Der NPD- Aussteiger Jörg Fischer-Aharon berichtet über die rechte Partei.

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Jörg Fischer-Aharon will aufklären – unermüdlich.

Jörg Fischer-Aharon will aufklären – unermüdlich.

Ingel

Jörg Fischer-Aharon will aufklären – unermüdlich.

Meerbusch. Das von der bayerischen Staatsregierung geplante, neuerliche NPD-Verbotsverfahren ist bei der Opposition im Landtag auf heftige Kritik gestoßen. SPD und Die Grünen halten die Forderung von CDU-Innenminister Joachim Herrmann nach einem Verbot für populistisch.

Auf Einladung der entsprechenden beiden Kommunalparteien im Alten Güterbahnhof sprach Aussteiger und Autor Jörg Fischer-Aharon über seine Zeit bei der NPD. Er sei nicht "plötzlich als Antifaschist aufgewacht".

Die Ursachen dafür, 1995 nach neun Jahren zweifelhafter Pressearbeit für die "Kameradschaft" in die konträre Vortragstätigkeit, hauptsächlich an Schulen und anderen Bildungsstätten, zu wechseln, seien vielmehr ganz unterschiedlicher Natur gewesen.

Das Miterleben von Gewalt hat zum Umdenken bewogen

"Zum einen war es das einschneidende, hautnahe Miterleben von Gewalt und Töten wie in Hoyerswerda. Zum anderen der indirekte Widerspruch zu der eigenen Homosexualität." Dass bei den Ultrarechten nicht nur zu diesem Thema gelogen und unter den Teppich gekehrt werde, erzählt der politische Aufklärer seit 13 Jahren unermüdlich in Interviews und im Internet, wo auch seine Nachrichtenseite mit tagesaktuellen Meldungen aus Nahost sowie zu den Themen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Islamismus zu finden ist.

Der freie Journalist, der als 13-jähriger Diabetiker bei einem Besuch im Versorgungsamt Nürnberg von der NPD angeworben und als Teenager von sektenhafter Zeltlagerromantik verzaubert worden sei, möchte "Denkanstöße zur Erinnerung mitgeben".

Er erzählt von Methoden und Meinungsmache, vom zunächst scheinbar ideologiefreien Seelenfang junger, halt- und hoffnungsloser "zu kurz Gekommener". Die Taktik würde bei banalen Attraktionen wie Hüpfburg und kostenlosen Musik-CDs ansetzen und vom schleichenden Einfluss "über die Politik hinaus bis zu den eigenen Essgewohnheiten" reichen.

Auch das Fälschen von Zahlen, Presseausschluss und in Russisch verfasste Flugblätter für Spätaussiedler gehörten zu dieser Liste, die lang ist und noch lange nicht beim bizarren "Zurück-Teutschen" von eingedeutschtem Sprachgut ende.

Beispiele: In Hochburgen wie Mecklenburg-Vorpommern gleite man im T-Hemd per Schoßrechner im Weltnetz, statt bekleidet mit T-Shirt via Laptop im Web zu surfen. Und die Compact Disc ist im braunen Paralleluniversum eine Lichtstrahlmusikabspielscheibe.

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