11 000 Jodtabletten für Minderjährige und Schwangere sind für Grevenbroich bereitgestellt worden.

Wenn ein Störfall in einem dieser maroden Atomkraftwerke im belgischen Tihange eintreten sollte, werden in Grevenbroicher Wahllokalen Jodtabletten verteilt.
Wenn ein Störfall in einem dieser maroden Atomkraftwerke im belgischen Tihange eintreten sollte, werden in Grevenbroicher Wahllokalen Jodtabletten verteilt.

Wenn ein Störfall in einem dieser maroden Atomkraftwerke im belgischen Tihange eintreten sollte, werden in Grevenbroicher Wahllokalen Jodtabletten verteilt.

dpa

Wenn ein Störfall in einem dieser maroden Atomkraftwerke im belgischen Tihange eintreten sollte, werden in Grevenbroicher Wahllokalen Jodtabletten verteilt.

Grevenbroich. Die maroden belgischen Atomkraftwerke Tihange I und II sowie der Meiler in Doel sind etwas mehr als 100 Kilometer von Grevenbroich und Jüchen entfernt. Deshalb gibt es Jodtabletten, die bei einem schweren Atomkraftunfall zumindest bedingt vor den Folgen einer nuklearen „Wolke“ schützen sollen, in diesen Kommunen nur für Minderjährige und Schwangere. 11 000 Betroffene hat Grevenbroich, Jüchen hat 4000 Betroffene der Kreisverwaltung gemeldet. Und die Jodtabletten sind jetzt da, wie eine Nachfrage ergab: allerdings mit erheblicher Verspätung.

Sie sollten bereits im Herbst zur Verfügung gestellt werden, hatte es geheißen, nachdem Landrat Hans-Jürgen Petrauschke NRW-Innenminister Ralf Jäger angeschrieben und darauf gedrängt hatte, dass sich auch der Rhein-Kreis Neuss und nicht nur die Städteregion Aachen (wegen der Nähe zu Belgien) auf eine mögliche Gefahrenlage vorbereiten müssten.

In Grevenbroich sollen die nun im Kreishaus vor Ort angelieferten Jodtabletten bei einem Störfall in den Wahllokalen verteilt werden, wie Stadtsprecherin Ines Hammelstein bekannt gibt. „Die Wahllokale sind den Bürgern bekannt, und die müssen dann natürlich mit Freiwilligen, Feuerwehr und Hilfsorganisationen für die Tablettenausgabe besetzt werden“, fügt sie hinzu. Über die Medien sollen die Betroffenen auf eine solche Jodtablettenausgabe hingewiesen werden, informiert Hammelstein. Der genaue Ablauf werde aber noch in dieser Woche bei einer Lagebesprechung mit der Kreisverwaltung festgelegt. Wo die Jodtabletten in Jüchen verteilt werden sollen, steht laut der dortigen Gemeindeverwaltung noch nicht fest. Auch Jüchen wartet noch auf eine weitere Order des Kreises.

„In 21 Stunden müsste eine Verteilung im Rhein-Kreis Neuss möglich sein.“

Kreisverwaltung

Von dort heißt es lediglich: Zum Schutz der Bevölkerung vor Radioaktivität bei Kernreaktorunfällen habe das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen über die Bezirksregierung Düsseldorf zwischenzeitlich dem Rhein-Kreis Neuss 402 000 Kaliumiodidtabletten zur Verfügung gestellt. Diese beim Kreis gelagerten Tabletten würden im Ereignisfall für Personen unter 18 Jahren und für Schwangere ausgegeben.

Die Strahlenschutzkommission hat übrigens eine Vorlaufzeit von 21 Stunden bis zur Freisetzung von Radioaktivität in der Außenzone errechnet, zu der Grevenbroich und Jüchen gehören. Diese Vorlaufzeit für die Ausgabe von schützenden Jodtabletten kann sich natürlich je nach Übermittlungszeit eines möglichen Reaktorunfalles auch erheblich verkürzen. Strahlenschutz-Experten gehen davon aus, dass Jodtabletten nur schützen, wenn sie spätestens drei bis sechs Stunden vor Eintreffen der radioaktiven Wolke genommen werden. Pharmazeuten reden von zwei bis drei Tagen, im Idealfall, wobei eine radioaktive Wolke von Belgien bis Grevenbroich oder Jüchen nur wenige Stunden benötigen würde. Vom Katastrophenschutz des Kreises heißt es: Die Größenordnung von 21 Stunden sei nur eines von vielen möglichen Szenarien. „In dieser Zeit müsste aber eine Verteilung im Rhein-Kreis Neuss möglich sein.“

Auf die Frage nach der Informationskette bei einem Supergau antwortet der Kreis: „Über einen Radioaktivitätsaustritt in einem Kernkraftwerk informiert das Lagezentrum des Landes NRW den Kreis über dessen ständig besetzte Leitstelle und den permanenten Bereitschaftsdienst des Krisenstabes. Von dort wird die Information an die Kommunen weitergeleitet.“

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