Römische Funde und Relikte aus dem Mittelalter sollen am früheren Busbahnhof sichtbar gemacht werden.

Neuss. Wie immer bei großen Bauvorhaben gab es einen ersten Spatenstich, nun folgen tatsächlich die Bagger. Auf dem früheren Busbahnhof entsteht der Gebäudekomplex für VHS, Musikschule und Fernuni. Wieder unter Sand und Erde verschwunden sind die Überreste aus Römerzeit und Mittelalter, die an dieser Stelle Zeugnis von zwei Hoch-Zeiten Neusser Geschichte ablegen. Das aber soll nicht so bleiben.

Mit Beginn der Bauarbeiten entwickeln sich auch die Planungen, die markanten historischen Funde in der Innenstadt sichtbar zu machen. Drei Komplexe sollen künftig gezeigt werden.

Da sind zum einen die großen Keller aus dem Hochmittelalter. Damals direkt am Rhein gelegen, gehörten sie zu Kontorhäusern, in denen Waren umgeschlagen wurden. Interessantes Detail: Eine im 14. Jahrhundert gebaute Verkleinerung der Keller weist auf den Umschwung in der Stadtentwicklung hin.

Der Rhein hatte sich zurückgezogen, die Häuser verloren an Bedeutung, die Kehl, ein Kanal vom Kehlturm aus zum "neuen" Rhein wurde - unter der heutigen Hammer Landstraße - errichtet. Die Reste dieser Kellerräume jedenfalls wird der Besucher des "Romaneum" genannten Gebäudes unmittelbar hinter dem Eingang sehen: nicht abgedeckt und über eine kleine Brücke zu begutachten.

Die Umrisse der römischen Mansio, einer Herberge aus dem 3./4.Jahrhundert mit kleiner Badeanlage und Tuffsteinbrunnen, sowie ein 17 Meter langes Stück der Stadtmauer werden auf dem Außengelände sichtbar. Die Verwaltung schlägt der Politik vor, die Mauern mit einem Umfang von 22 mal 10 Metern durch Pflasterintarsien darzustellen und diese Fläche etwas tiefer zu legen als den Rest-Platz.

Im Original soll der Brunnen zu sehen sein - allerdings nach oben verlagert, wurde der Brunnen doch zwei Meter unter der heutigen Oberfläche entdeckt. Die Mansio übrigens wurde nicht zerstört, sondern zerbröselte buchstäblich. Reste wurden im 9.Jahrhundert abgetragen und für den Bau der ersten Klosterkirche genutzt.

Schließlich die Stadtmauer an der Brückstraße: Hier haben sich sogar die reinen Tuffstein-Teile erhalten, die auf die älteste, um 1200 entstandene Mauer hinweisen. Das originale, vier Meter tiefreichende Bauwerk soll freigelegt werden.

Stadtarchäologin Sabine Sauer zeigt sich mit diesen Plänen sehr zufrieden. "Hier ist die Chance genutzt, in der Innenstadt moderne Architektur und sinnvolle Nutzung mit der Erinnerung an das mittelalterliche und römische Neuss zu kombinieren." In dieser Form sei das zum ersten Mal gelungen.

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