Neuss gehört am Donnerstag den Frauen - eindeutig.

Altweiber
Nur ein Ansatz von Gegenwehr: Der stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel wird im Rathaus in Ketten gelegt.

Nur ein Ansatz von Gegenwehr: Der stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel wird im Rathaus in Ketten gelegt.

Marc Ingel

Nur ein Ansatz von Gegenwehr: Der stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel wird im Rathaus in Ketten gelegt.

Neuss. „Ich bin nervös, das ist mein erstes Mal.“ Das ist nun zumindest bei Behauptung eins eindeutig gelogen. Thomas Nickel, nicht nur Schützenpräsident, sondern auch stellvertretender Bürgermeister, muss ran. Wo ist Herbert Napp? „Nicht in Neuss, auf Dienstreise“, heißt es knapp aus dem Presseamt. So unangenehm scheint das „dem Thomas“ nicht zu sein.

Auf dem Schreibtisch liegt der dicke Haushalt, und als Aktenbeiwerk haben ihm die aufmerksamen Mitarbeiter den Bebauungsplan 460 A Norf/Nievenheimer Straße dazugelegt. Und zwei Kulis. Das interessiert die Jecken allerdings überhaupt nicht.

„Und dann kamen diese lieben Weiber.“

Thomas Nickel

Der Raum füllt sich Rot-Weiß, keine Musik, kein Lied, nichts zu trinken, und schon ist er von Ketten umschlungen, ganz ohne Gegenwehr. „Herbert Napp war da anders“, sagt eine, die es wissen muss. Das wiederum stört den Vertreter nicht, er folgt fröhlich und ohne jeden Versuch, eine Rede zu reden, den Narren Richtung Ausgang. Im Foyer geht das Alt gut weg, die bestens gelaunte Novesia bevorzugt Sekt, und dann „Buenos dias, Matthias“ von den Paveier, da ist der gewesene Stadtchef nicht ganz so textsicher, stimmt aber tapfer in den „Ballermann“ ein.

Zwei Minuten Warten, dann geht’s um 11.11 Uhr in die Sonne auf den Markt. Schließlich muss er noch den Schlüssel abgeben. „Ich habe arbeiten wollen, aber dann kamen diese lieben Weiber“, sagt Nickel und wehrt sich bei dieser Charmeoffensive nicht lange. Und dann ist endlich soweit: Weiberfastelovend.

Starke Männer brauchen doch Attrappen

Prinz Frank I. ist überwältigt: „Ganz Neuss steht auf dem Markt.“ Auch Karnevals-Chef Jakob Beyen ist begeistert, das Frühlingswetter tut sein Übriges: „Quirinus hat eine Kerze für uns angezündet.“ Und schon schmettert das Bundestambourskorps Hubertus die ersten Hits in die Menge.

Auf den ersten Blick nur mit Badehosen leicht bekleidet, ziehen drei starke Männer über den Markt. Beim zweiten Hinschauen entpuppen sich die Muskelpakete allerdings als mit Daunen gefüllte Attrappen. Darin stecken die Brüder Martinek und Paul Schober sowie ihr Kumpel Andreas Schlechtriem, die als fesche Bademeister Ausschau nach in Not geratenen Damen halten. „Wir suchen hier den Swimmingpool, um ein paar Leben zu retten. Aber wenn wir den nicht finden, ziehen wir ins Schwatte Päd und sehen mal, wer da so unsere Hilfe braucht“, lachen die Drei und stürzen sich ins Getümmel.

Die Jecken Dolls sind aus Korschenbroich nach Neuss angereist. Ilse, Petra, Marita, Veronika und Martina sind beste Freundinnen und gehen stilecht als Möhne.

Auf der Stimmungsskala geht es steil nach oben, meinen Birgit Tiedemann und Heike Großwald. Die beiden Marienkäfer sind jedoch alles andere flatterhaft. Die Damen sind in festen Händen, beim Möhneswing im Zeughaus wollen sie „die Seher aber offen halten“.

Ein dreifach donnerndes „Nüss Helau“ ruft auch Pepe Heinrichs in die Menge. Der Reuschenberger geht als Elvis und hofft, gleich im Rathaus seine Disko-Glitzer-Queen zu treffen. Wenn er Pech hat, ist es nur der Armin. Der Chef des Gebäudemanagements gibt den Wikinger-Kettenhemd-Ritter mit Bier im Horn ziemlich überzeugend. Das gibt es eben nur, wenn die Tage toll sind.

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