Am SMG erhalten ausländische Kinder konzentrierten Sprachunterricht.

Schule
Stefan Holtschneider ist seit zwei Jahren Schulleiter am Meerbusch-Gymnasium.

Stefan Holtschneider ist seit zwei Jahren Schulleiter am Meerbusch-Gymnasium.

Marc Ingel

Stefan Holtschneider ist seit zwei Jahren Schulleiter am Meerbusch-Gymnasium.

Strümp. Integration und Inklusion sind Kernthemen im schulischen Bereich. Das Städtische Meerbusch-Gymnasium (SMG) hat im Sommer eine neue Aufgabe in diesem Feld übernommen: Kinder, die aus dem Ausland in den Rhein-Kreis Neuss kommen, aber über keine Deutschkenntnisse verfügen, erhalten am Mönkesweg konzentrierten Sprachunterricht. „Der Bedarf ist enorm“, sagt SMG-Schulleiter Stefan Holtschneider.

Das kommunale Integrationszentrum in Neuss (KI) entscheidet, ob und wo die Kinder diese Erstförderung erhalten. Tests werden nicht gemacht. Orientierung geben die Zeugnisse aus dem Herkunftsland – sobald sie übersetzt vorliegen. „Es ist ungeheuer schwer, einzuschätzen, auf welchem Ausbildungsniveau sich die Kinder befinden“, sagt Holtschneider.

Mögliche Gymnasiasten lernten bisher ausschließlich am Neusser Quirinus-Gymnasium Deutsch. Die Notwendigkeit, eine neue Klasse an einem anderen Standort im Kreis einzurichten, war groß. „Wir haben uns bereiterklärt, das zu machen“, sagt Holtschneider.

Wie das Quirinus ist auch das SMG nicht für alle Kinder Stammschule. Nur drei der zurzeit elf Kinder der SMG-Deutschklasse bleiben danach voraussichtlich auf der Strümper Schule, für die anderen ist sie der Seiteneinstieg: Haben sie ausreichende Deutschkenntnisse, wechseln sie auf die Schule ihrer Wahl.

Sechs Monate bis zu eineinhalb Jahre dauert die Erstförderung. Bis zu 20 Kinder werden in einer Klasse unterrichtet. „Es ist ein absolut individuelles Lernen“, sagt Stefan Holtschneider, „weil jedes Kind mit anderen Voraussetzungen und Möglichkeiten kommt“.

Die Kinder müssen alphabetisiert sein

Das gilt nicht nur für ihre Schulbildung. „Manche sind nach Deutschland geflohen, bei anderen steckt ein beruflicher Wechsel der Eltern dahinter.“ Selbst eine Grundvoraussetzung ist nicht immer gegeben: „Die Kinder müssen alphabetisiert sein.“

Den Start des Projekts am SMG, von Bezirksregierung und Kreisschulbehörde verantwortet, bezeichnet Holtschneider diplomatisch als „ziemlich holprig“. Erst am Ende der Sommerferien 2013 kam Nicoletta Pohlmann als Klassensprachlehrerin ans SMG. Ein Glücksfall, sagt Holtschneider. Die Lehrerin der Osterather Hauptschule habe große Erfahrung und Kompetenz, „da konnten wir sofort anfangen, ohne noch ein halbes Jahr ein Konzept zu erarbeiten. Frau Pohlmann wusste sofort, was zu tun ist“ so der Schulleiter.

„Wir nutzen Englisch manchmal als Krückensprache.“

Stefan Holtschneider

Mit einer jungen Polin fing der Unterricht an, mittlerweile sind es elf Schüler. Die Zehn- bis 13-Jährigen kommen aus China (3), dem Iran (3), der Türkei (1), Spanien (1) und Lettland (1). „Eine unglaublich heterogene Gruppe“, sagt Holtschneider. Die gemeinsame Sprache ist Deutsch – das die Kinder gerade erst lernen. „Wir nutzen Englisch manchmal als Krückensprache.“ Eine Krücke, die Brücken bauen soll, wenn Grammatik gepaukt und Arbeitsblätter ausgefüllt werden müssen.

Insgesamt 30 Wochenstunden Sprachunterricht sind anstrengend. Nicht nur deshalb will Holtschneider zwischendurch auch die Tür in den „normalen“ Unterricht öffnen. Die Kinder sollen keine Fremdkörper am SMG sein. „Ich würde mir wünschen, dass wir die Schüler zusammenbringen, wo wir es können.“ Holtschneider sieht in der Begegnung großes Potenzial. „Viele der Kinder sind schon in der Welt herumgekommen.“

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