Das älteste Gotteshaus im Rhein-Kreis ist saniert. Viele Bürger packten dabei kräftig mit an.

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193 000 Euro wurden in die vorsichtige Restaurierung der Ossumer Kapelle gesteckt.

193 000 Euro wurden in die vorsichtige Restaurierung der Ossumer Kapelle gesteckt.

Marc Ingel

193 000 Euro wurden in die vorsichtige Restaurierung der Ossumer Kapelle gesteckt.

Ossum. Sie ist das älteste Gotteshaus im Rhein-Kreis Neuss. Zumindest der Mittelteil der Ossumer Kapelle wurde nachweislich vor rund 1000 Jahren gebaut. Da bleibt es nicht aus, dass der Zahn der Zeit am Gemäuer nagt. Kriegsschäden, Plünderungen und umweltbedingte Schäden taten ihr Übriges.

Reparaturen, Restaurierungen und auch Erweiterungen gab es im Verlauf der Jahrhunderte viele. 1995 war es erneut so weit, der Lanker Architekt Theo Kammann sollte im Auftrag der Pfarrgemeinde und in enger Abstimmung mit den zuständigen Denkmalbehörden einen Sanierungsplan erstellen.

Bis erstmals Hand angelegt wurde, vergingen fast noch einmal zehn Jahre, doch die Geduld hat sich gelohnt. Mittlerweile ist die kleine St.Pankratius-Kapelle wieder der ganze Stolz der Einwohner von Ossum und Bösinghoven.

Faszinierender Einblick in die alte Handwerkskunst

Dem Abschlussbericht von Kammann und dem Kölner Restaurator Dietmar Krauthäuser wohnten in der Teloy-Mühle in Lank so viele Zuhörer bei, dass die Stühle kaum ausreichten. Zu erklären ist dieses großes Interesse dadurch, dass viele Dorfbewohner insbesondere bei der Innensanierung halfen und ihnen das geschichtsträchtige Bauwerk ans Herz gewachsen ist.

Die Erläuterungen der beiden Fachleute gaben darüber hinaus aber auch einen faszinierenden Einblick in die Feinheiten des Handwerks. Denn die Arbeit an einem Denkmal erfordert nur bedingt den Einsatz von schwerem Gerät, soll doch der Urzustand nach Möglichkeit erhalten werden.

Voraussetzung war: Die Witterungsschäden an dem romanischen Mauerwerk sowie dem Backsteinmauerwerk mussten beseitigt werden - und das, wenn irgend möglich ohne Steine auszutauschen. "Die notwendigen Arbeiten in einem Zuge durchzuführen, war gar nicht machbar", begründet Kammann die Aufstellung von vier Dringlichkeitsstufen.

Risse ziehen sich vom Fundament bis zur Traufe

"Der alte Putz musste komplett runter. Bei dem Mauerwerk war es zu Verbröckelungen und Abschalungen gekommen. Teilweise gab es Risse vom Fundament bis zur Traufe. Am Dach hatten sich die Schieferplatten gelöst und auch die Dachrinne musste erneuert werden", benennt der Architekt rückblickend die dringlichsten Arbeiten.

Die waren nicht immer risikofrei. Ziegelsteine fielen plötzlich auf den Gehweg, einst massive Anker waren verrostet und zerbröckelten, wenn man sie anfasste und auf den Fensterbänken hatte sich der Tuffstein komplett gelöst. Dann wütete 2007 Kyrill und wehte das Sturmkreuz vom Dach der Kapelle.

Für Restaurator Dietmar Krauthäuser war es "eine sehr schöne Arbeit. Es ist spannend zu sehen, wie vor 1000 Jahren gearbeitet wurde." Er schätzte die Maßgabe, möglichst viel des Urzustandes zu erhalten - auch wenn man einst beim Bau etliche Schadensursachen durch Unkenntnis selbst geschaffen habe. Bestimmte Erwartungen musste er allerdings enttäuschen.

Die zum Teil vorherrschende schwarze Verkrustung hätte weder eine Sandstrahl- noch eine Lasertechnik beseitigen können, ohne dem Mauerwerk Schaden zuzufügen. "Das ist jedoch nur ein optisches Problem, das nicht zwingend angepackt werden musste", erklärt der Restaurator.

Mit Injektionen wurde das Mauerwerk stabilisiert

Da, wo es wirklich notwendig war, operierten der Kölner und sein Team zum Teil mit Mörtel-Injektionen oder Vernadelungen, um die Schalung wieder an den Steinkern zu binden.

Inklusive eines neuen Entwässerungssystems oder der Ausführung von kleineren Arbeiten wie dem Streichen der Fensterrahmen oder der Bleiabdeckung der Fensterbänke habe die Sanierung insgesamt rund 193 000 Euro gekostet, berichtet Kammann. "Damit sind wir immerhin 10 000 Euro unter meiner Kostenschätzung geblieben - und haben hoffentlich die nächsten 100 Jahre Ruhe."

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