Schüler gedenken der Opfer des Anschlags. Und auch bei der Gegen-Demo zu „Pegida“ waren viele Neusser.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Norfer Gymnasiasten stellten sich für ein Foto für ihre französische Partnerschule in Angers auf.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Norfer Gymnasiasten stellten sich für ein Foto für ihre französische Partnerschule in Angers auf.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Norfer Gymnasiasten stellten sich für ein Foto für ihre französische Partnerschule in Angers auf.

Hammer

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Norfer Gymnasiasten stellten sich für ein Foto für ihre französische Partnerschule in Angers auf.

Neuss. In der zweiten großen Pause ist die Aufregung am Gymnasium Norf groß: „Mehr nach rechts und mehr hintereinander“, ruft Erik Rönecke (15) vom ersten Stock aus den hunderten Mitschülern vor dem Haupteingang zu. Währenddessen verteilt Ayca Sahmann (16) Zettel mit der Aufschrift „Je suis Charlie“, die die Jugendlichen kurz darauf für ein Foto hochhalten.

Die Schüler wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen. „Der Anschlag in Paris war schrecklich“, sagt Erik. „Viele sagen jetzt, das Magazin hätte eben nicht so provokant sein dürfen. Aber wenn man nicht mehr provokant ist, weil man Angst vor Terroristen hat, ist das doch keine Meinungsfreiheit mehr.“ Das findet Ayca ebenfalls. „Als Schülersprecher veröffentlichen wir auch Berichte im Internet“, erklärt sie. „Pressefreiheit ist wichtig – die Religion spielt da keine Rolle.“

Für Meinungsfreiheit und gegen Ausländerfeindlichkeit

Die Aktion am Norfer Gymnasium war am Montag nicht die einzige, mit der sich Neusser für Meinungs- und Pressefreiheit und gegen Ausländerfeindlichkeit einsetzten. Die großen Parteien hatten zur Teilnahme an der Kundgebung des Bürgerbündnisses „Düsseldorfer Appell“ gegen die „Pegida“-Bewegung aufgerufen. Am Nachmittag machten sich die Teilnehmer in zwei parteiübergreifenden Gruppen – neben CDU, SPD und Grünen waren auch FDP und Piraten mit dabei – auf den Weg in die Landeshauptstadt. Nahe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs wollten sie sich treffen, um geschlossen zur Kundgebung zu ziehen. Das klappte angesichts der großen Menschenmenge jedoch nicht mehr. Dem erklärten Ziel, gemeinsam Flagge zu zeigen, tat dies keinen Abbruch.

„In der heutigen Zeit gibt es Themen, für die wir Neusser Politiker uns geschlossen stark machen sollten, unabhängig vom sonstigen Hickhack“, sagte Susanne Benary-Höck von den Grünen. „Es ist unsäglich, dass die Opfer von ,Charlie Hebdo’ jetzt von ,Pegida’ instrumentalisiert werden.“ Michael Ziege von der SPD war ebenfalls unter den Demonstranten. „Wir müssen ein Zeichen setzen für eine tolerante und freiheitsliebende Gesellschaft“, erklärte er. „Man darf die Menschen nicht aufteilen in Moslems und andere.“ Das sah Helga Koenemann (CDU) genauso. „Die Masse darf nicht schweigen“, sagte sie in Düsseldorf. Eine Schweigeminute gab es dennoch: als den Opfern von Paris gedacht wurde.

Bei Facebook gibt es seit kurzem eine „Neugida“

In der Quirinusstadt gibt es aber auch Unterstützer der „Pegida“-Bewegung. Im Internet findet sich im sozialen Netzwerk Facebook seit kurzem eine „Neugida“. Die Abkürzung steht für „Neuss gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Die Seite verzeichnete am Montagnachmittag ganze zehn Befürworter.

Die Neusser Stadtverwaltung legt von Dienstag bis Samstag im Eingang zum Bürgeramt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürger eintragen können, um den Familien der Opfer von Paris ihre Anteilnahme zu bekunden.

Marcel Swierczok (19) und Marcel Müller (18) vom Gymnasium Norf können die derzeitige fremdenfeindliche Entwicklung ganz und gar nicht nachvollziehen. „Ob jemand Muslim ist oder nicht, macht für uns keinen Unterschied“, sagen die beiden Schüler. „Wir sind doch alles Menschen.“

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