Im Chempark Dormagen steht die weltgrößte Baypren-Produktionsanlage. Synthesekautschuk wird vielfältig eingesetzt.

Kautschuk-Produktion in Dormagen: Ein Mitarbeiter kontrolliert Kautschuk-Flocken, die später zu Ballen gepresst werden und vor allem in der Reifen-Industrie Verwendung finden.  (Foto : Lanxess AG)
Kautschuk-Produktion in Dormagen: Ein Mitarbeiter kontrolliert Kautschuk-Flocken, die später zu Ballen gepresst werden und vor allem in der Reifen-Industrie Verwendung finden. (Foto : Lanxess AG)

Kautschuk-Produktion in Dormagen: Ein Mitarbeiter kontrolliert Kautschuk-Flocken, die später zu Ballen gepresst werden und vor allem in der Reifen-Industrie Verwendung finden. (Foto : Lanxess AG)

Kautschuk-Produktion in Dormagen: Ein Mitarbeiter kontrolliert Kautschuk-Flocken, die später zu Ballen gepresst werden und vor allem in der Reifen-Industrie Verwendung finden. (Foto : Lanxess AG)

Dormagen/Langenfeld. Das Seil zieht an und Benjamin Sühs gleitet sofort über das Wasser. Der Silbermedaillen-Gewinner im Wakeboard bei den World Games in Duisburg nimmt kurz darauf das erste Hindernis, springt und landet wieder gekonnt auf dem Wasser.

Die Wasserski-Anlage in Langenfeld, direkt an der Autobahn 59, eignet sich aber auch für Anfänger. Wird der erste Versuch noch eine Bauchlandung, gelingt meist der zweite Start. Der Wasserski-Läufer wird an einer Leine von der Seilbahn mit 30 Stundenkilometern über den See gezogen.

Und wer dann in der ersten Kurve doch wieder im Wasser landet, den schützt ein Anzug. "Er ist wie eine zweite Haut, passt sich flexibel dem Körper an und sorgt für einen Wärmeschutz", erläutert Wasserski-Profi Benjamin Sühs. Die Anlage in Langenfeld ist entsprechend von März bis Anfang Dezember für die Besucher geöffnet.

Fast jeder zweite Anzug ist aus Baypren hergestellt

Umgangssprachlich wird die zweite Haut oft auch als Neopren-Anzug bezeichnet, man könnte sie aber genauso gut Baypren-Anzug nennen. Denn beides sind Markennamen: Das eine Produkt wird von der amerikanischen Firma DuPont, das andere von Lanxess - vor allem in Dormagen - hergestellt. Beide Unternehmen sind zu fast gleichen Teilen Marktführer in diesem Segment, und der Endverbraucher weiß gar nicht so genau, von welcher Chemiefirma er das künstlich hergestellte Gummi am Körper trägt.

Vor 100 Jahren erfand Hofmann eine Alternative zum Naturkautschuk

Chemiker bezeichnen den Stoff als Chloropren-Kautschuk oder auch Polychloropren. Er wurde vor 100 Jahren erfunden: Wegen der fortschreitenden Industrialisierung verteuerte sich die Herstellung von Naturkautschuk.

 "Hinzu kam, dass die starke Nachfrage auch für starke Schwankungen in der Qualität sorgte. Was dem Land fehlte, war eine Alternative", erläutert Lanxess-Sprecher Frank Grodzki. Die entdeckte am 12.September 1909 der Chemiker Friedrich Hofmann in Elberfeld. "Und die Erfindung, als deren Erben wir uns sehen, hat die Welt revolutioniert", sagt Grodzki.

Der elastische Alleskönner hält nicht nur Wasserski-Läufer oder auch Taucher selbst im Eiswasser in ihren Anzügen warm, er sorgt auch für Mobilität. Denn der künstlich hergestellte Kautschuk ist heute wesentlicher Bestandteil in jedem modernen Hochleistungsreifen.

Auch in seiner Funktion als Dichtungs- und Dämmmaterial ist der künstliche Gummierwerkstoff unersetzlich geworden: als Dichtung für Waschmaschinen, als Kern in Golfbällen oder in technischen Anwendungen wie Keilriemen oder Förderbändern. "Levapren ist sehr innovativ und hat eine besondere Elastizität.

Es wird zur Ummantelung von feuersicheren Kabeln verwendet. Anwendungsgebiete sind auch auf Öl-Plattformen oder in Unterseeboten zu finden", erklärt Andreas Roos, Forschungs- und Entwicklungsleiter von Baypren und Levapren.

200.000 Tonnen Synthese-Kautschuk, davon allein 100.000 Tonnen Baypren, können im Chempark Dormagen jährlich von drei Lanxess-Betrieben produziert werden.

Dicke Schaumblöcke werden bis zu zwei Millimeter dünn geschnitten

In Dormagen werden nicht gleich die Taucheranzüge produziert, das hergestellte Produkt hat eher eine Ähnlichkeit mit getrockneten Bananen-Scheiben. Diese Baypren-Chips werden von Dormagen aus in die ganze Welt geliefert. In einem mehrstufigen Prozess und unter Zugabe von weiteren Stoffen werden die Chips zu einer Masse unter Hitzeeinwirkung vermengt, geknetet und dann zu Blöcken aufgeschäumt.

"Dadurch entstehen viele kleine geschlossene Gasbläschen, die die hervorragende thermische Isoliereigenschaft gewährleisten", erläutert Roos. Die Schaumblöcke werden entsprechend den Kundenwünschen in unterschiedlich dicke Platten geschnitten.

Je nach beabsichtigter Wärmeisolierung wird Baypren dann für Sportbekleidung in verschiedenen Stärken hergestellt -- in der Regel zwischen 2,5 bis 8 Millimeter. "Dickes Material isoliert besser, ist aber weniger dehnbar.

Da es einen höheren Auftrieb hat, müssen Taucher zusätzliches Gewicht anlegen", weiß Roos. Benjamin Sühs hingegen trägt einen sehr dünnen Anzug, der ihm bei seinen Hindernis-Sprüngen viel Bewegungsfreiheit gibt.

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