Der Auftritt der „Osmanen Germania“ wird als Machtdemonstration gewertet. 200 Polizisten waren im Einsatz.

Der Auftritt der „Osmanen Germania“ wird als Machtdemonstration gewertet. 200 Polizisten waren im Einsatz.
Die Polizei verhinderte, dass die „Osmanen“ bis in die Innenstadt zogen. Beamte nahmen die Personalien der Rocker auf.

Die Polizei verhinderte, dass die „Osmanen“ bis in die Innenstadt zogen. Beamte nahmen die Personalien der Rocker auf.

Die Polizei verhinderte, dass die „Osmanen“ bis in die Innenstadt zogen. Beamte nahmen die Personalien der Rocker auf.

Die Polizei verhinderte, dass die „Osmanen“ bis in die Innenstadt zogen. Beamte nahmen die Personalien der Rocker auf.

Staniek/Kirschstein, Bild 1 von 3

Die Polizei verhinderte, dass die „Osmanen“ bis in die Innenstadt zogen. Beamte nahmen die Personalien der Rocker auf.

Neuss. Mit ihrem martialischen Aufmarsch sind die rund 80 meist türkischstämmigen Rocker der „Osmanen Germania“ am Montagabend an die Richtigen geraten: Auf ihren Zug vom Wendersplatz in Richtung Innenstadt reagierte die Neusser Polizei mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften. „Die wollten ihre Macht demonstrieren – wir wollten wissen, wer das ist“, rechtfertigt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke den Einsatz von mehr als 200 Beamten. Die konnten die Identität dieser Spaziergänger in Rockerkluft klären, warum sich die „Osmanen“ aber erstmals in so großer Zahl in Neuss zeigten, wusste die Polizei auch gestern nicht genau.

Aufmarsch war der erste der Gruppierung in ganz NRW

Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat dazu jedoch eine klare Meinung: „Die Osmanen wollen die Bevölkerung einschüchtern und den Etablierten, den Hells Angels und den Bandidos, den Kampf ansagen. Die Botschaft lautet: Seht her, auch wir können 70 bis 80 Rocker mobilisieren“, sagt Plickert. Es gelte, einen Fuß in die organisierte Kriminalität zu bekommen. „Da reden wir von Rotlicht- und Türsteherszene sowie vom Drogenhandel“, sagt Plickert. Neuss habe möglicherweise als Plattform gedient, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Aufmarsch am Montag war der erste dieser Gruppierung in ganz NRW. Plickert geht davon aus, dass weitere in NRW folgen werden.

In der Bürgerschaft wurden der Aufmarsch der Rocker und die Polizeireaktion mit Erschrecken zur Kenntnis genommen. „Viele waren verunsichert, die zu uns kamen“, berichtet Karl Kehrmann vom Gasthaus „Im Dom“, in das viele Innenstadtflaneure ausgewichen waren. Die Stimmung sei bedrückt gewesen, sagt der Wirt.

Breuer hätte sich eine offensivere Informationspolitik gewünscht

Vor diesem Hintergrund hätte sich Bürgermeister Reiner Breuer, der sich bei den Einsatzkräften der Polizei selbst um ein Bild von der Lage bemühte, eine offensivere Informationspolitik der Polizei gewünscht. Man dürfe die Diskussion und Bewertung solcher Aktionen nicht allein einigen Kommentatoren in den sozialen Netzwerken überlassen, sagte er. Bei einer Dienstbesprechung am Donnerstag mit dem Landrat und Polizeileiter werde er dazu ein paar deutliche Worte finden.

In der Neusser Bikerszene wiederum selbst löste der Auftritt der „Osmanen“ keine Sorgen aus. „Die fahren nicht einmal Motorrad“, hieß es mit Blick auf die Herkunft der „Osmanen“, die sich als Boxing-Club bezeichnen (BC) und dort auch ihre Wurzeln haben. „Die interessieren uns nicht.“

Die Polizei schon. „Wir beobachten das weiter“, versicherte Polizeisprecher Hans-Willi Arnold, der den Aufmarsch von Montag gestern als Abendspaziergang abtat. „Es ist ja nichts passiert.“ Gegen zwei 23 beziehungsweise 25 Jahre alte Männer aus dem Raum Siegen, in deren Wagen ein Schlagring und Messer sichergestellt wurden, wurde eine Strafanzeige gefertigt. Vorwurf: Verstoß gegen das Waffengesetz. Sie werden deshalb noch einmal von der Polizei vernommen, an alle anderen haben die Behörden keine Fragen mehr.

Die Polizei begnügte sich damit, die Personalien der Männer aufzunehmen, die nur zum kleinsten Teil aus Neuss beziehungsweise dem Rhein-Kreis stammen, in der Masse aus ganz NRW und Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz angereist waren.

Das Landeskriminalamt wollte sich zu den Vorkommnissen nicht äußern, der Verfassungsschutz beobachtet die „Osmanen“ nicht.

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