Reha-Klinik schult Angehörige, die pflegebedürftige Familienmitglieder zu Hause versorgen wollen.

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Ulrich und Dorothea Schaffrath hoffen, dass ihr Sohn Helge (mit Schwester Denise) weiter Fortschritte macht.

Ulrich und Dorothea Schaffrath hoffen, dass ihr Sohn Helge (mit Schwester Denise) weiter Fortschritte macht.

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Ulrich und Dorothea Schaffrath hoffen, dass ihr Sohn Helge (mit Schwester Denise) weiter Fortschritte macht.

Osterath. Für Dorothea und Ulrich Schaffrath brach im November vergangenen Jahres eine Welt zusammen, als ihr Sohn Helge nach einem Unfall mit einem Schädelhirntrauma auf der Intensivstation um sein Leben kämpfte.

"Anfangs wusste keiner zu sagen, wo die Reise hingeht. Inzwischen sehen wir jeden Tag Fortschritte", berichtet Ulrich Schaffrath. Nach den ersten positiven Signalen der Ärzte stand für das Paar fest, dass es seinen 20-jährigen Sohn möglichst zu Hause pflegen wollte.

Doch lange Zeit fühlten sich die Neusser allein gelassen. Erst seit dem Beginn der Reha in der Mauritius-Therapieklinik schöpfen sie wieder Hoffnung, ein halbwegs normales Leben führen zu können.

Angehörige werden noch in der Klinik trainiert

Die Therapieklinik hat als erste Reha-Einrichtung im Rheinland ein Projekt umgesetzt, das an Akut-Krankenhäusern im Kreis Neuss bereits weitgehend flächendeckend eingeführt wurde.

Bei dem Programm "Familiale Pflege" geht es um die Beratung und Schulung von Angehörigen, die erstmals Pflegebedürftige in den eigenen vier Wänden versorgen wollen. Sie werden von spezialisiertem Personal noch in der Klinik trainiert, vertieft werden diese Kenntnisse dann in Initialpflegekursen nach der Entlassung des Patienten.

Angehörige können schon während der stationären Behandlung des Patienten am Krankenbett individuell auf die häusliche Pflege vorbereitet werden.

Nach der stationären Behandlung besteht für die Pflegenden die Möglichkeit, an einem Initialpflegekurs teilzunehmen. Dieser Kurs mit insgesamt zwölf Unterrichtsstunden findet an drei Tagen im Krankenhaus statt.

"Der Anteil an Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, liegt bei rund 70Prozent. Und 50Prozent davon werden von ihren Angehörigen betreut", erklärt Katharina Gröning, die das für die Betroffenen kostenlose Projekt an der Universität Bielefeld in Kooperation mit der AOK federführend entwickelt hat.

"Diese Personen sind zumeist schlecht vorbereitet auf ihre neue Rolle. Daran können ganze Familien auseinander brechen", sagt die Professorin. "Und genau an dieser Schnittstelle zwischen Klinik und häuslicher Pflege setzen wir an."

Zwei Mitarbeiter für die Stationen Früh-Reha und Geriatrie würden sich momentan zum Trainer ausbilden lassen, berichtet Barbara Beeg, Pflegedienstleiterin an der Therapieklinik. "Für die Angehörigen ist es vor allem wichtig, eine feste Bezugsperson zu haben. Schon beim Aufnahmegespräch wird das Thema häusliche Pflege angeschnitten, später dann konkretisiert", so Beeg.

Schaffrath: "Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken"

Dorothea Schaffrath fühlt sich in Osterath bestens aufgehoben. "Schon das erste Gespräch hat mir unheimlich viel gebracht. Einfach mal seine Ängste und Nöte von der Seele reden, vielleicht auch ein bisschen weinen - das hilft."

Die anfängliche Skepsis ihres Mannes wich schnell der Erkenntnis, "dass man den Kopf nicht in den Sand stecken darf. Das Leben geht weiter und man muss lernen, sich mit der Situation abzufinden".

Was ihn von dem Modellprojekt überzeugt hat: "Hier wird individuell auf die Bedürfnisse meines Sohnes eingegangen. Wie bette ich ihn? Wie setze ich ihn ins Auto, ohne ihm weh zu tun? Was steht ihm finanziell zu?

Bei all diesen Fragen wurde uns konkret geholfen", erzählt Ulrich Schaffrath, der jetzt "einen Ausweg aus dem schwarzen Loch" sieht: "Die Ängste werden immer weniger, wir freuen uns darauf, Helge irgendwann wieder zu Hause zu haben."

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