Der Beuys-Schüler feiert am Freitag seinen 80. Geburtstag. Seine Werkstatt steht auf der Museumsinsel.

anatol Herzfeld
Bildhauer Anatol Herzfeld in seinem Atelier. Am Freitag wird der Meisterschüler von Beuys 80 Jahre alt.

Bildhauer Anatol Herzfeld in seinem Atelier. Am Freitag wird der Meisterschüler von Beuys 80 Jahre alt.

Anatols „Wächter“ auf der Museumsinsel.

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Bildhauer Anatol Herzfeld in seinem Atelier. Am Freitag wird der Meisterschüler von Beuys 80 Jahre alt.

Neuss. Die erste Begegnung fand um 3 Uhr nachts statt. Die Freunde Norbert Tadeusz und Blinky Palermo (Peter Heisterkamp) hatten Karl-Heinz „Anatol“ Herzfeld mit zu Joseph Beuys genommen. Es wurde Schnaps getrunken und über die Kunst gesprochen – Beuys saß da und rauchte, mit einem Stück Hasenfell an seiner Anglerweste: Woher er komme, wollte Beuys wissen.

„Das gefiel mir. Oh, ist das schön hier, dachte ich“, erinnert sich Anatol. Ein paar Jahre später schipperte er 1973 mit seinem Lehrmeister im Einbaum – selbst geschnitzt aus einer zwölf Meter langen Schwarzpappel – über den Rhein, um dessen Rückkehr an die Düsseldorfer Kunstakademie zu dokumentieren.

An diesem Freitag wird Anatol Herzfeld 80 Jahre alt, und er schmunzelt nicht nur, wenn er diese Geschichte erzählt. Viel hat er erlebt, Sonder- wie Wunderbares. Geboren am 21. Januar 1931 im ostpreußischen Insterburg, gelernter Schmied, Verkehrspolizist, Puppenspieler, Meisterschüler und Bildhauer.

Anatol ist nicht leicht zu fassen, sei es als Mensch oder als Künstler. Er schert sich nicht darum, was gerade angesagt ist. Das Wort Künstler mag er nicht sonderlich. „Kunst ist ein Begriff, der alles durchdringt, der überall lauert“, findet er. Kunst sei dazu da, das Bewusstsein eines Menschen zu ändern. „Zeichnen konnte ich schon in der Dorfschule, es geht darum, die Dinge zu verinnerlichen“, sagt Anatol und rückt den Stetson zurecht.

Die Werkstatt des Bildhauers, der vorrangig mit Holz, Eisen und Stein arbeitet, liegt versteckt auf der Insel Hombroich. Das Blockhaus wurde nach dem Vorbild osteuropäischer Bauernhäuser errichtet. Seit fast 30 Jahren nutzt sie der Beuys-Schüler, der selbst zwei Jahre an der Kunstakademie lehrte, als Atelier.

Vita: Karl-Heinz Herzfeld wurde 1931 im ostpreußischen Insterburg geboren. Er studierte von 1964 bis 1972 bei Joseph Beuys und Carl Wimmenauer an der Kunstakademie Düsseldorf. Anatol (der Name stammt aus Tolstois Krieg und Frieden) nahm 1972, 1977 und 1982 an der Documenta Kassel teil. 1972 baute er „Das blaue Wunder“, den Einbaum für Beuys.

 

Ausstellung: Im Foyer des Polizeipräsidiums Düsseldorf am Jürgensplatz 5-7 ist vom 31. Januar bis zum 28. Februar die Ausstellung „Anatol Herzfeld – Künstler und Schutzmann“ zu sehen.

Im Kamin flackert das Feuer, es gibt Kaffee mit Süßstoff. Der Raum misst vielleicht 30 Quadratmeter. Er ist voller Fotos und Bilder, dazu Skizzen, Steinköpfe und ein wuchtiges Holzbett. „Das ist eine Art Feldlager“, sagt Anatol, der fast jeden Tag in seiner Werkstatt zu finden ist. Aus Herzfeld und Hombroich wurde eine künstlerische Symbiose. Anatol war eng mit Hombroich-Gründer Karl-Heinrich Müller befreundet.

„Kunst ist ein Begriff, der alles durchdringt, der überall lauert.“

Anatol, Bildhauer

In Erinnerung an seinen Lehrer Joseph Beuys hat Anatol ein abstraktes Ebenbild aus Granit geschaffen, das nach langem Hin und Her am Meerbuscher Rheinufer, „dort, wo Beuys oft mit dem Fahrrad unterwegs war“, aufgestellt wurde.

Anatol hat viele Jahre als Verkehrspolizist gearbeitet. Ab dem 31. Januar ist im Düsseldorfer Polizeipräsidium eine Anatol-Schau zu sehen. Wach zu sein statt zu schlafen, das verbinde den Künstler mit dem Polizisten. Seine Wächter, die rostig-eisernen Phantasiegestalten, zeugen davon.

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