Der Zweitligist verlor gegen den HC Empor Rostock und erwog kurzzeitig einen Protest gegen die Spielwertung.

Handball
Während die Rostocker nach dem Schlusspfiff jubelten, redeten die Hausherren auf die Zeitnehmer und die Unparteiischen ein.

Während die Rostocker nach dem Schlusspfiff jubelten, redeten die Hausherren auf die Zeitnehmer und die Unparteiischen ein.

Trainer Jörg Bohrmann ist das blanke Entsetzen ebenso deutlich anzusehen wie seinen Spielern Jonathan Eisenkrätzer, Bastien Arnaud, Nejc Poklar und Patrick Hüter (v.l.) auf der Bank. Fotos (2): Zaunbrecher

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Während die Rostocker nach dem Schlusspfiff jubelten, redeten die Hausherren auf die Zeitnehmer und die Unparteiischen ein.

Die Hoffnung auf einen Erfolg des vorsorglich eingelegten Protestes war ohnehin gering. Nun verzichtet Bayer Dormagen darauf. „Nach Lage der Dinge haben die Schiedsrichter in den umstrittenen Szenen unanfechtbare Tatsachenentscheidungen getroffen. Eine spielentscheidende Regelwidrigkeit liegt letztlich auch nicht bei der zu gering erfolgten Bestrafung eines Spielers kurz vor dem Abpfiff vor“, erklärte Geschäftsführer Björn Barthel gestern.

Unmittelbar nach der 25:26-Niederlage gegen den HC Empor Rostock, die den TSV im Abstiegskampf der Zweiten Handball-Bundesliga fast aussichtslos zurückwirft, hatte Dormagen noch einen Protest in Erwägung gezogen. „Wir haben 48 Stunden Zeit, um zu prüfen, ob wir tatsächlich Einspruch gegen die Spielwertung einlegen – und das werden wir auch tun“, hatte Geschäftsführer Björn Barthel

Die Spielverzögerung, mit der Rostocks Kenji Hövels versuchte, den letzten Angriff des TSV zu unterbinden, hätten die Schiedsrichter Florian Gerhard und Tobias Küsters mit einer „Disqualifikation mit Bericht“ ahnden müssen, weil sie in der letzten Spielminute geschah. Doch statt einer Roten Karte verpasste das Schiedsrichtergespann dem Rostocker nur eine Zeitstrafe.

Einspruch bringt selten Erfolg, kostet aber viel Geld

„Wir werden genau prüfen, ob es Sinn macht, unseren vorsorglich eingelegten Protest aufrecht zu erhalten“, sagte Barthel nach dem Spiel – schließlich sind solche Einsprüche selten von Erfolg gekrönt, dafür aber stets mit hohen Kosten verbunden.

Viel ärgerlicher als die nicht gezeigte Rote Karte ist aus Dormagener Sicht das Versäumnis der Unparteiischen, bei Hövels’ Regelwidrigkeit die Spieluhr anzuhalten. Zwölf Sekunden sind noch zu spielen, als die Schiedsrichter auf Stürmerfoul gegen einen Rostocker Angreifer entscheiden. Doch es vergehen zehn Sekunden, ehe sie Hövels vom Platz stellen und die Hausherren einen Freiwurf ausführen können. Zehn wertvolle Sekunden – denn statt eines Spielzuges bleibt den Dormagenern nur noch ein langer Pass nach vorne. Den zirkelt Jonathan Eisenkrätzer zwar genau auf den frei stehenden Alexander Kübler, der überwindet mit seinem siebten Treffer Rostocks Torhüter Paul Porath zum vermeintlichen Ausgleich – doch dazwischen, so sehen es zumindest die Unparteiischen, ertönt die Schlusssirene, es bleibt beim 26:25-Sieg für die Gäste.

Der TSV hatte bereits 14:8 (35.) geführt. Nach der Roten Karte für Rostocks tschechischen Nationalspieler Roman Becvar (36.) sahen sich die Dormagener vor 1456 Zuschauern zusehens mit unverständlichen Entscheidungen des überforderten Schiedsrichtergespanns konfrontiert – und ließen sich davon so aus dem Konzept bringen, dass die Gäste beim 17:17 (46.) ausgleichen und beim 22:21 (54.) erstmals seit dem 5:4 (16.) in Führung gehen konnten.

Selbst dem Rostocker Trainer schien der Sieg etwas peinlich

Rostock zog nun sämtliche Register: In der Deckung provozierten sie Stürmerfouls, auf der anderen Seite versuchten sie ihr Glück ständig in Eins-gegen-eins-Situationen. Sie ließen sich immer wieder von den Dormagenern festmachen und blieben danach auf dem Parkett liegen. Die Folge: Vier Zeitstrafen für die Hausherren (37. bis 48.), fünf Siebenmeter für die Gäste, die Tom Wetzel alle verwandelte.

Selbst Trainer Aaron Ziercke schien der Sieg etwas peinlich zu sein: „Auf der einen Seite freue ich mich natürlich über diesen Sieg, auf der anderen Seite tut es mir auch ein bisschen leid für meinen Freund Jörg und für den TSV Bayer, denn hier wird tolle Arbeit geleistet.“

Bayer-Trainer Jörg Bohrmann fand hingegen kaum Worte: „Für mich ist das eine schwarze Stunde. Es tut mir leid für die Mannschaft, es tut mir leid für die Fans, aber ich verspreche: Wir kämpfen weiter.“

„Ich hoffe, wir sehen uns nächste Saison wieder“, sagte Ziercke. Eine Neuauflage des Duells in dieser Saison wird es nach dem Protest-Verzicht nicht geben.

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