Altweiber: Dieter Spindler macht sich das Leben selbst schwer, hält sich beim Sturm auf das Rathaus aber tapfer.

Bürgermeister Dieter Spindler ertrug das respektlosen Verhalten der Möhne mit lächelnder Fassung.
Bürgermeister Dieter Spindler ertrug das respektlosen Verhalten der Möhne mit lächelnder Fassung.

Bürgermeister Dieter Spindler ertrug das respektlosen Verhalten der Möhne mit lächelnder Fassung.

Thomas Glein

Bürgermeister Dieter Spindler ertrug das respektlosen Verhalten der Möhne mit lächelnder Fassung.

Meerbusch. Möhne gibt es nicht im Singular, treten sie doch stets in größeren Gruppen auf. Die "Elfuhrelf"- Marke wurde trotzdem von den zahlreichen Vertreterinnen dieser Spezies in Meerbusch verpennt. Der traditionelle Sturm auf das Rathaus begann etwas später, das bunt bemalte Volk zog es zunächst vor, andächtig karnevalistischen Reimen in den eigenen Reihen zu lauschen.

Als Rammbock für die Rathaustür diente nach anfänglicher Androhung "roher Gewalt" schließlich eine stabile Papp-Laterne aus Nierster Werkstatt. "Die brennt auch nachts", wie die Nierster dem Bürgermeister gegenüber auf dem vermeintlich sicheren Rathausbalkon in Anspielung auf die Abschaltung der Laternen im Stadtgebiet zu später Stunde betonten.

Das Portal, verbrettert und deutlich mit Warnschildern versehen ("Kein Zutritt für Möhne und ähnliche Weibsbilder"), hielt wie erwartet nicht lange stand. Die Rathaus-Riege, angetreten unter dem Motto "Ü40", gab sich angesichts der auffallend vielen Teufelinnen mit weithin sichtbar rot leuchtenden Hörnchen geschlagen.

Den Stadtvater baten aber natürlich die altvorderen Obermöhne in ihren klassischen Kleidern und Blumenhüten zum Tanz. Um, wie geplant und angekündigt, zu tanzen, "bis der Bürgermeister umfällt", waren die jecken Frauen aus sämtlichen Stadtteilen zahlreich gekommen. Entsprechend entgegenkommend zeigte sich dann auch Dieter Spindler: Er trug freiwillig eine Häftlingskugel am Bein.

Auch andere Herren signalisierten Solidarität, trugen ihren Schlips sogar wenig chic über der Lederjacke und ließen sich bützen - bis stellenweise auch mal Blut floss. Dennoch war nach zehn Minuten Schluss mit den Promi-Standardtänzen. Das genügte dann aber auch schon, denn zu diesem Zeitpunkt zeigten sich bereits erste Anzeichen von Gefrierbrand an Händen und Füßen beim närrischen Volk.

"Der Bürgermeister hätte natürlich noch länger gekonnt, er kommt doch gerade erst aus dem Urlaub", sagte Stadtsprecher Michael Gorgs, der bewies, was ein "Presse-Organ" wirklich so alles im Repertoire hat. Er sang - zielsicher im Ton - die Schunkelschlager am Mikrofon lauthals mit. Nach all der aufreibenden Anstrengung ging es, wie jedes Jahr, "rechts durchs Törchen", wie Dieter Spindler auch in diesem Jahr wieder in den Rathaus-Biergarten einlud.

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