In der Rehaklinik installiert die Rheinbahn die erste Innen-Haltestelle als Anlaufpunkt.

wza_1011x1500_578143.jpeg
Lotte Kratz (82), Ursula Thinius (78) und Erika Behr (92, v.l.) warten mit Chefarzt Heribert Woelki an der Bushaltestelle C1 auf ihre Betreuer. Auch die Rollator-Gruppen treffen sich hier – fest nach Fahrplan.

Lotte Kratz (82), Ursula Thinius (78) und Erika Behr (92, v.l.) warten mit Chefarzt Heribert Woelki an der Bushaltestelle C1 auf ihre Betreuer. Auch die Rollator-Gruppen treffen sich hier – fest nach Fahrplan.

Ingel

Lotte Kratz (82), Ursula Thinius (78) und Erika Behr (92, v.l.) warten mit Chefarzt Heribert Woelki an der Bushaltestelle C1 auf ihre Betreuer. Auch die Rollator-Gruppen treffen sich hier – fest nach Fahrplan.

Osterath. Wer den Begriff Therapieklinik hört, assoziiert nicht direkt Demenz. Doch von den 300 Patienten, die in der St. Mauritius-Therapieklinik in Osterath versorgt werden, haben 85 ihr Zimmer in der geriatrischen Station. "Etwa 35 Prozent von ihnen weisen geistige Einschränkungen auf", berichtet Chefarzt Heribert Woelki.

Um gerade diesen Menschen die Orientierung zu erleichtern, beschreitet die Klinik neue Wege: An drei zentralen Punkten auf der Geriatrie-Station stehen jetzt Bushaltestellen - laut Rheinbahn die ersten Inhouse-Haltestellen für Demenzkranke überhaupt - inklusive drei Sitzen und einem "Fahrplan".

Ein sicherer Orientierungspunkt auch für verwirrte Menschen

Treffpunkt Bushaltestelle C1, B1 oder B2 - das ist in den vergangenen vier Wochen schon ein geflügeltes Wort geworden. "Das Prinzip funktioniert", sagt der Physiotherapeut Georg Bischoff. Bischoff, ein umgeschulter Busfahrer, und seine Kollegen hatten bemerkt, dass auch sehr verwirrte Menschen in der Lage waren, den Weg zu ihrem Haus oder Wohnort anhand von Haltestellen, Buslinien oder Bahnhöfen zu beschreiben.

Das will man sich zunutze machen, um funktionierende Sammelpunkte zu schaffen, von wo aus man die Patienten zu den Therapiestellen im ganzen Haus bringen kann. Bischoffs Kollegin Julia Guhl kümmerte sich um die Verwirklichung - mithilfe der Rheinbahn.

"Das H ist ein Signal, das tief im Gedächtnis der Patienten verankert ist", sagt Chefarzt Woelki. Verabredungen an Info-Punkten oder unter Lampen mit Sternenschmuck seien oft gescheitert, aber die Aussage "Wir treffen uns an der Bushaltestelle" sei für alle glasklar.

Klare Strukturen und Vertrautes schaffen - das sei für demente Menschen besonders wichtig, betont Woelki und ergänzt: "Natürlich wissen sie, dass hier kein Bus kommt. Das behauptet auch niemand."

Mittlerweile nutzten viele Hausbesucher die Haltestelle: um bei einem Rundgang eine Rast einzulegen, sich mit Besuchern zu verabreden oder mit Nachbarn zu unterhalten.

Als Geburtshelfer erwies sich die Düsseldorfer Rheinbahn: Offen begegnete das Nahverkehrsunternehmen diesem eigenwilligen Projekt. Eine richtige Haltestelle als Phantom zu installieren, war jedoch zum großen Bedauern des Chefarztes im Innenraum nicht möglich. Feuerwehr und Haustechniker spielten nicht mit.

Die Sehnsucht findet einen vertrauten Ort

Das Resultat aus Können und Wollen in Osterath war schließlich die abgespeckte Version mit Haltestellenschild, Fahrplan und Sitzen - gespendet von der Rheinbahn. Vor zwei Seniorenheimen in Benrath und Ludenberg hat die Rheinbahn zwei ausrangierte Wartehäuschen als Kulisse aufgestellt. "An keiner hält ein Bus, aber die Menschen können hier stressfrei warten", erläutert Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster den Sinn.

Viele Demenzkranke lebten in der Vergangenheit und sehnten sich nach ihrem Zuhause. Oft suchten sie die Bushaltestellen auf, verlören dort ihre Unruhe und warteten zufrieden auf ihren Transport. Dass der nicht in Form eines Busses komme, sei nicht problematisch: Viele Patienten, so die Erfahrung der Betreuer, hätten nach wenigen Minuten vergessen, wohin sie wollten.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer