Besser ausgebaute Radwege, vernünftige Abstellmöglichkeiten oder klarere Abgrenzungen – Fahrradfahrer haben einige Ideen. Ein Radverkehrskonzept ist bereits in Arbeit.

Kreisverkehre können für Radfahrer gefährlich werden.  Archiv
Kreisverkehre können für Radfahrer gefährlich werden. Archiv

Kreisverkehre können für Radfahrer gefährlich werden. Archiv

Stadt Meerbusch

Kreisverkehre können für Radfahrer gefährlich werden. Archiv

Auto, Fahrrad oder Bus? Seit die Straßen, auch in Meerbusch, im Pkw-Verkehr ersticken und die Luft in vielen Städten so dick geworden ist, dass Fahrverbote drohen, werden das Fahrrad und der öffentliche Nahverkehr zunehmend als ernsthafte Alternative betrachtet.

„Die Autofahrer nehmen Radfahrer nicht als Verkehrsteilnehmer wahr. Selbst in kleinen Nebenstraßen kommt man dadurch fast täglich in Lebensgefahr.“

Peter Koenders, ADFC Meerbusch

Doch damit sie auch genutzt werden, müssen die Angebote für eine nachhaltige klimafreundlichen Mobilität verbessert werden. Jahrelang wurde in Meerbusch wenig in die Infrastruktur von Radwegen investiert. Holprige Oberfläche, zu geringe Breite und ein Zwei-Richtungsradweg nur auf einer Straßenseite kennzeichneten das Angebot. Dazu fehlten vernünftige Abstellanlagen, wo man sein Rad so anketten kann, dass es Diebe schwer haben. „Ich vermisse einen diebstahlsicheren, überdachten und gut beleuchteten Fahrradabstellplatz an der Haltestelle Bovert“, so ein Bürger beim Fahrradklima-Test des ADFC.

Doch mit der Aufnahme Meerbuschs in die AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte) im Sommer 2016 ist der Anspruch gewachsen, ein komfortables Angebot für Radfahrer zu schaffen. Die Verwaltung beauftragte die „Planungsgemeinschaft Verkehr“ aus Hannover, ein umfassendes Radverkehrskonzept zu erstellen, das einheitliche Standards festlegt.

Parallel dazu wurde die Stadt in einigen Bereichen schon tätig. So wurden Radfurten an Einmündungen von Seitenstraßen rot markiert, um Beinahezusammenstöße, die jeder Radfahrer schon einmal erlebt hat, zu verhindern. An anderen gefährlichen Stellen wie in Strümp, wo die Josef-Kothes-Straße auf die Forststraße trifft und die Sicht durch Büsche eingeschränkt ist, ist noch nichts passiert. Anderes, obwohl regelkonform, wurde von den Bürgern mit Kopfschütteln zur Kenntnis geworden. So nutzen einige Radfahrer im Neubaugebiet Ostara nicht die markierten Schutzstreifen, sondern fahren lieber auf dem Bürgersteig.

Unwillen erzeugen auch manche Ampelschaltungen, die für Radfahrer und Fußgänger nur Grün zeigen, wenn rechtzeitig ein Anforderungsknopf gedrückt wurde, obwohl der parallele Autoverkehr fließen darf. „Ich finde es nicht gut, dass die Ampel über die Xantener Straße nur grün wird, wenn man gedrückt hat. Das provoziert, dass Schulkinder einfach bei Rot laufen oder fahren“, meint Lotte M. aus Strümp. Ein anderes Problem: Es könnte zu Protest kommen, wenn auf einer Straße Parkplätze gestrichen werden, um Schutzstreifen für Radfahrer anzulegen. Daher besser nichts tun? Ein Ärgernis für viele Radfahrer ist zudem, dass Autos auf Radwegen geparkt werden und eine Kontrolle selten erfolgt.

Richtig schwierig wird es, wenn nicht die Stadt, sondern Kreis, Land oder Bund verantwortlich für eine Straße sind. So wurde zwar bei einer Ortsbegehung in Strümp beschlossen, den Radweg an der Einmündung der Osterather Straße in die Schlossstraße nach vorne zu verlegen, doch wann dies geschieht, ist offen, obwohl die Zwischenlösung – das heißt, die Entfernung des Radwegs – die Situation weiter verschärft hat.

Zusätzlich erschweren gesetzliche Vorschriften die Lage. So gilt bei innerörtlichen Kreisverkehren, dass der Radfahrer im Kreisverkehr wie die Autos Vorfahrt vor einbiegenden Autos hat, während dies bei außerörtlichen Kreiseln nicht der Fall ist. Da aber kaum ein Bürger weiß, was was ist, kommt es oft wie in Strümp beim Kreisel Osterather Straße/Strümper Busch zu gefährlichen Situationen.

Unbekannt ist vielen Verkehrsteilnehmern außerdem die gesetzliche Regelung, dass Radfahrer in 30er-Zonen im Mischverkehr auf der Straße fahren sollen und Autos einen Abstand von 1,50 Metern halten müssen. „Die Autofahrer nehmen Radfahrer nicht als Verkehrsteilnehmer wahr. Selbst in kleinen Nebenstraßen kommt man dadurch fast täglich in Lebensgefahr“, sagt Peter Koenders vom ADFC Meerbusch.

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