Zugunglück in Meerbusch
Mitarbeiter der Bahn beginnen mit der Bergung der verunglückter Züge.

Mitarbeiter der Bahn beginnen mit der Bergung der verunglückter Züge.

Roland Weihrauch

Mitarbeiter der Bahn beginnen mit der Bergung der verunglückter Züge.

Meerbusch/Düsseldorf. Ein Fehler der Fahrdienstleitung könnte die Ursache für das Zugunglück von Meerbusch sein. Dem Lokführer des Personenzugs sei über Zugfunk mündlich die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilt worden, obwohl sein Streckensignal auf Halt stand, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch unter Berufung auf Ermittlerkreise. Bei dem Unfall am Dienstagabend war ein Regionalexpress des privaten Zugbetreibers National Express auf einen Güterzug von DB Cargo geprallt, 50 Menschen wurden dabei verletzt, neun von ihnen schwer.

Eine Stellungnahme der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen zu dem Bericht war am Mittwochabend nicht zu erhalten. Ein Sprecher der Stelle hatte zuvor erklärt, dass der Regionalzug hätte halten müssen. Dies sei aber keine Schuldzuweisung an den Lokführer der Regionalbahn.

Dem RND-Bericht zufolge gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass die vergebenen Zugnummern fehlerhaft eingetragen waren. Deswegen könnte übersehen worden sein, dass zwei Züge sich im selben Streckenabschnitt befanden. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Am Mittwochmorgen ist in Meerbusch-Osterath bei Krefeld das Ausmaß der Kollision zwischen der Regionalbahn und einem stehenden Güterzug deutlich geworden: Zwei tonnenschwere Güterwaggons sind wie Spielzeug von den Gleisen gepurzelt. Der Triebwagen des Regionalzugs ist vom Aufprall zusammengestaucht. 173 Menschen hatten sich in dem Regionalexpress der Linie 7 von Krefeld nach Köln befunden. Sie mussten am späten Dienstagabend zwei Stunden ausharren, weil die entgleisten Güterwaggons eine Oberleitung herabgerissen hatten und so mit bis zu 15 000 Volt Hochspannung eine tödliche Gefahr lauerte, die erst durch die Erdung des Fahrdrahts beseitigt werden musste.

„Wenn man sieht, was für Kräfte da wirken, mag man sich gar nicht vorstellen, was noch alles hätte passieren können“

NRW-Verkehrsminister Wüst

Die Fahrtenschreiber beider Züge sind sichergestellt und ausgelesen worden. Auch in den Stellwerken wurden Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr aufgezeichnet. Bis zur endgültigen Klärung wird es dennoch etwas dauern. „Wenn man sieht, was für Kräfte da wirken, mag man sich gar nicht vorstellen, was noch alles hätte passieren können“, sagte am Mittwoch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, der sich am Vormittag an der Unfallstelle ein Bild gemacht hatte. Die Rettungskräfte loben den Lokführer. Der habe sich, obwohl selbst deutlich mitgenommen, um die Fahrgäste gekümmert. Mit seiner Notbremsung habe er Schlimmeres verhindert. In das erste Abteil hinein habe er noch vor dem Aufprall gerufen, dass die Zuggäste sich weiter nach hinten begeben sollten.

Betroffen sind durch den Unfall der Zugverkehr von RE 7 und RE10 (Niers-Express). National Express Rail hat einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Im Stundentakt werden Busse zwischen Neuss und Krefeld eingesetzt. Die Züge des RE10 können laut Betreiber NordWestBahn nur zwischen Kleve und Krefeld-Oppum fahren und werden nach Duisburg umgeleitet. Fahrgäste mit Reiseziel Düsseldorf werden auf die Züge des Nahverkehrs zwischen Duisburg und Düsseldorf verwiesen. Desweiteren ist Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Krefeld-Oppum und Meerbusch-Osterath eingerichtet.

Von Montag, 11. Dezember 2017 (23:00 Uhr) bis Samstag, 16. Dezember 2017 (6:00 Uhr) wird die Strecke des RE 7 aufgrund von Gleisbauarbeiten zwischen Krefeld und Neuss für den Zugverkehr gesperrt. Es wird ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Ob die Strecke vor den Bauarbeiten für den Schienenverkehr freigegeben wird, hält ein Sprecher von National Express auf Nachfrage für unwahrscheinlich.

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Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der die Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte. Mit einem aus Fulda herbei geschafften 160-Tonnen-Kran sind am Mittwoch die Bergungsarbeiten fortgesetzt worden. Bis die Strecke wieder befahrbar sein wird, könnte es noch einige Tage dauern: Zunächst müssen nach Abtransport der Unfall-Züge die Gleise geprüft werden.

Auch den Bahn-Pendlern am Niederrhein verlangte das Unglück am Mittwoch einige Geduld ab, denn die Streckensperrung wirkte sich auch auf den regionalen Bahnverkehr aus. So kamen teils Busse als Schienenersatzverkehr zum Einsatz (=> hier gibt es weitere Informationen zu den Alternativen).

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