Der Personalrat empfiehlt eine systematische Aufgabenkritik.

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Der Personalratsvorsitzende Ulrich Mombartz (l.) und sein Stellvertreter Thomas Cieslik vertreten die Interessen der rund 650 Beschäftigten.

Der Personalratsvorsitzende Ulrich Mombartz (l.) und sein Stellvertreter Thomas Cieslik vertreten die Interessen der rund 650 Beschäftigten.

Der Personalratsvorsitzende Ulrich Mombartz (l.) und sein Stellvertreter Thomas Cieslik vertreten die Interessen der rund 650 Beschäftigten.

Meerbusch. Die Stadt Meerbusch ist mit 650 Beschäftigten und 533 Planstellen ein gewichtiger Arbeitgeber - immer noch, auch wenn seit 2004 gezielt Personal eingespart wurde. Das geschah nicht unüberlegt, "aber eine objektive Aufgabenkritik fehlte", sagen Ulrich Mombartz und Thomas Cieslik, die Personalratsvorsitzenden in der Stadt Meerbusch. Ausgehend vom Niveau 2004 wurde vorgegeben, dass die Personalkosten im Jahr 2008 um ein Prozent niedriger liegen müssten. Das Fazit im Mai 2009: Knapp 45 Stellen und 7,9 Millionen Euro wurden gegenüber 2004 eingespart - das Ziel übertroffen.

Doch das Personalentwicklungskonzept wurde im Wesentlichen als Personaleinsparungskonzept verstanden, mit der Folge, dass die Mitarbeiter in einigen Bereichen unter Überlastungen klagen. Angesichts dessen ist der Personalrat hochzufrieden, dass auch in den Augen von Bürgermeister Dieter Spindler jetzt das "Ende der Fahnenstange bei den Personaleinsparungen erreicht" sei.

In den Augen von Mombartz und Cieslik ist eine nüchterne Bestandsaufnahme wichtig. "Wir müssen schauen, welche Aufgabe mit welchem Personal erledigt werden muss und ob das machbar ist", schildert Mombartz das Vorgehen.

Befristete Verträge angesichts der Großbaustellen (Mediothek, Bürgerhaus, Baubetriebshof) machen in den Augen von Mombartz und Cieslik ebenso Sinn wie Überstunden, die wegen eines Projekts eine Zeit lang anfallen. "Aber das darf nicht der Normalzustand sein."

Dass Engpässe durch eine Auftragsvergabe an Externe bewältigt werden, ist auch in Meerbusch gängig, aber kritisch: Eine Aufrechnung dieser Kosten gegen die gesparten Personalkosten fehlt.

Eine klare Aufgabenkritik, Transparenz und die Offenlage der Fakten - darin sehen Mombartz und Cieslik in Zeiten leerer Kassen den Schlüssel der städtischen Personalpolitik. Sinnvoll wäre in ihren Augen die Wiederbelebung einer zentralen Organisationseinheit, ähnlich einer Personalabteilung: Sie könnte eine Arbeitsplatzuntersuchung durchführen, die Arbeitsabläufe transparent machen und dem Vorstand objektive Fakten vorlegen. "Ich glaube, dass sich das für Meerbusch rechnet", sagt Mombartz.

Auch die Angebote der Stadt müssen auf den Prüfstand

Wichtig sei solch eine zentrale und objektive Stelle auch, weil die Aufgaben und Belastungen der städtischen Mitarbeiter nicht immer sichtbar seien: Im Baubereich sind sie offenkundig, im Sozialbereich oder Bereichen der inneren Verwaltung, beispielsweise Finanzen oder Personal, schlecht messbar.

"Der Personalrat will zeigen, wo Grenzen erreicht sind", sagt Mombartz. Als Erfolg wertet er die zweite Springerstelle in den Kindergärten, die in diesem Jahr bei Bedarf besetzt werden wird.

Doch auch ein anderer Weg ist denkbar: Wo es nicht genügend Personal gibt, könnten im Notfall auch Leistungen reduziert werden. Das könnte schmerzhaft sein und unangenehmer Weise auch dazu führen, dass Kunden vor einem verschlossenen Bürgerbüro stehen.

Personal und Organisationsentwicklung sowie Transparenz - "diesen Weg wollen wir gehen", sagen Ulrich Mombartz und Thomas Cieslik. Dass sie dabei als Personalratsvorsitzende in der Politik Unterstützung finden, werten sie als "Beginn einer neuen politischen Kultur".

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