Michael Schreckenberg sieht Kreisverkehr und Tempolimit in Strümp kritisch.

Experte
„Das können Sie machen, sinnvoll ist es aber nicht.“ Michael Schreckenberg war nicht immer einer Meinung mit den Strümpern.

„Das können Sie machen, sinnvoll ist es aber nicht.“ Michael Schreckenberg war nicht immer einer Meinung mit den Strümpern.

Blumen und Grablichter an der Kreuzung erinnern an den Tod des Elfjährigen.

Marc Ingel, Bild 1 von 2

„Das können Sie machen, sinnvoll ist es aber nicht.“ Michael Schreckenberg war nicht immer einer Meinung mit den Strümpern.

Strümp. Vor rund sechs Wochen starb ein elfjähriger Schüler nach einem Unfall an der Kreuzung Xantener Straße / Bergfeld in Strümp. In der Folge wurden im Ort wieder Rufe nach einem Tempolimit sowie einem Kreisverkehr laut. Doch obwohl Bürgerverein und Stadt an einem Strang ziehen und zumindest die Einführung von Tempo 50 an dieser Stelle einhellig befürworten, stellt sich der zuständige Landesbetrieb Straßen NRW bislang quer – die Kreuzung sei kein Unfallschwerpunkt.

50 Interessierte folgen der Einladung der UWG

Vor diesem Hintergrund hatte die UWG Professor Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Rund 50 Neugierige wollten wissen, welche Meinung der Experte zu diesem Streit sowie zu anderen Verkehrsproblemen, die in Meerbusch diskutiert werden, hatte.

Doch obwohl das von ihm mitformulierte Nagel-Schreckenberg-Modell zur Simulation des Straßenverkehrs es sogar bis zur Frage bei „Wer wird Millionär?“ geschafft hat, so richtig weiterhelfen konnte er den Strümpern nicht. „Ich bin generell ein Gegner von Kreisverkehren. Wenn sich dort die Wege von Radfahrern und Autofahrern kreuzen, erhöht sich die Unfallgefahr eher noch“, sagte der „theoretische Physiker“.

Auch Tempo 30 – die Maximalforderung des Bürgervereins – sei kein Allheilmittel, weil die Aufmerksamkeit der Autofahrer dadurch erlahme. „Die sicherste Maßnahme an so einer Stelle, die bisher eben nicht durch häufige Unfälle aufgefallen ist, bleibt eine Ampel“, betonte Schreckenberg. Allerdings befürworte er die Einführung von Gelb-Phasen, sonst sei der Wechsel von Grün auf Rot zu plötzlich, „und man ist gezwungen, gegen Rot zu gehen“. Nicht schaden könnte darüber hinaus, die Verkehrserziehung in den Schule zu intensivieren.

Wer auf Kreisverkehr zufährt, geht automatisch vom Gas

Das konnte die Zuhörer nur wenig befriedigen. Wer auf einen Kreisverkehr zufahre, verringere automatisch seine Geschwindigkeit, wandte ein Lanker ein, der in seinem Stadtteil sehr gute Erfahrungen mit den drei vorhandenen Kreisverkehren gemacht habe. Es werde ohnehin 20 Stundenkilometer zu schnell gefahren, „wenn wir die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 50 drosseln, wird wenigstens nur noch 70 statt 90 gefahren“, sagte ein anderer.

Professor Michael Schreckenberg hält Blitzmarathons für „bodenlosen Schwachsinn. Man muss richtiges Verkehrsverhalten in die Köpfe der Menschen be-kommen, statt Strafen auszusprechen“.

„Elektroautos haben wegen der Speicherproblematik keine wirkliche Zukunft. Die liegt eher beim Erdgas. Es sei denn, Putin dreht uns den Hahn zu.“

„In der Anonymität des Autos gehen die Menschen Risiken ein und erlauben sich Dinge, die sie sich im Alltag niemals herausnehmen würden.“

„Untersuchungen haben bewiesen: Während sich beim Beifahrer stets Angst und Panik breitmacht, hat der Fahrer sein Großhirn weitgehend ausgeschaltet.“

Häufigste Ursache von Unfällen wegen Ablenkungen am Steuer ist der Streit mit dem Beifahrer (80 Prozent). Das Einstellen des Navisystems nimmt mit 55 Prozent einen Mittelfeldplatz ein, während das Schreiben einer SMS nur bei 20 Prozent liegt – aber wohl nur, weil die meisten gar nicht erst auf diese Idee kommen würden.

Doch Schreckenberg blieb bei seiner „statistisch belegten“ Meinung. Auch schülerfreundlich lange Grünphasen, insbesondere in den Morgenstunden, sieht er wegen des Berufsverkehrs kritisch: „Das produziert zusätzliche Staus.“

Als groben Unfug bezeichnete Schreckenberg dagegen den Bau der K9n. „Viel zu aufwendig. Eine Querspange vom Bergfeld zur Moerser Straße und eine Untertunnelung der K-Bahn an der Kreuzung an Haus Meer wäre bedeutend sinnvoller.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer