Stadt setzt im Herrenbusch erstmals zwei Rückepferde ein.

Forstwirtschaft
Während Peter und Nicole Basten den Stamm bereits an den Weg gezogen haben, muss Sepp (im Hintergrund) noch kräftig schuften.

Während Peter und Nicole Basten den Stamm bereits an den Weg gezogen haben, muss Sepp (im Hintergrund) noch kräftig schuften.

Ingel

Während Peter und Nicole Basten den Stamm bereits an den Weg gezogen haben, muss Sepp (im Hintergrund) noch kräftig schuften.

Ossum. Peter und Sepp haben Mittag. Es gibt Klee, Wasser, Körner. Die beiden Kaltblüter dösen vor sich hin, suchen die Nähe des jeweils anderen. Bis zu sechs Stunden dauert ihr Arbeitstag, und der hat es in sich. 100 zugeschnittene, etwa drei Meter lange Baumstämme am Tag müssen sie jeweils aus dem dicht bewachsenen Herrenbusch bei Ossum an einen der freigelegten Wege ziehen, so dass sie dort anschließend von Schleppern abgeholt werden können.

Peter, ein 13-jähriges süddeutsches Kaltblut, und der siebenjährige Sepp, ein Tiroler Noriker und sozusagen Peters Lehrling, sind Rückepferde. Nachdem die emsigen Arbeitstiere, die in der Lage sein sollten, ihr eigenes Körpergewicht zu ziehen – also bis zu 800 Kilogramm – seit den sechsziger Jahren zunehmend durch Forstmaschinen ersetzt wurden, erleben sie inzwischen eine Renaissance.

„Die Arbeit mit ihnen ist bodenschonend, energiesparend und daher optimal geeignet für sensible Bereiche wie ein Naturschutzgebiet“, sagt Michael Betsch, Leiter des Servicebereichs Grünflächen der Stadt, die erstmals auf die Dienste von Rückepferden setzt.

Rückepferde sind vergleichsweise billig

Georg Stevens, Chef von Peter und Sepp, schwört auf die beiden Kaltblüter: „Sie arbeiten sehr präzise, werden nur selten nervös und sind vergleichsweise billig.“ 15 bis 20 Jahre könnte ein Rückepferd in der Regel arbeiten. „In diesem Zeitraum würde eine Zugmaschine über 60 000 Liter Diesel verbrauchen – und zudem noch jede Menge Öl auf dem Waldboden absondern“, erzählt Stevens, der seine Fuhrhalterei im niederrheinischen Alpen lediglich nebenberuflich betreibt. „Eigentlich bin ich Kfz-Meister, und meine Kollegin Nicole Basten arbeitet in der Apotheke.“

Auch Daniel Hook, der als Förster des Landesbetriebs Wald und Holz auch für Meerbusch zuständig ist, begrüßt diese alternative Form des Holztransports abseits der so genannten Rückegassen“, die in den Forst geschlagen werden: „Das ist eine ausgezeichnete und elegante Möglichkeit, Distanzen zu überbrücken, ohne den Waldboden unnötig aufzuwühlen.“

180 Hektar Wald liegen auf Meerbuscher Stadtgebiet, rund die Hälfte davon umfasst der Herrenbusch. Die anderen Waldgebiete sind im Vergleich dazu eher klein. Der Wald soll vor allem der Naherholung dienen. Die Stadt hat keinen eigenen Förster, sondern unterhält mit dem Landesbetrieb Wald und Holz einen Beförsterungsvertrag. Das Holz von Ahorn oder Esche wird später als Brennholz verkauft.

Georg Stevens nennt jedoch noch einen weiteren Pluspunkt, der für Peter und Sepp spricht: „Wenn die Leute uns sehen, bleiben sie stehen, schauen neugierig und freuen sich. Das wäre bei einer großen Maschine, die alles niederpflügt, bestimmt nicht der Fall. Denn 20 Meter im Umkreis der freigeräumten Rückegassen wächst kein Strauch mehr.“

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