Der Rat hat die Verwaltung beauftragt, mit der Friedwald GmbH Verhandlungen zu beginnen. Der Bauausschuss hatte sich zuvor dagegen ausgesprochen.

Bestattung
Solche Plaketten und Bänder kennzeichnen die Bäume in einem Friedwald. Symbol

Solche Plaketten und Bänder kennzeichnen die Bäume in einem Friedwald. Symbol

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Solche Plaketten und Bänder kennzeichnen die Bäume in einem Friedwald. Symbol

Wird es in naher Zukunft möglich sein, im Waldgebiet Meererbusch bestattet zu werden? Sicher ist das nicht – aber zumindest wird die Stadtverwaltung jetzt mit der Friedwald GmbH und dem Waldbesitzer Freiherr Friedrich von der Leyen entsprechende Vertragsverhandlungen aufnehmen. Das beschloss der Stadtrat mehrheitlich (siehe Info-Box). Bereits vor drei Jahren hatte die Friedwald GmbH einen entsprechenden Antrag an die Verwaltung gestellt, sich aber eine Abfuhr eingeholt. Die Stadt lehnte den Antrag ab und eröffnete wenig später selbst einen „Friedhain“ auf dem Friedhof Osterath. Dort können – analog zum Friedwald – Urnen unter Bäumen beigesetzt werden.

Unternehmen sagt Vorteile für die Gastronomie voraus

„Sofern es für die Stadt Meerbusch zu Einnahmeausfällen kommt, werden wir diese ausgleichen.“ Eine Verteuerung der Friedhofsgebühren werde es durch den Friedwald nicht geben. Der Projektleiter der Friedwald GmbH sieht vielmehr einen Nutzen für die Stadt: „Mit einem Friedwald in Meerbusch würde der erste Bestattungswald in der Region Niederrhein entstehen und damit Interessenten auch weit über die Stadtgrenze hinaus ansprechen. Das käme auch der örtlichen Gastronomie zugute.“ Die Nachfrage nach alternativen Begräbnisformen nimmt zu – weil sich auch die Lebensumstände ändern. Dass Kinder die Grabstätten ihrer Eltern pflegen, ist heute nur mehr die Ausnahme.

CDU und SPD hatten im Rat auf den Fraktionszwang verzichtet. „Es ist nicht einfach eine wirtschaftliche Angelegenheit, sondern es geht um eine Frage, die sehr ins Private geht“, so der CDU-Fraktionschef Werner Damblon. Wünsche der Bevölkerung, was am Lebensende mit dem Leichnam passiere, müssten berücksichtigt werden, forderte Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD).

Vor zwei Wochen sah die Sache im Bauausschuss noch ganz anders aus. Im Rat kam es nun sowohl bei einzelnen SPD- als auch CDU-Mitgliedern zu Meinungsänderungen. Ratsherr Dirk Banse (SPD) reagierte irritiert, stelle indirekt den Vorwurf der Korruption in den Raum: „Es wundert mich zutiefst, dass so viele Parteien ihre Abstimmung freigeben. Ich kann es nicht begründen, stelle mir aber die Frage: Gibt es einen anderen Hintergrund?“ Die Gegner der Waldbegräbnisse führten eine mögliche Störung von Tier- und Pflanzenwelt ins Feld. „Wenn wir 100 Hektar Waldfläche hätten, wäre ein Friedwald kein Problem“, so Heinrich Peter Weyen (UWG). „Weil der Meererbusch aber nicht so groß ist, wird er ohnehin schon stark frequentiert.“

Gegner befürchten geringere Nutzung städtischer Friedhöfe

Daneben stehe das Risiko, dass durch vermehrte Inanspruchnahme des Friedwalds die städtischen Friedhöfe weniger genutzt werden – die Unterhaltungskosten aber gleich blieben. Gebühren könnten steigen. Georg Neuhausen (SPD): „Es müssten Fragen der Zuwegung, der Parkplatzsituation und auch der Abbiegemöglichkeit auf der Meerbuscher Straße geklärt werden.“ Jürgen Peters (Grüne): „Ein Friedwald ist das richtige Konzept.“ Es seien eher Jogger und Radfahrer, die Flora und Fauna störten als die Besucher eines Friedwalds. Christian Staudinger-Napp (Die Aktiven) sagte, mehr als 200 Einebnungen auf den Friedhöfen zeigten, dass die Bestattungskultur im Wandel sei. „Wir haben aus der Bürgerschaft klare Signale für die Einrichtung eines Friedwaldes bekommen.“

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