Die Scheibe wurde in der sogenannten „Erosionsrinne“ gefunden und gibt Rätsel auf.

Die Scheibe wurde in der sogenannten „Erosionsrinne“ gefunden und gibt Rätsel auf.
Die nur 1,2 Zentimeter große Bernsteinscheibe gehörte vermutlich zu einem Schmuckstück.

Die nur 1,2 Zentimeter große Bernsteinscheibe gehörte vermutlich zu einem Schmuckstück.

GWG

Die nur 1,2 Zentimeter große Bernsteinscheibe gehörte vermutlich zu einem Schmuckstück.

Grevenbroich. Mehr als 950 Funde haben Archäologen bereits auf dem Schlossbad-Gelände ausgegraben. Größtenteils handelt es sich dabei um Eichenpfähle aus dem 14. Jahrhundert. Eine winziger Fund sticht unter den mächtigen Pflöcken heraus: eine kleine Bernsteinscheibe. Sie gehörte vermutlich zu einem Schmuckstück.

Das Grabungsteam ist jetzt wieder vor Ort

Die 1,2 Zentimeter große Scheibe, die nur 50 Millimeter dick ist, wurde in der vier Meter tiefen, sogenannten „Erosionsrinne“ entdeckt. Das ist die Fläche, auf der das künftige Hallenbad stehen wird. „Ein Mitarbeiter hat sie gefunden und sich darüber gewundert, was da so orange schimmert“, schildert Grabungsleiter Horst Husmann. Die spiegelglatte Scheibe ist bisher ein Einzelstück und wurde wahrscheinlich angeschwemmt. „Wer diesen Schmuck getragen hat, lässt sich nicht sagen“, berichtet Horst Husmann. Seriös könne der Fund ohnehin erst am Schreibtisch bestimmt werden, sagt er: „Hierfür müssen Vergleichsstudien betrieben werden.“ Neben der Bernsteinscheibe wurden auch Tonscherben gefunden, die auf das 13. bis 14. Jahrhundert datiert wurden. Die Fragmente, die vermutlich von Gebrauchsgefäßen stammen, sind rot, nach der sogenannten „Pingsdorfer Art“ bemalt. Ein weiterer Fund ist ein Ahlen-Pfeilspitze aus geschmiedetem Eisen, die aus dem 13. Jahrhundert stammt. Diese Spitzen galten als tödliche Waffe, sie drangen sogar durch schwere Kettenrüstungen.

Nachdem die „Weihnachtspause“ beendet wurde, ist das Grabungsteam zurzeit wieder mit zwölf bis 13 Mitarbeitern täglich vor Ort. Ihre Aufmerksamkeit widmen die Archäologen vor allem den Eichenpfählen, die auf einen künstlich angelegten Graben deuten. Zahlreiche umgeknickte Pfeiler lassen annehmen, dass es im Mittelalter in Grevenbroich zu einem gewaltigen, vermutlich klimabedingten Hochwasser gekommen ist. Welche Bedeutung der Graben hat, ist derzeit ebenso unklar wie die Frage, ob die Flut im Zusammenhang mit dem verheerenden „Magdalenenhochwasser“ steht, das 1342 zahlreiche mitteleuropäische Flüsse heimsuchte.

Die Grabungen dauern seit Mai 2015 an. Je nach Wetterlage wollen die Archäologen zwischen Ende April und Ende Juli die Baustelle verlassen. Für das Bad bedeutet dies eine Verzögerung von zwölf bis 14 Monaten. Die Eröffnung ist für das vierte Quartal 2018 geplant. wilp

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