WZ-Interview: Der Suchtexperte Günter Faßbender hat sein erstes Buch veröffentlicht, in dem er seine Erfahrungen weiter gibt.

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Wenn Menschen täglich zur Flasche greifen, kann dies zu psychischer Gewöhnung führen. (Archiv

Wenn Menschen täglich zur Flasche greifen, kann dies zu psychischer Gewöhnung führen. (Archiv

dpa

Wenn Menschen täglich zur Flasche greifen, kann dies zu psychischer Gewöhnung führen. (Archiv

Rhein-Kreis Neuss. "Na dann, prost - Alkoholprobleme erkennen und überwinden" heißt ein Buch, das jetzt von Günter Faßbender herausgegeben wurde. Der Diplom-Sozialarbeiter kümmert sich in der Fachambulanz für Suchtgefährdete des Caritasverbandes für den Rhein-Kreis Neuss um Suchtkranke und deren Angehörige.

Wir sprachen mit dem Suchtexperten über die Neuerscheinung des Buches und das Alkoholproblem grundsätzlich.

Herr Faßbender, Sie haben den Ratgeber "Na dann, prost" geschrieben. Welches Ziel verbinden Sie damit?

Faßbender: Ich möchte meine Erfahrungen aus der Beratung und Therapie von Suchtkranken an Hilfesuchende und am Thema Interessierte weitergeben.

Glauben Sie, dass der Betroffene (Alkoholiker oder Angehörige) in seiner Not zu einem Buch greift, um sein Problem zu lösen?

Faßbender: Viele Betroffene habe meterweise Literatur zum Thema. Dies ist ja auch zunächst anonymer als gleich einen Termin in der Suchtberatung zu machen.

Sie sind bereits seit 1981 als Diplom-Sozialarbeiter in der Fachambulanz für Suchtgefährdete, Suchtkranke und deren Angehörige des Caritasverbandes für den Rhein-Kreis Neuss beschäftigt. Warum erst jetzt dieses Buch?

Faßbender: Ich hatte vorher nicht die Zeit, die Erfahrung oder vielleicht auch nicht die Lust dazu. Das ist schon viel Arbeit, ein solches Buch zu schreiben und einen Verlag zu finden.

In Deutschland sind 1,6Millionen Menschen von Alkohol abhängig, zehn Millionen Menschen gelten als alkoholgefährdet. Wie sehen die Zahlen im Rhein-Kreis aus?

Faßbender: Das kann ich nicht genau sagen. Man geht von zehn Prozent suchtgefährdeter Personen aus. Auf den Rhein-Kreis Neuss bezogen sind dies etwa 45000 Menschen.

Ein riskanter Konsum ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO für Männer bei täglich 30 Gramm und 20Gramm für Frauen erreicht. Wer als Mann vier Gläser Whisky (2cl) am Tag trinkt liegt darunter (Quelle: Hessische Landesstelle für Suchtfragen). Wann ist ein Mensch tatsächlich ein Alkoholiker?

Faßbender: Dies sind Richtwerte, die sich nur auf die körperliche Verträglichkeit beziehen. Täglicher Alkoholkonsum auch in geringen Mengen führt zur psychischen Gewöhnung an Alkohol und stellt eine hohe Suchtgefährdung dar. Wenn Alkoholkonsum immer wieder zu Problemen führt und der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, seinen Alkoholkonsum auf ein Maß und eine Häufigkeit des Konsum zu reduzieren, die keine Probleme bringen, muss er sich eingestehen, alkoholabhängig zu sein.

Alkohol soll bei immer mehr Jugendlichen eine große Rolle spielen. Wie sieht die Situation im Kreis aus und können Sie auch dort mit Ihrem Ratgeber helfen?

Faßbender: Die Anfragen nach Hilfe von besorgten Eltern und auch von Jugendlichen selbst sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Mein Buch kann natürlich auch Jugendliche auf die Gefahren einer Alkoholabhängigkeit hinweisen. Es ist jedoch nicht direkt für Jugendliche geschrieben. Beratungsstellen fangen bundesweit erst an, sich mehr auf den Zugang zu suchtgefährdeten Jugendlichen einzustellen. In der Fachambulanz der Caritas Sozialdienste Rhein-Kreis Neuss gibt es spezielle Hilfsangebote für Jugendliche.

Die Menschen scheinen mit ihren Problemen beispielsweise in der Arbeitswelt einem immer höheren Druck ausgesetzt zu sein. Was raten Sie zur Bewältigung, statt zur Flasche (oder anderen Drogen zu greifen)?

Faßbender: Die Menschen sollten sich mehr um einen Ausgleich zu dem Druck und der Hektik der heutigen Zeit bemühen. Ein Hobby, sportliche Aktivität, oder auch ein Gespräch mit Freunden kann mehr helfen, als der Griff zum Alkohol oder anderen Suchtmitteln. Alkohol löst keine Probleme, sondern schafft zusätzliche Probleme.

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