühr“.

Dormagen hatte sich vor fünf Jahren dagegen entschieden

Die Fraktionen wollen jetzt über den „Mobilen Verwaltungs-Service“ beraten. Holger Holgräber will bei dieser Gelegenheit außerdem die Frage erörtern, ob die Stadtverwaltung ein „rollendes Bürgerbüro“ auch auf interkommunaler Ebene einsetzen könne – als eine kostenpflichtige Dienstleistung für kleinere Kommunen, wie ihre beiden Nachbargemeinden Jüchen und Rommerskirchen.

Neben Recklinghausen gibt es den „Mobilen Verwaltungs-Service“ in den Städten Dorsten und Herne. Auch Dormagen hat sich vor fünf Jahren mit dem „Bürgerkoffer“ befasst, ihn aber wieder verworfen. Aus gutem Grund: „Die Anschaffungs- und Personalkosten waren zu hoch“, argumentiert Rathaussprecher Swen Möser.

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