IHK-Präsident Werhahn sieht die Unternehmen gut aufgestellt. Lob gibt es für das deutsche Bankensystem.

Rhein-Kreis Neuss. Ein Krisenjahr steht bevor: Diese These wird seit Wochen von Politiker wie Wirtschaftsvertretern postuliert. Zum Jahreswechsel hat sich Wilhelm Werhahn, Präsident der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, zur wirtschaftlichen Situation geäußert.

Auch er ist sicher: Offenkundig sei, dass es neben der zyklisch anstehenden Abschwächung zusammen mit der Finanzkrise eine insgesamt nachhaltige Wirtschaftskrise gebe. "Trotzdem gilt: In der Krise muss - bei allen Schwierigkeiten - der nächste Aufschwung vorbereitet werden", so der Kammerpräsident.

Dazu gehöre auch eine Bestandsaufnahme, die das Positive nicht vernachlässige: "Denn es gibt derzeit auch erfreuliche Signale." Dazu rechnet der Unternehmer sinkende Rohstoff- und Ölpreise. Die Rechnung für die deutschen Ölimporte werde voraussichtlich um 30 Milliarden Euro niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr. Das, so betont Werhahn, entspreche einem Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Er erinnert weiter daran, dass die Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren stehe. Und auch die prognostizierte Kreditklemme sei bislang ausgeblieben. Zwar spüren die Unternehmen, dass die Finanzierungsbedingungen schlechter werden, aber Engpässe bei der Kreditvergabe gibt es nach Aussage des IHK-Präsidenten kaum. Wilhelm Werhahn: "Das deutsche Bankensystem mit den drei Säulen Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken bewährt sich in diesen turbulenten Zeiten."

Die Wirtschaft am Niederrhein könne trotz vieler Negativschlagzeilen zuversichtlich ins neue Jahr starten. "Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Position durch Umstrukturierungen, Kostensenkungen und gute Geschäfte verbessert", sagt Werhahn.

2008 seien auch wegweisende Projekte weiterentwickelt worden, die die Zukunft des Standorts Niederrhein zu sichern helfen. Werhahn nennt die Beteiligung der Häfen Neuss-Düsseldorf am Krefelder Hafen.

"Wie attraktiv die Logistik-Region Niederrhein ist, zeigen die geplanten Investitionen von Thyssen-Krupp Steel in ein neues Stahl-Service-Center am Krefelder Hafen und von Arcelor Mittal in einen Umschlagplatz am Neusser Hafen", kommentiert Werhahn.

Außerdem werde das geplante Kraftwerk in Krefeld-Uerdingen ab 2010 wie ein Konjunkturprogramm wirken, prognostiziert IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Porschen. "Das Projekt wird 7000 Arbeitsplätze sichern, 50Prozent der Instandhaltungskosten der Anlagen werden in der Region bleiben."

Für die Region wünscht sich Porschen eine zumindest maßvolle Senkung der Gewerbesteuerhebesätze. Außerdem sei es gerade jetzt notwendig, Projekte wie das gemeinsame Gewerbegebiet von Krefeld und Meerbusch, die Südanbindung des Krefelder Hafens und den Eisernen Rhein voranzubringen: "Die Situation muss genutzt werden, den Niederrhein für das Anziehen der Konjunktur fit zu machen." Red

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