In einem Schreiben setzen sich die Kreismedienberater für eine bessere digitale Ausstattung der Schulen ein.

Rhein-Kreis. Die Kreismedienberater Marc Albrecht-Hermanns, Gala Garcia Frühling und Philipp Wartenberg haben einen Katalog mit Empfehlungen zur digitalen Mindestausstattung von Grund- und weiterführenden Schulen im Rhein-Kreis vorgelegt. Damit möchten sie Politik und Verwaltung dafür sensibilisieren, welche Herausforderungen sich mit Blick auf digitale Bildung stellen – und wie diese gemeistert werden können. Hintergrund sind die Fördermittel aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“, aus dem rund 30 Millionen Euro in den Kreis fließen. „Eine große Chance, die digitale Infrastruktur der Schulen zu stärken.

Es gibt großen Bedarf“, sagt Albrecht-Hermanns. In den politischen Gremien, so die Kreismedienberater, fänden sie bislang jedoch kaum Gehör. Mit einer Fachkonferenz wollen die Kreismedienberater zunächst die Schulträger am 15. März über die Empfehlungen informieren. Das Beispiel Neuss zeigt, dass die Politik die Mittel aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ größtenteils für bauliche Maßnahmen – und nicht für die digitale Infrastruktur – verplant. 7,2 Millionen Euro fließen aus dem Fördertopf nach Neuss. Die Politik hat vier Projekte auf die Maßnahmenliste gesetzt.

Erstens: den Ersatzbau der Dreikönigenschule am alten Standort. Zweitens: Die Karl-Kreiner-Schule soll einen Anbau als Containerersatz sowie Räume für einen zusätzlichen Zug mit inklusivem Unterricht erhalten; zudem soll eine entsprechende Nachmittagsbetreuung (OGS) soll berücksichtigt werden. Drittens: An der Gesamtschule Norf soll mit den Mitteln des Förderprogramms ein Erweiterungsbau für sechs Eingangsklassen entstehen. Nur auf Platz vier: bestehende Lücken beim Breitbandausbau für schnelles Internet schließen und ein adäquates W-Lan-Angebot an den Schulen schaffen. Allerdings gibt es in Neuss den Masterplan Breitbandausbau, und da arbeitet die Schulverwaltung gerade an einer Aktualisierung der Daten.

„Wenn Schulen mit einem Konzept kommen und aufzeigen, was sie für den Unterricht benötigen, werden sie es bekommen.“

Christiane Zangs, Schuldezernentin

„Im Schulausschuss im April kommt das Thema auf den Tisch“, sagt Schuldezernentin Christiane Zangs. Sie weiß um die Anforderungen der Kreismedienberater. „Wir arbeiten daran, dass jede Schule einen Glasfaseranschluss mit ausreichend Bandbreite bekommt.“ Neuss sei gut aufgestellt, aber es gebe eben auch Nachbesserungsbedarf. „Zum Beispiel liegt am Gymnasium Norf noch kein Glasfaser. Das steht ganz oben auf unserer Liste“, erklärt Zangs. Sie möchte gleiche Voraussetzungen für alle Schulen schaffen – und Anreize setzen. „Wir werden alles anschaffen, was benötigt wird, aber die Lehrer müssen auch mitziehen.“

Für Anschaffungen mit Blick auf Bildung 4.0 – Hard- und Software – seien Konzepte der Schulen erforderlich. Es sei nun mal eine Kehrseite der Digitalisierung, so Zangs, dass viele Lehrer digitale Angebote im Unterricht gar nicht verwenden. „Da müssen die Kreismedienberater ansetzen und ihre Kollegen begeistern“, sagt Zangs. „Wenn Schulen mit einem schlüssigen Konzept kommen und aufzeigen, was sie für den Unterricht benötigen, werden sie es bekommen.“ Man werde jedoch nichts ins Blaue hinaus anschaffen, das nicht verwendet wird. „Das wäre eine Verschwendung von Steuergeldern.“ Zangs sieht jedoch einen weiteren Anreiz, und zwar aus den Schulen heraus: Kollegien, die digitale Unterrichtsangebote bereits umsetzen, sorgen für einen Attraktivitätsschub. „Das Humboldt-Gymnasium zum Beispiel hat in diesem Bereich ein sehr engagiertes Kollegium – und musste erstmals seit 15 Jahren Schüler abweisen, weil es so viele Anmeldungen gab.“

Bei der Infrastruktur – Glasfaser für die Schulen – stimmt Zangs mit den Forderungen der Kreismedienberater überein.

Zu deren Kernanliegen zählt: Glasfaser für alle 144 Schulen im Rhein-Kreis, um digitalen Unterricht sowie die Nutzung multimedialer Inhalte zu ermöglichen. „Investive Maßnahmen, die eine alternative Lösung umfassen (etwa: Richtfunk, Vectoring) halten wir aus Gründen der Nachhaltigkeit für eine Fehlinvestition“, heißt es in dem Schreiben.

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