Geld verdirbt eben doch nicht unbedingt den Charakter. Marina Schumann ist der beste Beweis dafür.

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Zwei, die sich verstehen: Marina Schumann und Luigi Colani.

Zwei, die sich verstehen: Marina Schumann und Luigi Colani.

Altgeld

Zwei, die sich verstehen: Marina Schumann und Luigi Colani.

Meerbusch/Düsseldorf. Vor drei Jahren hatte sie das Glück auf ihrer Seite - und es scheint noch immer anzuhalten. Breit strahlend sitzt Marina Schumann im Tagungsraum des China-Centers an der Kö in Düsseldorf. Im November 2006 hatte die heute 44-Jährige bei der NKL-Show "Mega Clever" eine Million Euro gewonnen. Trotz der finanziellen Stütze im Rücken gibt sich die Strümperin nach wie vor bescheiden und zurückhaltend.

Der Mann zu ihrer Rechten mit dem weißen Wollpulli, den halblangen Haaren und jenem charakteristischen Schnauzbart scheint da eher das genaue Gegenteil zu verkörpern. Auffallend oft sagt er "Scheiße" und "verdammt" - und wirkt dabei auch noch sympathisch. Er belehrt die Anwesenden über dies und das - zum Beispiel die Fotografen über die Ursprünge ihrer Kameras. Er muss es schließlich wissen, er ist vom Fach, eine lebende Ikone, eine Marke. Er ist Luigi Colani.

Der bekannte Industriedesigner ist am Donnerstag auf die Kö ("immer noch ein schlaffer Laden") gekommen, um in seiner Funktion als Schirmherr über die NKL-Aktion "Lebenstraum" zu berichten, in der Menschen über 50 Jahre die Möglichkeit bekamen, Dinge zu tun, die sie schon immer tun wollten - angefangen von einem Praktikum als Lokführerin bis hin zum Praxistag als Bierbrauer.

Doch was hat Marina Schumann mit dieser Aktion zu tun? Nichts. Dennoch war sie eingeladen - auch um darüber zu berichten, wie das damals alles so kam mit dem plötzlichen Geldsegen.

Mann vom Losekauf am Telefon wenig begeistert

"Ich hab mich ein wenig bequatschen lassen", erinnert sich die Familienmutter an den ersten Anruf der Lotterie. Als ihr Mann am Abend erfuhr, dass sie über das Telefon Lose gekauft hatte, zeigte der sich eher mäßig begeistert. Einen Tag später stornierte Marina Schumann die Bestellung, um sie wiederum einen Tag später dann doch anzunehmen.

"Mir war dann egal, wie mein Mann darüber dachte", sagt Schumann und lacht. Und gelacht hat sie im Zusammenhang mit dieser Meinungsverschiedenheit sprichwörtlich als Letzte - zumal sie die eine Million Euro zum damaligen Zeitpunkt wirklich gut gebrauchen konnte.

"Wegen eines Notarfehlers, der nicht mehr rückgängig zu machen war, hatten meine Eltern ihr Haus verloren und hätten vielleicht wenig später ausziehen müssen." Das konnte die Strümperin, die heute immer noch auf 400-Euro-Basis arbeitet, dann zum Glück verhindern. "Außerdem haben wir ’ne große Feier gemacht", erzählt sie. Dennoch habe sich ihr Lebensstil nach dem großen Gewinn nur wenig verändert. "Ich lebe wie vorher auch. Das einzige, was wir uns jetzt gönnen, ist mehrmals im Jahr wegzufahren."

Raus aus Deutschland, das Colani als "ein Land, das keinen Dampf mehr hat", bezeichnet. Er selbst hat ihn noch zweifelsohne - das merken alle im Saal. Und das in seinem Alter. "Ich bin 81, verdammte Scheiße", sagt der Design-Star, haut die Hand auf den Tisch und grinst.

Dass Marina Schumann im Fernsehen und für alle sichtbar ihre Million gewonnen hat, stört sie im nachhinein nicht. Nur zwei Mal innerhalb von drei Jahren hätten Spendenorganisationen bei ihr angerufen.

Einen Moment der Showaufzeichnung hat die 44-Jährige heute noch ganz genau in Erinnerung. Als der Konfettiregen nach dem Gewinn losging, ist ihr Mann zu ihr gelaufen und hat ihr etwas ins Ohr geflüstert: "Ab sofort darfst du am Telefon kaufen, was du willst."

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